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Können Sie uns erklären, was die sogenannten Storkower Tunnelmaler waren, was die gemacht haben?
Also ich selber war da nicht dabei, aber ein Freund von mir, gerade meine frische neue Liebe, war da mit bei. Und die haben einfach den Storkower Tunnel – das war so ein ellenlanger Tunnel, wirklich so fast, weiß ich nicht, ein Kilometer lang oder so, einfach nur so aus Blech und Glas und Stahl – und den haben die bemalt. So mit … das war einfach so eine Aktion, mit Blumen, weiß ich nicht, Schwerter zu Pflugscharen, irgendwie kleine Raketchen, aber alles völlig … ja, ganz friedlich, also vor allen Dingen Blümchen. Und wahrscheinlich haben sie noch einen Schneemann gemalt oder – keine Ahnung. Auf jeden Fall war das nicht eine hochpolitische oder brisante Aktion. Und dann kam ein Polizist, ein einziger Streifenpolizist, hat die Ausweise eingesammelt von denen und hat sie gebeten mitzukommen aufs Revier. Und das haben die auch gemacht und sind dann allerdings sofort in U-Haft gekommen und ein Teil von den Leuten haben einfach nur für diese Aktion sieben Monate Knast bekommen. Und die sind da auch massiv unter Druck gesetzt worden, dass sie eben ausreisen, mehr oder weniger also freiwillig die DDR verlassen, was zum Teil ja dann nachher auch passiert ist.
Und Ihr Freund ist dann auch ausgereist?
Ja, der war dann noch kurz in der DDR, so etwa ein halbes Jahr. Und das war wirklich schlimm. Also jeden Tag, mindestens um 10.00 oder um 11.00 Uhr kam die
Uta Ihlow, Zeitzeugin auf www.jugendopposition.de
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Produktion: 2004
Spieldauer: 4 Min.
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