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Unerkannt durch Freundesland - Illegale Reisen durch das Sowjetreich

Unerkannt durch Freundesland - Illegale Reisen durch das Sowjetreich

Redaktion

Auf der Suche nach exotischen Landschaften und fremden Kulturen fahren viele junge Ostdeutsch mit dem DDR-Reisebüro Intourist in die sozialistischen Bruderländer. Einige suchen illegal, abseits der organisierten Routen ihr eigenes Abenteuer.

(© Privat) (© Privat-Archiv) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Robert Conrad) (© Robert-Havemann-Gesellschaft/Robert Conrad) (© André Nickl) (© Edgar Winkler) (© Jan Oelker) (© Jens Mangelsdorf) (© Michael Biedowicz) (© Privat-Archiv Michael Biedowicz) (© Tina Bara) (© Tina Bara) (© Privat-Archiv Jan Oelker) (© Mathias Jahnke) (© Jan Oelker)

Wer dem DDR-Alltag entfliehen, andere Landschaften und Kulturen erleben möchte, dem steht die Welt mit gerade einmal fünf Ländern offen. Das sind die sozialistischen „Interner Link: Bruderländer“ Polen, Interner Link: ČSSR, Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Der Westen ist tabu. Was bleibt übrig auf der Suche nach Abenteuer und dem wirklich Fremden? Einzig die Interner Link: Sowjetunion (Interner Link: SU), dieses riesige Land mit seinen elf Zeitzonen, Hochgebirgen und exotisch anmutenden mittelasiatischen Republiken, jenes Mutterland des Kommunismus, von dem im Schulunterricht zu hören und auf Transparenten zu lesen ist. Bereisen darf man das Land aber nur mit einer vom DDR-Reisebüro Intourist organisierten Gruppenreise oder wenn man die Einladung eines Sowjetbürgers vorweisen kann.

Eigentlich, denn tatsächlich gibt es ein bürokratisches Schlupfloch, das bei Trampern schnell Bekanntheit erlangt: Reisende können ein Transitvisum erhalten, das dazu berechtigt, sich für drei Tage grenznah in der Sowjetunion aufzuhalten, einzig zum Zweck der Weiterreise von Polen nach Rumänien. So kann man in die SU einreisen, darf sich dort aber nicht länger aufhalten. Eine Vielzahl abenteuerlustiger junger Menschen wagt trotz dieses Verbotes den Schritt in die Illegalität. Was kann falsch daran sein, die deutsch-sowjetische Freundschaft beim Wort zu nehmen?

Wochenlang reisen sie zu Fuß, mit dem Fahrrad, per Anhalter oder mit der Transsibirischen Eisenbahn vom Baltikum bis zum Kaukasus, durch Steppe und Tundra bis nach Kamtschatka oder Wladiwostok. Wer sich so jenseits der offiziellen Touristenpfade und ohne gültige Papiere durch die Sowjetunion bewegt, muss viele Herausforderungen meistern. Ob beim Kauf einer Fahrkarte oder der Übernachtung in einem Hotel, überall werden Dokumente verlangt. Mal hilft es, den Piloten eines Hubschraubers zu bestechen und so „weiterzutrampen“, mal öffnen sich Tür und Tor mittels eines selbst verfassten Delegierungsschreibens mit möglichst vielen höchstamtlich wirkenden Stempeln. Schnell wird aus dem misstrauisch beäugten Fremden ein willkommener Gast.

Die Bevölkerung begegnet den DDR-Jugendlichen mit großer Gastfreundschaft, manchmal auch von amtlicher Seite. Ulrich Henrici zum Beispiel, der sich auf den Pik Lenin im Pamir-Gebirge bis auf 7.000 Meter hoch wagt. Ihm erfrieren dort die Füße. Erst nimmt ihn der KGB in die Mangel, dann aber lassen ihn die Offiziere in ein Krankenhaus bringen. Der Gast aus dem kleinen Interner Link: Bruderland DDR kriegt nicht nur ein Einzelzimmer, sondern auch besseres Essen. Und am Ende werden dann auch noch wie durch ein Wunder seine Füße gerettet und nicht amputiert.

(© Privat-Archiv Uwe Wirthwein) (© Privat-Archiv Uwe Wirthwein) (© Privat-Archiv Uwe Wirthwein) (© Privat-Archiv Uwe Wirthwein) (© Privat-Archiv Uwe Wirthwein) (© Privat)

Eine andere Gruppe Verwegener um Uwe Wirthwein zieht es 1988 ebenfalls in eine Eislandschaft. Inspiriert von dem Comic „Fix und Fax“ wollen sie im Winter bei minus 25 Grad mit einem selbst gebauten Eissegler den zugefrorenen Baikalsee überqueren. Die ortsansässige Bürgermeisterin ist entsetzt. Am Ende gelingt es ihnen jedoch, der staatlichen Obhut zu entwischen und den Traum von einem Segeltörn durch Sturm und Eis wahr werden zu lassen.

Ein Jahr später zieht Uwe Wirthwein zusammen mit Jan Oelker und Edgar Winkler noch weiter gen Osten. Mit einem selbstgebauten Katamaran fahren sie 600 Kilometer den Aldan, einen Nebenfluss der Lena, flussabwärts durch Sibirien.

Diejenigen, die so auf die Hilfe der Einheimischen angewiesen reisen, erhalten dabei einen tiefen Einblick in den Alltag der Sowjetbürger fernab aller Propaganda. Sie erleben ein zerrissenes, marodes und mitunter absurdes Land, das zwar in der Lage ist, einen Sputnik ins All zu schießen und die „nicht-sozialistische“ Welt als Atommacht hochgerüstet in Atem zu halten, aber bei den einfachsten Dingen scheitert. Die wirtschaftlichen Engpässe ziehen sich durch alle Bereiche und fordern den Menschen permanente Improvisation ab. Schattenwirtschaft und Korruption sind allgegenwärtig.

Für die meisten illegal Reisenden geht der Trip durch die SU gut zuende. Bei der Ausreise kommen sie in der Regel mit einer Geldstrafe für ihren zeitlich überzogenen Aufenthalt davon. Was sind schon zehn Rubel gegen die Erfahrung, sich die Freiheit eines Abenteuers genommen zu haben? Eine Freiheit, die einem die DDR-Regierung verwehrt, aus Angst davor, dass es jemand wagen könnte, sich ein eigenes Bild zu machen, ob nun vom Osten oder Westen.

Fussnoten

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Super-GAU Tschernobyl, Abrüstungsverhandlungen, Honecker-Besuch, Glasnost und Perestroika, Sputnik-Verbot, Subkultur, Orange Alternative

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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350