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Langhaarige, Beatfans und Gammler II

Langhaarige, Beatfans und Gammler II Abschrift

Leserbriefe zum Artikel „Die Amateur-Gammler“ im Neuen Deutschland vom 17. Oktober 1965.

Leser schreiben ihre Meinung zu den Gammlern

Deutschlandtreffen schon vergessen ?

In den kapitalistischen Staaten ist die reaktionäre Gesellschaftsform die Ursache für solche Erscheinungen wie das Gammeln. Die Jugend dieser Länder stößt auf soziale Schranken. Sie sucht einen Ausweg und will mit "Gammeln" protestieren. Das ist ein Ausdruck der Ohnmacht der kapitalistischen Gesellschaft, die der Jugend keine klare Zukunft weisen kann.

Worin liegen nun die Ursachen bei uns, dass Jugendliche Gefallen finden an dieser "Mode"? Seit dem Bekanntwerden der Beatles haben auch bei uns viele Gitarrenbands gebildet. Diese rhythmische Musik findet Anklang, aber die meisten ihrer Anhänger gehen trotzdem zum Friseur. Auch sie verurteilen die Auswirkungen der Veranstaltung in der Westberliner Waldbühne. Sie haben neben ihrer Musik gute Ideale und Ziele, und sie sehen diese Ziele Wirklichkeit werden. Sie fühlen sich nicht außerhalb der Gesellschaft, sondern als ihre tätigen Mitglieder.

Dennoch gibt es auch bei uns einige "Gammler". Manche Jugendliche unserer Republik sind der Propaganda des Westfernsehens und des westlichen Rundfunks ausgesetzt. Liegt es allein daran ?

"Sie waschen sich nicht und stinken, ihre zottlige Mähne ist verfilzt und verdreckt, sie gehen der Arbeit und dem Lernen aus dem Wege..." So hieß es vorigen Sonntag im "ND". Ein Richter kann aber nicht nur anklagen, er muss ergründen und helfen.

Die Selbsthilfe der Schüler an Berliner Oberschulen ist zu begrüßen, zeigt sie doch, dass der Großteil unserer Jugend anders denkt. Wir müssen aber auch feststellen, dass die Erziehung der Jugendlichen nicht immer ausreicht, dass ihre vielfältigen Probleme nicht genügend erkannt werden, dass die Jugendarbeit nicht immer Schritt hält mit der schnelllebigen Zeit.

Wie man es machen muss, bewies das Deutschlandtreffen 1964. Dieses Ereignis war ein Höhepunkt für die Jugend, es riss sie zu heißen Diskussionen auf der Karl-Marx-Allee hin, ließ den Jugendsender "DT 64" entstehen. Die Jugend selbst gestaltete dieses Fest, tanzte Twist und den Shake bis in die frühen Morgenstunden hinein.

Arno Wernicke,
Jungingenieur,
24 Jahre, Berlin

Arbeit heilt

Es gibt da ein altes, bewährtes Rezept – arbeiten !
Arbeit wird in unserer Gesellschaft immer mehr zur Ehrensache, doch das gilt leider noch nicht für diese Gammelbrüder. Arbeit hat aber bekanntlich einen sehr hohen erzieherischen Wert. Und auf den kommt es mir an !

Die praktische Nutzanwendung dieser Erkenntnisse müsste etwa so lauten: Bei Gammlern, die kein Arbeitsverhältnis nachweisen können, mag man ein wenig nachhelfen. Körperlich schwere Arbeit wäre sehr zu empfehlen. Vielleicht kommen sie dabei auf vernünftige Gedanken und finden zu einer normalen Lebensweise zurück.

Übrigens: Bei Diskussionen im Kollegenkreis über diese Frage ist meine Auffassung bisher immer geteilt worden.

Franz Kreibich, Berlin

Pausenthema

In unserer Klasse wurde in den letzten Tagen natürlich auch viel über die Gammler gesprochen. "Ich finde sie abscheulich. Wer so herumläuft, ist auch geistig zurückgeblieben!" meinte Sylvia Appelt, und Mathias Vogel sagte: "Jetzt weiß ich wenigstens, wie die Neandertaler mal aussahen."

Gaby Seibt entrüstete sich: "Wie können Mädchen mit solchen Typen 'rumlaufen ! Ich würde ihnen zwei Mark in die Hand drücken und sie zum Friseur schicken." Dagmar Neidig stimmte dem zu: "Sie sehen schrecklich aus. Mir würde so einer nie gefallen, obwohl ich nicht etwa gegen Beat bin."

"Ich kann nur sagen", meldete sich Dieter Klingspohn, "wenn große Kinder zuviel spinnen, trocknet ihr Verstand ein. Einfach unverständlich, dass die Eltern und Lehrer das durchgehen lassen."

So ging die Diskussion noch lange weiter, und nicht einer schwang sich zur Verteidigung der Zottelköpfe auf.

Rosemarie Hartung,
Kant-Oberschule
Lichtenberg
Klasse 9 b a 3

Es geht nicht um Frisuren

Bei den vielerorts zum Ärgernis gewordenen "Gammlern", man sollte diese Burschen übrigens besser "Skunks" – Stinktiere – nennen, kann die Erziehung nicht mehr dem einzelnen überlassen bleiben. Hier muss eine massive gesellschaftliche Erziehung einsetzen. Und zwar eine Erziehung, die eindeutig auf unsere sozialistischen Auffassungen von Ethik und Moral hinweist.

Leider fühlte sich bisher niemand ernstlich bemüßigt, irgendetwas gegen die "Skunks" zu unternehmen.

Jetzt, wo wir ein wenig nachhelfen, wird dies gewiss zwiespältige Meinungen bei der Jugend auslösen. Da, wo die "Skunks" bereits eine Art Landplage waren, wird man bestimmte Maßnahmen begrüßen. Aber in Gegenden, wo man nur ab und zu einen solchen Burschen mal aus der Ferne sah, wird man sagen: "Erst habt ihr sie so lange rumlaufen lassen, und nun kriegt ihr sie nicht schnell genug weg." Auch hier wird man deutlich klären müssen, dass es uns nicht um Haare und Frisuren geht, sondern um die Verhinderung von Dreck, Seuchen und Verbrechen.

Günter Striegler,
Berlin-Pankow


Quelle: Neues Deutschland vom 24. Oktober 1965, S. 7
Die Spießer regen sich auf: Leserbriefe zum Artikel „Die Amateur-Gammler“ im Neuen Deutschland. (© Neues Deutschland, 22. Oktober 1965, S. 4 )