MfS-Aktion gegen die Umwelt-Bibliothek
"Aktion Falle": Staatsanwalt und Geheimpolizei durchsuchen Umwelt-Bibliothek in Ost-Berlin, beschlagnahmen Untergrundpublikationen und Vervielfältigungstechnik und nehmen Oppositionelle fest. Die Aktion wird zum Bumerang.
Mitglieder der Umwelt-Bibliothek, fotografiert bei ihrer Verhaftung in der Nacht vom 24. auf den 25. November 1987 von der Staatssicherheit. V.l.n.r.:
Bodo Wolff, Till Böttcher, Bert Schlegel, Wolfgang Rüddenklau, Tim Eisenlohr.
Wolfgang Rüddenklau und Tim Eisenlohr, Mitglieder der Umwelt-Bibliothek, fotografiert bei ihrer Verhaftung am 25. November 1987 von der
Staatssicherheit.
Till Böttcher, Tim Eisenloh und Bodo Wolf, Mitglieder der Umwelt-Bibliothek, fotografiert bei ihrer Verhaftung am 25. November 1987 von der
Staatssicherheit.
Till Böttcher und Bert Schlegel, Mitglieder der Umwelt-Bibliothek, fotografiert bei ihrer Verhaftung am 25. November 1987 von der Staatssicherheit.
Fotodokumentation der Staatssicherheit während der Aktion "Falle". Im Bild die gedruckten Bögen der Umweltblätter.
Fotodokumentation der Staatssicherheit während der Aktion "Falle".
Fotodokumentation der Staatssicherheit während der Aktion "Falle".
Fotodokumentation der Staatssicherheit während der Aktion "Falle".
Fotodokumentation der Staatssicherheit während der Aktion "Falle".
Fotodokumentation der Staatssicherheit während der Aktion "Falle". Im Bild die Druckmaschine.
Berlin 1987, Observationsfoto des MfS, Griebenowstraße, Blick auf das Pfarrhaus indem sich die Umwelt-Bibliothek befindet.
Berlin 1987, Observationsfoto des MfS, Wolliner Straße Ecke Griebenowstraße, Blick auf das Pfarrhaus indem sich die Umwelt-Bibliothek befindet sowie
zur Zionskirche.
Die Umwelt-Bibliothek im Gemeindehaus der Zionskirche wird durch die Staatssicherheit überwacht. Hier ein Foto mit versteckter Kamera.
Von der Staatssicherheit am 4. März 1987 angefertigter Lageplan der Umgebung des Gemeindehauses der Zionskirche, in dessen Kellerräumen sich die
Umwelt-Bibliothek befindet.
Von der Staatssicherheit am 4. März 1987 angefertigter Lageplan des Gemeindehauses der Zionskirche, in deren Kellerräumen sich die Umwelt-Bibliothek
befindet. Hier der Grundriss des Hauses.
Von der Staatssicherheit am 4. März 1987 angefertigter Lageplan der Räume der Umwelt-Bibliothek.
Liste der von der Staatssicherheit beschlagnahmten Gegenstände aus der Umwelt-Bibliothek.
Am 26. November 1987, einen Tag nach dem fehlgeschlagenen Überfall auf die Umwelt-Bibliothek, observiert die Staatssicherheit die Zionskirche und die
nähere Umgebung mit versteckten Kameras. Hier wird eine Person fotografiert, die in der Zeit von 14.58 bis 15.01 Uhr die Zionskirche verlassen hat.
Der fehlgeschlagene Überfall der Staatssicherheit verschafft der Umwelt-Bibliothek eine breite nationale und internationale Aufmerksamkeit. Besonders
Medien aus der Bundesrepublik interessieren sich für die Hintergründe der Ereignisse vom 24. und 25. November 1987. Hier observiert die Stasi am 26. November in der Zeit von 14.58 bis 15.01 Uhr ein westliches Kamerateam auf dem Weg zur Zionskirche.
Am 27. November 1987 erscheint diese kurze Mitteilung im Neuen Deutschland, dem Zentralorgan der SED, über die Vorgänge in der Nacht vom 24. zum 25.
November in der Berliner Umwelt-Bibliothek.
Dokumenta Zion. Diese Dokumentation wird 1987 in einer Auflage von rund 200 Stück gedruckt. Darin ist der Überfall der Staatssicherheit auf die
Zionsgemeinde und die Räume der Umwelt-Bibliothek im November 1987 geschildert. Die Dokumentation erscheint als Sonderausgabe der „Umweltblätter“ der Berliner Umwelt-Bibliothek.
In der Nacht vom 24. zum 25. November 1987 ist die Berliner Umwelt-Bibliothek (UB) Ziel eines Überfalls des Staatssicherheitsdienstes unter dem Decknamen "Falle". Ungefähr zwanzig
Die anwesenden sieben UB-Mitglieder werden verhaftet: Till Böttcher (17 Jahre alt),
Einige werden ins Polizeipräsidium, andere ins Stasi-Untersuchungsgefängnis gebracht. Der Pfarrer der Zionskirche,
Die Aktion der Stasi in dieser Nacht gilt vordergründig gar nicht der Umwelt-Bibliothek an sich. Natürlich sind die Aktivitäten der UB dem Staat ein Dorn im Auge. Doch solange den Aktivisten der UB keine Straftaten nachgewiesen werden können, sind sie unter dem Dach der Kirche recht gut gegen staatlichen Zugriff geschützt.
Der Stasi-Überfall trägt nicht ohne Grund den Decknamen Aktion "Falle". Eigentlich sollen in dieser Nacht die Drucker der UB dabei überrascht werden, wie sie den illegalen grenzfall, die Publikation der verbotenen Initiative für Menschenrechte (
Die Stasi-Aktion „Falle“ macht die Umwelt-Bibliothek erst richtig bekannt
Der grenzfall wird sonst vor allem in Privatwohnungen gedruckt. In Vorbereitung der Stasi-Aktion schlägt grenzfall-Redakteur
Die bei der Zionskirche wartenden Stasi-Leute verlieren die Geduld. Ohne dass die grenzfall-Leute eingetroffen sind, starten sie schließlich die Aktion. Tatsächlich laufen die Druckmaschinen, als Generalstaatsanwalt Gläsner in den Raum stürmt – doch gedruckt werden die legal erscheinenden Umweltblätter. Während die festgenommenen UB-Aktivisten durchsucht werden, läuft im Kassettenrekorder der Druckerei das Lied "Keine Macht für Niemand!" von Ton-Steine-Scherben. Doch die Stasi-Leute sind viel zu beschäftigt, diese Provokation zu bemerken.
Die
Letztlich ist die Aktion "Falle" für die Stasi ein Schlag ins Wasser. Weder findet sie die Leute von der Redaktion des grenzfalls noch kann sie die Umwelt-Bibliothek und ihre Mitarbeiter öffentlich kriminalisieren. Stattdessen führt der Überfall zu einer breiten Solidaritätsaktion und macht die UB und ihre Oppositionsarbeit bekannter.
Durch die Nachrichtensendungen des Westfernsehen erfahren viele DDR-Bürger von dem Überfall. Die meisten von ihnen erhalten auf diesem Weg überhaupt das erste Mal Kenntnis von der Existenz der UB.
Auch die UB profitiert im Nachhinein vom Stasi-Überfall. In einem Neujahrsgruß zum Jahreswechsel 1987/88 heißt es in der Ausgabe der Umweltblätter 1/88: "Wir sind vielmehr einmütig der Meinung, dass dieser Staat und diese Behörden einmalig und völlig unersetzlich sind. Besonders gern denken wir in diesem Zusammenhang an die großartige weltweite Gratis-Reklame für die Umwelt-Bibliothek und rufen der DDR-Regierung zum neuen Jahr zu: 'Macht weiter so, Jungs!'"
Über den Überfall auf die UB und die folgende Solidarisierungswelle berichten im Interview Uta Ihlow, damals 22 Jahre alt, Till Bötcher (17 Jahre) und Peter Grimm (22 Jahre).
Unter dem Decknamen „Falle“ überfällt die Staatssicherheit in der Nacht vom 24. zum 25. November 1987 die Umwelt-Bibliothek. Alle Anwesenden werden verhaftet und verhört.
„An und für sich ein Bibliotheksabend wie jeder andere, nur dass wir in einem kleineren Kreis beschlossen hatten, danach unsere Auflage der Umweltblätter zu drucken. Was nur ganz wenige Leute wussten: Wir wollten bis Zwölf die Auflage der Umweltblätter drucken und ab Zwölf die Zeitung eines befreundeten politischen Kreises, der Gruppe Grenzfall`, die außerkirchlich Menschen gegen das System bearbeitete und eine Zeitung herausgab.
Diese Information scheint der
Alle wurden verhaftet, unten zusammengesammelt, aus der Galerie, aus dem Druckraum. Dann wurden alle nach Rummelsburg gebracht.“
Till Böttcher, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de
Produktion: 2004
Spieldauer: 2 Min.
© 2004 Robert-Havemann-Gesellschaft & Bundeszentrale für politische Bildung
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„Panzer wie in Berlin - Der 17. Juni 1953 in Magdeburg“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., zuletzt abgerufen am xx.xx.xxxx, www.jugendopposition.de/145350