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Johannes Rink - Als politischer Häftling im Zuchthaus Brandenburg

Johannes Rink - Als politischer Häftling im Zuchthaus Brandenburg

Im Zuchthaus Brandenburg erfährt Johannes Rink am eigenen Leib, was es heißt, ein politischer Häftling zu sein.

Inhalt

Es war für uns ein Vorteil, dass wir damals noch rote Streifen hatten. Man konnte sich also erkennen. Rot waren die Politischen. Wir bekamen Schuhe, eine große Blechschale, Decken, Besteck – alles, was man so zum Leben brauchte. Ich wurde von einem Wachtmeister in eines der Häuser geführt, in eine Zelle eingesperrt. Brandenburg hatte fünf Häuser. Da saßen schon zwei. In dem Moment, wo die Tür aufgeschlossen wurde, musste man sich hinstellen. Als die weg waren, setzten sie sich wieder hin. Ich stand da, guckte die beiden an, die guckten mich an.

´Wie lange hast du?`. Ich sag: ´Vier Jahre`. Sie: ´Bleib mal an der Tür stehen, du wirst gleich entlassen`. Da habe ich natürlich gesagt: ´Ihr spinnt wohl. Wie lange sitzt ihr denn hier?` Da bekam ich zur Antwort: ´Ich sitze seit '45`. Und der andere: ´Ich sitze seit 53`. Da habe ich erstmal einen Begriff davon bekommen, was das heißt, ´Zeit`. Ich konnte fast verstehen, dass die sagten: ´Vier Jahre, da wirst du bald entlassen`.

Frage: Und die beiden waren auch Politische?

Der eine war Kriegsverbrecher, wobei ich immer sehr zwischen echten und falschen unterscheide, und das sage ich ganz bewusst. Er sagt: ´Wir waren 1945, im Zuge dieser russischen Militärtribunale, mit einer Gruppe anderer verhaftet worden. Wir wurden alle zu Kriegsverbrechern erklärt und verurteilt. Obwohl ich weiß, dass ich nichts gemacht habe`. Der andere war einer, der im Zuge '53 [Volksaufstand vom 17. Juni 1953] inhaftiert worden war, also beides Politische. Das war für mich ein Vorteil: a) konnte man sich etwas freier unterhalten und b) war es ein mulmiges Gefühl, wenn man auf einer Zelle mit Kriminellen lag. Denn in Brandenburg gab es zu dieser Zeit etwa 400 Mörder, verurteilte Mörder, darunter Zwei- und Dreifachmörder. Das Schlimme war: Diese Mörder wurden in den Arbeitskommandos meistens als Vorarbeiter eingesetzt. Das habe ich von anderen Häftlingen auch gehört. Wenn man ´Mörder` sagte, hieß es: ´Wir haben nur einen, zwei, oder wenn es hoch kommt, drei Menschen umgebracht. Ihr wolltet die ganze DDR umbringen`. Wir waren also viel, viel schlechter als die Mörder.

Johannes Rink, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de

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  • Spieldauer: 3 Min.

  • hrsg. von: Historisches Dokumentationszentrum des Bürgerkomitees Sachsen Anhalt