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Gerulf war in dieser Zeit Funktionär. Und zwar im Bereich ´Singearbeit`, oder wie sie das nannten. Der Singeclub war ein
Frage: Würden Sie sagen, dass Interner Link: Pannach die Band stärker politisiert hat als vorher?
Das denke ich schon, ja. Dass man so konsequent einen Weg geht, das kommt von Pannach. Die Band wäre auch bereit gewesen, noch ein paar Kompromisse mehr zu machen, denke ich, zugunsten der Karriere. Ich habe mich mit Gerulf ein bisschen angefreundet, und wir sangen zusammen. Ich hatte einen großen Draht zu dem, was er tat. Ich hatte Hochachtung vor der Courage, mit der er auf die Leute zuging. Er riskierte andauernd seinen Pelz und seine Berufserlaubnis sowieso. Die war dann immer weg und dann wieder da. Und dann musste er sie wieder abgeben. Und dann war sie wieder da.
Ich hatte meine Oppositionshaltung aus der früheren Jugend wieder zurückgewonnen. Ich war scharf drauf, wieder mal frech zu sein und Stunk zu riskieren. Ich hab mich immer mehr an ihn gebunden, und wir haben Songs geschrieben. Auch welche, die dann wieder nicht genommen worden sind. Dann eben nicht. Er selber war auch sehr gradlinig. Die Songs wurden immer schärfer, immer härter. Man kriegte es mit der Angst. Und ihm wurde die Spielerlaubnis entzogen. Wieder einmal. Aber diesmal richtig, für immer.
Kurz vor Ende dieser ganzen Angelegenheit bin ich zu einer Probe von Renft gegangen und habe gesagt: ´Das geht jetzt ein bisschen zu weit. Das kann uns morgen genauso passieren. Da gibt es irgendeinen Vorwand. Den gibt es immer. Irgendwas. Und jetzt können wir alle nicht mehr auftreten`. Ich war dafür, dass wir Gerulf Pannach wieder mit auf Tournee nehmen, wie wir es früher gemacht hatten, als er noch nicht ganz so gefährlich war. Da gab es eine lange Diskussion, ich glaube den ganzen Tag. Abends haben alle gesagt: ´Okay, wir machen das`. Das war natürlich eine Entscheidung auf Leben und Tod. Der hatte mit seinen Songs einen irrsinnigen Erfolg, denn die waren konkret tagespolitisch. Die Leute standen nach jeder zweiten Zeile auf: ´Jawoll, so ist es!`. Das war man noch nicht so gewohnt, dass so was gesungen wurde.
Christian Kunert, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de
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Produktion: 2004
Spieldauer: 4 Min.
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