17. Juni 1953 II

17. Juni 1953 II Abschrift

Bekanntmachung
des Militärkommandanten des sowjetischen Sektors von Berlin

Berlin, 18. Juni 1953

Hiermit wird bekanntgegeben, daß
Willy Göttling,
Bewohner von Westberlin,
der im Auftrage eines ausländischen Aufklärungsdienstes handelte und einer der aktiven Organisatoren der Provokationen und der Unruhen im sowjetischen Sektor von Berlin war und an den gegen die Machtorgane und die Bevölkerung gerichteten banditenhaften Ausschreitungen teilgenommen hat,
zum Tode durch Erschießen
verurteilt wurde.

Das Urteil wurde vollstreckt.

Dibrowa
Militärkommandant des sowjetischen Sektors von Berlin
Der Westberliner Kraftfahrer Willy Göttling wird am 17. Juni 1953 auf seinem durch Ost-Berlin führenden Heimweg von Sowjetsoldaten festgenommen. Einen Tag später erschießt man ihn als angeblichen Agenten und Provokateur standrechtlich. Vergeblich bemühen sich der Westberliner Senat und der Kommandant des französischen Sektors von Berlin, Brigadegeneral P. Manceaux-Démiau, um die Überstellung des Leichnams. Erst am 25. März 2003, kurz vor dem 50. Jahrestag des Volksaufstands, wird Willy Göttling durch den Militäroberstaatsanwalt der Russischen Föderation rehabilitiert und als „aus politischen Motiven repressiert“ anerkannt. (© REGIERUNGonline )