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Der deutsche Gulag

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Redaktion

Noch während der letzten Kämpfe 1945 beginnen der sowjetische Militärgeheimdienst und der NKWD, Internierungslager in Deutschland zu errichten. Knapp 160.000 Häftlinge sitzen laut NKWD zwischen 1945 und 1950 in den Speziallagern ein, unter ihnen ca. 123.000 Deutsche, aber auch über 34.000 sowjetische Bürger.

(© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_18677) (© Verband ehemaliger Rostocker Studenten ) (© Universitätsarchiv Rostock) (© Verband ehemaliger Rostocker Studenten, Seite 1 von 2 ) (© Verband ehemaliger Rostocker Studenten, Seite 2 von 2 ) (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_16142) (© Gerhard Finn, Die politischen Häftlinge der Sowjetzone 1945-1958, hrsg. v. KgU, Sommer 1958 ) (© Privat-Archiv Achim Beyer) (© Bundesarchiv/183-S98278/Rudolph ) (© Bundesarchiv/183-S98280/Rudolph ) (© Robert-Havemann-Gesellschaft. / RHG_Fo_HAB_18692) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert / RHG_Fo_HAB_16720) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert / RHG_Fo_HAB_16728)

Noch während der letzten Kämpfe 1945 beginnen der sowjetische Militärgeheimdienst und der Narodnyj Kommissariat Wnutrennych Djel (Interner Link: NKWD = Innenministerium der Interner Link: UdSSR), Interner Link: Internierungslager in Deutschland zu errichten. Teilweise greifen sie dabei auf die Interner Link: Konzentrationslager der Interner Link: Nationalsozialisten zurück: Sachsenhausen und Buchenwald werden nach Kriegsende weiterhin genutzt. Außerdem werden acht neue Interner Link: Speziallager eingerichtet.

Knapp 160.000 Häftlinge sitzen laut NKWD zwischen 1945 und 1950 in den Interner Link: Speziallagern ein, unter ihnen ca. 123.000 Deutsche, aber auch über 34.000 sowjetische Bürger. Vermutlich beläuft sich die Menge der Internierten sogar auf über 176.000 Personen. Mehr als 46.000 Menschen sterben unter anderem infolge von Hunger und mangelnder Hygiene.

Ein Teil der festgenommenen Personen wird von Interner Link: Sowjetischen Militärtribunalen (Interner Link: SMT) verurteilt – in Schnellverfahren ohne Verteidiger und Berufungsmöglichkeit. Der Großteil wird ohne Gerichtsurteil in den Lagern festgehalten. Bis 1955 werden etwa 40.000 deutsche Zivilpersonen von einem SMT verurteilt. Die meisten von ihnen bekommen 25 Jahre Zwangsarbeit verordnet; etwa 3.000 werden zum Tode verurteilt. Sicher nachgewiesen sind über 1.600 vollstreckte Todesurteile.

Bis zum Sommer 1948 werden die Lager bis auf Buchenwald, Sachsenhausen und Interner Link: Bautzen wieder aufgelöst. 27.750 Häftlinge werden entlassen. Die SMT-Verurteilten sind von der Amnestie nicht betroffen.

Die Behauptung, in den sowjetischen Interner Link: Konzentrationslagern hätten vorrangig ehemalige Interner Link: Nazis und Kriegsverbrecher ihre harte, aber gerechte Strafe erhalten, ist falsch. Zwar nimmt die Besatzungsmacht eine große Zahl Funktionsträger des NS-Systems fest (darunter viele niedere Chargen), doch geraten zunehmend Gegner der Sowjetisierung der ostdeutschen Gesellschaft in die Mühlen der Geheimdienste – darunter tatsächliche oder vermeintliche Gegner.

Roland Bude - Vernehmung durch den NKWD

Tausende sterben in Speziallagern

Aus den bekannten Zahlen der sechs wichtigsten Haftanstalten in der DDR ergibt sich, dass 1950 etwa 25 Prozent der dort einsitzenden SMT-Verurteilten für Delikte vor Kriegsende verurteilt wurden. Über die Hälfte wurde wegen verschiedener Delikte gegen Anordnungen der Besatzungsmacht oder wegen zutreffender oder vermeintlicher Spionage verurteilt.

Im Dezember 1946 will die sowjetische Regierung 27.000 arbeitsfähige deutsche Männern aus den Speziallagern in Richtung Osten deportieren lassen. Sie sollen die Kriegsgefangenen in den russischen Bergwerken ersetzen, die mittlerweile arbeitsunfähig sind. Aber die Ärztekommissionen finden im Winter 1946/47 unter den knapp 80.000 Häftlingen nicht einmal 5.000 Männer, die ihnen für die Zwangsarbeit in Sibirien als tauglich erscheinen.

In den Speziallagern in Deutschland herrscht ein furchtbares Massensterben. Sowjetische Unterlagen weisen allein für Januar bis März 1947 über 9.000 Tote aus. Dies liegt an einer am 1. November 1946 in Kraft getretenen Senkung der Verpflegung: Statt 600 Gramm Brot, 100 Gramm Makkaroni und 920 Gramm Kartoffeln (oder Gemüse) erhalten nichtarbeitende Häftlinge nur noch 300 Gramm Brot, 400 Gramm Kartoffeln, 15 Gramm Zucker, 40 Gramm Fleisch oder Fisch und 200 Gramm Gemüse pro Tag. Viele der Gefangenen verhungern.

Die Auflösung der sowjetischen Internierungslager 1950

An den unmenschlichen Zuständen in den Speziallagern ändert sich bis zu deren Auflösung 1950 nur wenig. Circa 10.000 Insassen werden entlassen. Knapp 14.000 werden an die DDR-Behörden ausgeliefert: entweder zur weiteren Strafabbüßung oder zur Verurteilung 1950 in Interner Link: Waldheim. Unter ihnen gehören 10.500 zu den sogenannten SMT-Verurteilten. In der Interner Link: Sowjetunion befinden sich noch bis 1955 Deutsche in den Interner Link: Gulag-Lagern. Darunter sind auch junge Menschen, die von der Besatzungsmacht beschuldigt werden, der Interner Link: Werwolf-Organisation angehört zu haben. Andere politisch Aktive oder Kriminelle werden zu unangemessen hohen Strafen verurteilt. Während der Verhöre sind schwere Misshandlungen die Regel.

Fussnoten

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350