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1982 stand, ich weiß jetzt das Datum nicht mehr genau – ich glaube, das war Anfang des Jahres – in der Zeitung eine Meldung, dass es ein neues Wehrdienstgesetz geben soll, dass die Volkskammer berät und in zwei Wochen entscheiden wird. Und dieses Wehrdienstgesetz – nach meiner Erinnerung – beinhaltet das Neue, dass es also den Militärdienst von Frauen vorgesehen hat und dass es eine Verschärfung der Mobilmachung bedeutete. Ich weiß jetzt im Nachhinein gar nicht mehr, also ich kann das gar nicht mehr sagen, was das genau hieß, damals, aber ich habe mich zu der Zeit schon sehr genau damit beschäftigt und wusste auch oder ich wusste das noch von der Armeezeit, was das bedeutet hat. Also jedenfalls war das wieder ein Stückchen mehr Militär, was mir sowieso schon verhasst war. Und dann bin ich nach Hause gekommen, hab erst die Zeitung auf dem Arbeitsweg gelesen und gedacht: Das kann ja irgendwie nicht wahr sein. Also das hat mich fürchterlich aufgeregt und da muss man was machen. Und zu Hause saß mein Freund Thomas Vetter, mit dem ich übrigens zusammen auch einen Teil meiner Armeezeit verbracht hatte. Und dann habe ich gesagt: Stell dir mal vor, die wollen ein neues Gesetz, sie wollen das noch mehr verschärfen. Das kann ja wohl nicht wahr sein. Gibt's ja nicht. Und müssen wir unbedingt was machen! Und ja, was kann man da machen? Dann habe ich mich erst mal erkundigt. Ich weiß gar nicht wie und wo und habe dann herausgefunden, dass entscheidende Gesetze, die müssen diskutiert werden und das war meine Erinnerung. Da gab es ein Arbeitsgesetzbuch, irgendwie vorher, ein paar Jahre vorher war das geändert worden und da hat es auch mächtig Diskussionen gegeben, auch in der Zeitung und so und ich war also der Auffassung, dass dieses neue Gesetz mindestens den selben Stellenwert hat und dass da auch eine Diskussion, eine öffentliche Diskussion und Auseinandersetzung nötig wäre. Mir war natürlich klar, dass es die nicht geben sollte, aber da habe ich gedacht, man kann das ja zumindestens mal einfordern. Und das hieß natürlich auch, die entsprechenden Stellen damit ärgern, wenn man diese Forderung stellt.
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Foto: Tom Sello im September 1989 auf dem Gelände der Berliner Zionsgemeinde mit diversen Samisdat-Publikationen. Er verkauft zum Beispiel Umweltblätter und die Einzelausgabe Schuldenkrise. Die Ausgaben können gegen geringfügige Beträge gekauft werden. Gleichzeitig sammelt Tom Sello Unterschriften für Aufrufe und Petitionen. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Siegbert Schefke
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Interview: Johannes Mundo und Christoph Ochs
Produktion: 17.09.2007
Spieldauer: 3 Min.
hrsg. von: Robert-Havemann-Gesellschaft