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Andreas Friedrich - In West-Berlin

Andreas Friedrich - In West-Berlin

Vielen ausgewiesenen DDR-Oppositionellen fällt die Eingewöhnung in der neuen Umgebung schwer. Man bleibt anfangs oft unter sich. Andreas Friedrich fühlt sich wie im Exil.

Inhalt

Frage: Wie haben Sie die erste Zeit in West-Berlin empfunden?

Zum Kotzen. Ein großes Westpaket, halt. Erst war man immer auf das begrenzt, was man im Westpaket geschickt bekommen hatte. Und jetzt war alles in vielfacher Form da. Man konnte sich dem ja nicht entziehen. Dann gab es plötzlich im Winter Heidelbeeren und sonst was, das sind tief greifende Erlebnisse gewesen. Aber dann merkte man, dass sie wie Wasser schmeckten. Eigentlich kann man darauf verzichten.

Wie viel Unnötiges, wie viel Unsinniges! Damit erstmal klar zu kommen, auszusortieren, zu gucken, was man damit macht ... Wir hatten damals alle den tollen Vorteil, dass wir krank geschrieben waren. Wir hatten ja alle ein Mauersyndrom oder irgendwas. Ist ja auch in Ordnung – man muss sich ja wirklich Zeit nehmen.

Aber wer führt einen da ein, wer führt einen da? Das wurde eigentlich nur abgedeckt durch die Leute, die schon ein bisschen länger da waren, nur waren die zum Teil auch noch nicht so lange da. Viele waren erst ein paar Monate da, die kannten sich halt ein bisschen aus. Die wussten, in die Kneipe kann man gehen, und das kann man machen. Da hatten sich schon Strukturen entwickelt. Im Endeffekt gab es dann eine Getthoisierung.

Ich habe mich wie im Exil gefühlt. Ich wollte nicht im Exil sein. Ich hatte zwar den Traum von einer anderen Gesellschaft, aber ich wollte gucken, was ich hier machen kann. Was kann ich hier sein? Nicht immer nur gucken. Ich war immer dabei, wenn es darum ging: 'Aus Halle brauchen wir Bücher. Was kannst du dazu beitragen?'. Dann schickte ich halt auch zehn Bücher mit oder bezahlte die und gab die dazu. Das war keine Frage.

Andreas Friedrich, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de

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  • Produktion: 2004

  • Spieldauer: 2 Min.

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