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Ich habe diese Pressekonferenz im Fernsehen gesehen von Schabowski, in der es also da so irgendwie hieß, dass Bürger der DDR jetzt mit einem Visa in den Westen reisen können. Das betrifft alle DDR-Bürger und so weiter. Und ein Freund von mir hatte an dem Abend vorgehabt, über die Prager Botschaft in den Westen auszureisen. Und ich bin dann, als ich diese Pressekonferenz gesehen hatte, zu ihm hingegangen. Der wohnte zwei, drei Häuser weiter, war an diesem Abend wirklich gerade so mit Koffer in der Hand bereit loszufahren. Und da habe ich zu ihm gesagt: „Du, ich glaube, du brauchst nicht mehr fahren, ich glaube, du kannst direkt über die Westberliner Grenze gehen.“ Und wir sind dann irgendwie … Da sagte er, ja, da wird er mal gucken, aber er glaubt das nicht. Und dann sind wir noch in eine Kneipe gegangen im Prenzlauer Berg, so unsere damalige Stammkneipe. Und er hat dann die Wirtin gebeten, doch mal bitte das Radio anzumachen, weil da möglicherweise Nachrichten wichtig werden könnten und die eventuell die
Und dann stand der
Also, da standen so 20 bis 25 Leute, das war so zwischen – weiß ich nicht – 19.30 und 20.00 Uhr etwa. Und da sagte dann so ein Offizier, der kam dann raus: „Also, der das heute wünscht, kann das jetzt gerne tun.“ Und dann hab ich gedacht: Na, dann lass uns mal gehen. Und dann ging das alles plötzlich ganz schnell. Und irgendwie waren wir dann so am Ende der Bornholmer Straße, als ich dann so einen Mercedes sah – klar, ach so, hier ist jetzt wohl so irgendwie Westen. Und da standen da eben zwei Taxis und ein Videokameramann, so ein Amateur. Und das war also eine ganz seltsame Erfahrung. Und es war ja auch so, hinter uns waren ja noch nicht die Tausenden oder Hunderttausenden Menschen, sondern wir waren die ersten zwei. Und das war so ein Punkt gewesen, der dann im Nachhinein also auch noch mal irgendwie für mein Gefühl etwas so deutlich machte an dem Job, den wir vorher gemacht hatten – dass wir im Grunde genommen dann auch noch an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit waren, weil wir eben auch einfach gut informiert waren.
Aram Radomski, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de
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Produktion: 2004
Spieldauer: 4 Min.
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