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Einladung zu einem Informationsabend: WAS GESCHIEHT AN UNSEREN SCHULEN?
Zu den Ereignissen an der Carl-von-Ossietzky- und der Heinrich-Schliemann-Schule
An die Gemeinden
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Wer es zum Ersten Mal hört, ist fassungslos. Wer nachfragt, wird abgewiesen. Wer protestiert, findet sich als "Staatsfeind" wieder. Was ist geschehen?
Schüler einer Schule äußern sich an einer Schulwandzeitung zu einem tagespolitischen Thema: Gefragt wird, wie es in VR Polen weitergehen kann. Andere Schüler diskutieren an Hand eines in der Zeitschrift "Die Volksarmee" veröffentlichten Gedichts und anlässlich der Frage nach dem Sinn von Militärparaden ihre friedenspolitischen Auffassungen. Wieder andere Schüler dieser Schule bekennen sich öffentlich zu ihrem Standpunkt, auch in der DDR allen neofaschistischen Tendenzen entschieden entgegenzutreten.
Man mag, wenn man dies hört, schon ahnen, daß es einigen schulischen Verantwortungsträgern nicht passen kann, wenn hier Jugendliche ihre eigenen Gedanken äußern. Wie also nehmen Pädagogen ihren Erziehungsauftrag wahr? Die schlimmsten Ahnungen bestätigen sich: Ein "Tribunal" von Lehrern und Leitungsfunktionären bescheinigt den Jugendlichen, ihre Meinungen zum Thema Polen seien "staatsfeindlich", ihre Auffassungen zu Friedenspolitik und Friedenserziehung stellten eine "pazifistische Plattform" an der EOS "Carl von Ossietzky" (!) dar und ihre antifaschistische Gesinnung sei, weil mit eigenen Plakaten auf der offiziellen Demonstration am 11. September manifestiert, als "Provokation" zu werten. Versuche der Schüler, sich gegen solche Verfälschungen ihres Anliegens und darauf aufbauende Diffamierungen zu wehren, werden unterbunden. Wo es aussichtsreich erscheint, setzt man FDJ-Ausschlußverfahren in Szene. In Schnellverfahren werden gegen alle, die sich nicht einschüchtern lassen, Relegierungen durchgesetzt, Umschulungen eingeleitet und Verweise ausgeteilt. Eltern, die sich gemeinsam mit ihren Kindern gegen dieses Unrecht wehren, werden als Verleumder denunziert bzw. zu Initiatoren staatsfeindlicher Umtriebe gestempelt. Die Mitschüler der abgestraften Jugendlichen empfangen die Weisung, jeden Kontakt mit den nunmehr Aussätzigen zu meiden.
Doch auch diese Ungeheuerlichkeit ließ sich zuletzt noch übertreffen: Eine außenstehende Schülerin der Schliemann-EOS, die sich mit einigen Mitschülern bei einem der relegierten Jugendlichen informiert, was in der Ossietzky-Schule vor sich ging, fand sich am nächsten Tag ebenfalls vor einem "Tribunal" bekannter Machart wieder, und die Umstände lassen eine Ausdehnung der drakonischen Abstrafungen nunmehr auch auf vermutete Sympathisanten befürchten. Zu allem Überfluß wies man diese Schülerin an, künftig über die Geschehnisse an der Ossietzky-Schule zu schweigen! Es erscheint nunmehr schon fast verständlich, wenn die Verantwortlichen für diese inquisitorischen Praktiken das Bekanntwerden solch unglaublicher "Erziehungsmaßnahmen" scheuen.
Wir fühlen uns durch diese Ereignisse unmittelbar betroffen. Wir protestieren gegen diesen Exzess der Willkür gegenüber Jugendlichen, die ein Recht auf die Diskussion ihrer Auffassungen zu allen sie bewegenden Fragen haben. Es darf weder heute noch in Zukunft geschehen, daß Jugendliche, die ihren eigenen Weg suchen, zu "Verschwörern" erklärt werden! Wir protestieren insbesondere gegen die zu befürchtende neuerliche Disziplinierung einer weiteren Schülerin. Wir fordern die Aufhebung der diskriminierenden Maßnahmen gegen alle betroffenen Schüler und die Einstellung aller weiteren Versuche, Offenheit und eigenes Engagement an unseren Schulen mit Einschüchterungsversuchen und Disziplinierungen zu beantworten und das Vertrauen von Jugendlichen zu mißbrauchen.
Zum Freitag, dem 28. Oktober ab 18.00 Uhr laden Mitarbeiter/innen kirchlicher Basisgruppen in den Gemeindesaal der Zionskirchgemeinde ein, um über die näheren Umstände der hier kurz geschilderten Ereignisse zu informieren. Willkommen sind alle Interessierten, insbesondere natürlich Schüler und Eltern.
Nur zum innerkirchlichen Dienstgebrauch!