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Roland Bude - Das Elternhaus

Roland Bude - Das Elternhaus

Die Sparsamkeit und der Idealismus des Vaters prägen die Kindheit von Roland Bude in den 1930er Jahren. Erst später kommt er zu der Einsicht, dass dieser Idealismus missbraucht wurde.

Inhalt

Wir zogen 1939 in das Haus. Da hieß es schon ,Straße der SA` - das war vorher die Hauptstraße gewesen. Wir zogen in die Wohnung von einem jüdischen Rechtsanwalt, die frei geworden war – geräumt worden war. Auf der selben Etage lebte eine Dame, Frau Seckerer, 84 Jahre, mit ihrer Tochter – die nach damaliger Bezeichnung Halbjüdin war – und mit ihrer Enkelin. Mein Vater wurde gefragt, ob ihn das störte. Er sagte: ,Wieso, die wohnte doch schon vorher dort, hat die Wohnung gemietet, und wir wissen, dass das eine Familie dieser Zusammensetzung ist. Wir ziehen in die Wohnung auf der gleichen Etage ein`. Meine Eltern wurden wiederholt gefragt, ob ihnen das zuzumuten wäre, als 1942 der Judenstern und diese Maßnahmen kamen. Da war mein Vater schon Offizier der Waffen-SS. Er hat gesagt: ,Die Damen haben da schon gelebt, die stören nicht`.

Auf diese Art und Weise ist die Dame vor der Deportation nach Theresienstadt bewahrt worden. Sie hat 1945, als die Tschechen kamen, eine Erklärung für meine Eltern abgegeben, die meiner Mutter gewisse Belästigungen erspart hat. Von daher gab es nie Probleme, Konfrontation oder gar Verfeindungen. Das hat mich für mein ganzes Leben geprägt. Mein Vater war bis 1938 Vorsitzender der größten deutsch-völkischen Gewerkschaft in der Interner Link: Tschechoslowakei, der Deutschen Arbeiter-Gewerkschaft. Ich erinnere mich, wenn wir irgendwelche Dinge haben wollten, die seiner Meinung nach Luxus oder Verschwendung waren, dann sagte er: ´Wir leben von Arbeiterkreuzern. Mein Gehalt wird aus den Beiträgen der Mitglieder bezahlt`. Von daher lebten wir sehr sparsam und waren als Kinder so erzogen, dass man nicht alles, was andere haben oder was man sieht, haben kann.

Ich weiß, dass es zwischen meinen Eltern eine gewisse Verstimmung gab: Er war mit dem Vorsitzenden einer anderen Gewerkschaft, der Deutschen Arbeitnehmer-Gewerkschaft befreundet, die auch ihren Sitz in Gablonz hatte. Die hatten nur 7.500 Mitglieder, mein Vater hatte schon 50.000 Mitglieder. Der Vorsitzende der anderen Gewerkschaft ließ sich ein Gehalt von 2.500 Kronen bezahlen, und mein Vater hatte nur 2.000 Kronen, obwohl er zwei Kinder und der andere keine Kinder hatte. Man kriegt die Gespräche zwischen den Eltern ja mit. Aber mein Vater war von einem unbedingten Altruismus und Idealismus bestimmt, was sich auch noch in anderen Dingen gezeigt hat. Und was schließlich nach dem Zusammenbruch zu einer Verfestigung geführt hat: Er wollte nicht einsehen, dass sein Idealismus missbraucht worden ist.

Roland Bude, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de

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  • Spieldauer: 4 Min.

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