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Unter der Mauer hindurch in die Freiheit – Der Tunnel 57

Unter der Mauer hindurch in die Freiheit – Der Tunnel 57

Redaktion

Am 3. und 4. Oktober 1964 flüchten 57 Menschen durch einen Tunnel nach West-Berlin. Diese Tunnelaktion gilt als eine der spektakulärsten Mauer-Fluchtaktionen.

(© picture-alliance/dpa/von Keussler) (© picture-alliance/dpa/von Keussler) (© Privatarchiv Wolfgang Kockrow) (© Privatarchiv Wolfgang Kockrow)

Zwischen dem 3. und 5. Oktober 1964 fliehen 57 Menschen durch einen Tunnel von Ost- nach West-Berlin. Von ca. 70 Fluchtunnelbauten ist es das erfolgreichste Unternehmen. Es sind 20 Männer, 27 Frauen, fünf Jugendliche bis 18 Jahre und fünf Kinder bis 14 Jahre, die durch das enge unterirdische Bauwerk mit einer Länge von 145 Metern in die Freiheit gelangen – 12 Meter unter der Bernauer Straße und vor allem unter der Interner Link: Mauer hindurch. Ihre Zahl gibt dem Tunnel seinen Namen: Tunnel 57.

Mehr als sechs Monate, von April bis Oktober 1964, wird daran gearbeitet, über 30 Studenten der Freien Universität Berlin (FU) beteiligen sich am Bau. Neben Wolfgang Fuchs (25 Jahre), der bereits zuvor Fluchttunnel gegraben hat und der Kopf der Gruppe ist, gehört der 24-jährige Physikstudent Reinhard Furrer dazu. Er wird 1985 als westdeutscher Interner Link: Astronaut berühmt.

Ausgangspunkt des Tunnels ist die Bernauer Straße 97 in West-Berlin, wo Wolfgang Fuchs die Räume einer leer stehenden Bäckerei angemietet hat. Ziel des Tunnels ist ein Keller im Haus Strelitzer Straße 55 in Ost-Berlin. Während der Stollen vorangetrieben wird, beobachtet ein Fluchthelfer vom Dach des Hauses in der Bernauer Straße ständig die gegenüberliegende Straßenseite, um die Tunnelbauer über verdächtige Aktionen der DDR-Grenzer informieren zu können. Mehr als 120 DDR-Bewohnern soll die Flucht durch den Tunnel ermöglicht werden – studentische Freunde, Familienangehörige und deren Kinder. Sie müssen dafür kein „Kopfgeld“ zahlen, wie es später westdeutsche Zeitungen behaupten werden.

Am 2. Oktober ist der Durchbruch geschafft. Doch zur Überraschung der Tunnelbauer kommen sie nicht wie geplant im Keller des Hauses Strelitzer Straße an die Oberfläche, sondern im Innenhof in einem nicht mehr genutzten Toilettenhäuschen. Nun informieren Kuriere die ersten Fluchtwilligen. Sie begeben sich am Abend des 3. Oktober in kleinen Gruppen und mit zeitlichen Abständen ins Haus Strelitzer Straße 55. Dort werden sie von den Fluchthelfern Christian Zobel, Hubert Hohlbein und Achim Neumann empfangen, zum Tunneleingang geführt und dann durchs Erdreich kriechend nach West-Berlin geschleust – dabei ist ein dreieinhalbjähriges Kind. In der ersten Nacht gelingt 29 Menschen die Flucht durch den 90 Zentimeter hohen und 80 Zentimeter breiten Stollen.

Auch in der zweiten Nacht verläuft zunächst alles nach Plan. Wieder kommen im Zehn-Minuten-Abstand die Fluchtwilligen und erreichen ohne Probleme West-Berlin. Über den Weg und den Ort des Einstiegs werden sie jeweils erst unmittelbar vor der Flucht informiert.
Doch auf der Liste der Fluchtwilligen befindet sich ein Interner Link: Stasi-Interner Link: Spitzel, der das Fluchtvorhaben verraten hat. Fieberhaft suchen bereits Stasi-Leute in Zivilkleidung nach dem Tunneleinstieg. Kurz nach Mitternacht – es sind bereits schon 28 Menschen geflohen, werden sie fündig.

Als sich zwei Stasi-Mitarbeiter dem Toreingang der Strelitzer Straße 55 nähern, werden sie von Reinhold Furrer empfangen. Er geht davon aus, dass es sich um Fluchtwillige handelt. Unter dem Vorwand, schnell noch einen Freund holen zu müssen, verschwinden die beiden wieder. Umgehend holen sie Verstärkung. Kurze Zeit später erschallt plötzlich der Ruf „Durchladen“. Im schwachen Licht einer Taschenlampe erkennt Christian Zobel, der beim Tunneleinstieg helfen soll, DDR-Grenzsoldaten mit Maschinenpistolen. Er führt eine Pistole mit sich, da bereits in den Monaten zuvor Fluchthelfer und Flüchtlinge im Kugelhagel der Grenzsoldaten gestorben sind. Zunächst noch unentdeckt, gibt Zobel einen Warnschuss ab. Furrer nutzt die entstehende Verwirrung und rennt zum rettenden Tunneleinstieg. Die Grenzsoldaten folgen ihm auf den Hof, wo Zobel noch in einer dunklen Ecke steht. Um selbst an den Grenzern vorbei fliehen zu können, gibt Zobel weitere Schüsse ab. Ein Grenzer geht zu Boden, es folgen Salven aus Maschinenpistolen. Trotzdem gelangt Zobel unversehrt zurück nach West-Berlin.

(© Bundesarchiv/183-R0812-0034) (© Bundesarchiv/183-K0813-0020/Eva Brüggemann) (© Bundesarchiv/183-1984-0513-009/Benno Bartochta)

Am nächsten Tag melden DDR-Medien die Ermordung des 21-jährigen Unteroffiziers Egon Schultz durch „westliche Terroristen“. Die DDR verlangt die Auslieferung der „Mörder“. Der Forderung der West-Berliner Justiz nach einen detaillierten Untersuchungsbericht und einem Obduktionsbefund kommen die DDR-Behörden jedoch nicht nach. Deshalb werden in West-Berlin die Ermittlungen eingestellt.

In der DDR wird Egon Schultz unterdessen zum sozialistischen Helden. Schulen, Straßen und Kasernen werden nach ihm benannt. Erst im Jahre 2000 wird der Bericht einer Ostberliner Untersuchungskommission gefunden. Nun wird klar, warum die DDR 1964 nicht bereit war, die Untersuchungsberichte vorzulegen. Demnach hatte Zobel den Grenzsoldaten zwar in die Schulter getroffen. Weitere neun Schüsse trafen ihn jedoch aus einer Kalaschnikow-Maschinenpistole. Egon Schultz ist versehentlich durch eine Maschinenpistolensalve des eigenen Kameraden tödlich getroffen worden.

Fussnoten

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350