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Breakdance, Beats und Rap von Rostock bis Radebeul

Breakdance, Beats und Rap von Rostock bis Radebeul

Redaktion

Ab ca. 1983 begeistern sich viele Jugendliche in der DDR für die Hip-Hop-Kultur. In der ganzen Republik entwickelt sich trotz staatlicher Repression eine lebendige Szene.

(© Privatsammlung Heiko Hahnewald) (© Privatsammlung Jörg Pribbenow) (© Privatsammlung Jörg Pribbenow) (© Privatsammlung Jörg Pribbenow) (© Privatsammlung Jörg Pribbenow) (© Privatsammlung Jörg Pribbenow) (© Privatsammlung Heiko Hahnewald) (© Privatsammlung Heiko Hahnewald) (© Privatsammlung Heiko Hahnewald) (© Privatsammlung Heiko Hahnewald) (© Privatsammlung Heiko Hahnewald) (© Privatsammlung Heiko Hahnewald) (© Privatsammlung Heiko Hahnewald) (© Privatsammlung Heiko Hahnewald) (© Privatsammlung Heiko Hahnewald) (© Privatarchiv Heiko Hahnewald) (© Privatsammlung Heiko Hahnewald) (© Archiv Nico Raschick/"Here We Come") (© Archiv Nico Raschick/"Here We Come") (© Privatsammlung TJ Big Blaster Electric Boogie) (© Privatsammlung TJ Big Blaster Electric Boogie) (© Archiv Nico Raschick/"Here We Come") (© Archiv Nico Raschick/"Here We Come")

Ab 1983 findet die Interner Link: HipHop-Kultur mit ihren Klängen, Bildern und Bewegungen auch den Weg in die DDR. Von Rostock bis Radebeul, von Görlitz bis Magdeburg, in Berlin, Leipzig und Dresden – überall begeistern sich Jugendliche für diese neue Jugendkultur aus Amerika und vernetzen sich in einer kleinen, aber sehr sichtbaren Szene von Rappern, Interner Link: DJs, Interner Link: Graffiti-Künstlern und Interner Link: B-Boys. Dabei überwinden sie mit ihrer Kreativität immer wieder Hindernisse, die ihnen staatliche Akteure in den Weg legen, seien es materielle Einschränkungen, kulturbürokratische Disziplinierungen oder Überwachung durch die Interner Link: Staatssicherheit.

„Crazy Seven“ in Rostock

Als Fünfzehnjähriger gründet Jörg Pribbenow in Rostock eine Interner Link: Breakdance-Gruppe, die bei einem der ersten DDR-weiten Wettbewerbe im Hotel Neptun im November 1984 in Warnemünde einen der vorderen Plätze erkämpft. Im Oktober 1985 erhält er für seine Gruppe „Crazy Street Breakers“ eine Einstufung als Volkskunstkollektiv vom Rat der Stadt, Abteilung Kultur, sodass „Crazy Seven“, wie sich die Crew anschließend nennt, ganz offiziell tanzen darf. Pribbenow übernimmt die Organisation und handelt mit Volkseigenen Betrieben, Interner Link: FDJ und städtischen Kulturfunktionären die Konditionen für ihre Auftritte aus, mit denen „Crazy Seven“ viel Geld verdient. Als Interner Link: B-Boy und Organisator gilt er zudem den Einstufungskommissionen als Experte und wirkt des Öfteren in der Jury für die Einstufung anderer Breakdance-Gruppen in Rostock mit.

Zur gleichen Zeit erregt „Crazy Seven“ die Aufmerksamkeit der Rostocker Staatssicherheit. Im Oktober haben B-Boys von „Crazy Seven“ das Graffiti „Spray Time!“ an die Turnhallenwand ihrer Schule angebracht. Das Interner Link: MfS verdächtigt Pribbenow und seine Freunde, auch den Spruch „Russen raus aus Afghanistan“ gesprüht zu haben. Als Leiter der Gruppe gerät Pribbenow in den Fokus der geheimpolizeilichen Ermittlungen. Gleich zwei IMs spionieren sein Hip-Hop-Leben aus, sein Telefon wird abgehört und seine Wohnung durchsucht, die Kriminalpolizei wird eingeschaltet, und schließlich findet er sich zwei Hauptmännern der Staatssicherheit gegenüber, die ihn acht Stunden lang verhören. Da aber „Crazy Seven“ das „Russen-Graffiti“ nicht gesprüht hat, wie er ihnen glaubhaft machen kann, und die Staatssicherheit das HipHop-Graffiti als unbedenklich wahrnimmt, lassen die beiden Mitarbeiter ihn wieder gehen – nicht jedoch, ohne darüber nachzudenken, ob Pribbenow sich vielleicht auch als IM eignen würde, um die Rostocker HipHop-Szene auszuspionieren. Ein Gedanke, den sie nach der Einstellung der Überwachung aber nicht weiter verfolgen.

„Hahny`s Break Crew“ in Meißen

Schon als Kind wollte Heiko „Hahny“ Hahnewald Artist werden. Als B-Boy in der DDR geht er diesem Kindheitstraum nach: Im Februar 1987 wird er bei einem Break Dance Turnier im Jugendklubhaus Hoyerswerda als bester Solotänzer gekürt. Mit „Hahny`s Break Crew“, die er bereits Ende 1984 in Meißen gründete, nimmt er sehr erfolgreich an vielen Wettbewerben teil und wird für Betriebsfeste und andere Kulturveranstaltungen gebucht. Im November 1988 gewinnt er mit Hahny´s Break Crew die erste und letzte DDR-Championship im Haus Auensee in Leipzig, und im November 1989 erhält er als einer der wenigen Interner Link: HipHopper seinen Berufsausweis vom Ministerium für Kultur, der ihm erlaubt, sein Hobby zum Hauptberuf zu machen.

TJ Big Blaster Electric Boogie und die Universal HipHop Family

Der Dresdner Interner Link: DJ und Interner Link: Rapper TJ Big Blaster Electric Boogie tritt erstmals 1987 auf. Er schreibt seine eigenen Raps auf Englisch und produziert mithilfe von geliehenen amerikanischen Schallplatten, (West-)Radiomitschnitten und Drumcomputern seine eigenen Beats. Seine HipHop-Musik gibt er auf Partys im FDJ-Jugendklub „Scheune“ in der Dresdner Neustadt zum Besten und stößt auf gute Resonanz, sowohl beim jugendlichen Publikum als auch bei den Kulturfunktionären der Stadt. Trotz seiner sozialkritischen Texte, in denen er sich in Anlehnung an seine amerikanischen Vorbilder MC Melle Mel, Eric B & Rakeem und Afrikaa Bambaataa auch gegen die Verhältnisse vor Ort, also im System DDR wendet, loben die staatlichen Veranstaltungsbetriebe seine Partys – wohl wegen der Nikotin- und Alkoholabstinenz des Publikums, dessen tadellosen Verhaltens und wahrscheinlich auch aus Mangel an Englischkenntnissen.

Als eine zentrale Figur der Dresdner HipHop-Szene organisiert Electric B, wie er sich auch nennt, DDR-weite Interner Link: Rap-Contests, die im Sommer 1988 und 1989 in Radebeul stattfinden. Hier treffen sich jeweils über 1.000 jugendliche HipHop-Begeisterte, die ein Wochenende lang mit Rap, Graffiti, Interner Link: DJing und Breakdance feiern. Electric B sieht hierin die Entstehung der Universal HipHop Family, einer HipHop-Organisation wie Afrika Bambaataas Zulu Nation, die mittels HipHop Gleichberechtigung, Antirassismus und Gewaltverzicht propagiert.

Im März 1989 erhält Electric B. Besuch vom Ministerium für Staatssicherheit. Die Geheimpolizei hat HipHop als eine Jugendkultur eingestuft, deren Anhänger potentiell „negativ-dekadente“ Praktiken an den Tag legen, und Electric B. als eine Hauptfigur der Dresdner Szene identifiziert. Um nun die Dresdner HipHopper besser kontrollieren zu können, will die Staatssicherheit Electric B. als IM anwerben. Mehr noch – er soll als kultureller Übersetzer der jugendlichen HipHop-Codes arbeiten, damit das MfS die HipHop-Kultur überhaupt verstehen kann. Den Besuch nimmt er wohl eher als Verhör denn als Anwerbeversuch wahr und erzählt in der Szene davon. Daraufhin kommt er für das MfS Dresden nicht mehr als Spion in Frage.

Fussnoten

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Die Texte von www.jugendopposition.de sind in Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V. entstanden. Weitere Angaben zu den Autorinnen und Autoren finden Sie im Impressum.

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Für den Hinweis auf Texte von www.jugendopposition.de, die keine konkrete Autorin/ keinen konkreten Autor genannt haben, empfehlen wir folgende Zitierweise (Beispiel):

„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350