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Flüstern und Schreien: Interview mit zwei Punkerinnen

Flüstern und Schreien: Interview mit zwei Punkerinnen

„Irgendwo müssen wir uns ja abgrenzen.“ Zwei junge Frauen berichten in einem Interview über ihre Erfahrungen als Punkerinnen in der DDR.

Inhalt

Auftritt von Die Anderen:

Seine Haare stehn wie Messer vor.
Weiches Teil schmückt sein Ohr.
Seine Kleidung, die ist extravagant.
Ihn hätte ich nie erkannt …

1. Konzertbesucherin:
„Na ja, und wir stehen so auf diese Musik, wa? Ich meine Die Anderen und so sind ja irgendwie Bands, kann man ja sagen, der DDR-Szene irgendwie. Es ist schon ein Wunder, finde ich jedenfalls, dass das sogar erlaubt wird hier von unseren Kulturministern oder überhaupt so von den Medien, wa? Denn sonst wird das ja immer … ansonsten … Nee, ansonsten wird das ja immer total gegen den Himmel geschrien, ja? Ich meine, das ist so `n gutes Beispiel, finde ich, wenn irgendwo in der S-Bahn hier Sitze aufgeschlitzt sind oder so, ja? Ich meine, keiner hat gesehen, wer es war. Es gibt keine Zeugen und so, ja? Und viele ganz normalen Leute sagen: 'Oh, die bösen Punks, die bösen Skinheads', sage ich jetzt mal, obwohl ich persönlich auch einen großen Hass gegen die Skinheads habe, ja? Das sind für mich Neofaschisten. Das sind totale Faschos, obwohl es auch so die Redskins gibt. Die sind ja auch stolz drauf, ne, dass sie sich als Redskins bezeichnen, als linke, nicht als rechte Ois, wa? Und ich meine, wenn die Leute dann sagen, es waren die Punks, die da die Sitze irgendwie aufgeschlitzt haben – dabei war es vielleicht irgendein besoffener Rowdy oder so –, das finde ich unmöglich, ja? Also, ich finde, man sollte irgendwie toleranter gegenüber den Punks sein und auch hier der Musik gegenüber. Nicht immer diese Vorurteile. Die sollte man unbedingt irgendwie abbauen, finde ich.“

Interviewer:
„Was bist du von Beruf?“

1. Konzertbesucherin:
„Ich bin Friseuse.“

Interviewer:
„Was seid ihr von Beruf?“

2. Konzertbesucherin:
„Muss das sein? Muss man das sagen? Na, ich bin Wirtschaftskaufmann eigentlich. Also, ist unwahrscheinlich, so, wie ich aussehe, und dann Büro, also das ist … aber die Leute sagen nichts, also keine Einwände …“

Interviewer:
„In welcher Einrichtung?“

2. Konzertbesucherin:
(?) … draußen in Weißensee da irgendwo.“

1. Konzertbesucherin:
„Und dann möchte ich vielleicht noch mal was sagen: Es ist ja nicht so, dass die Punks jetzt irgendwie was Absolutes jetzt gegen unsere Gesellschaft haben oder so oder gegen Interner Link: Sozialismus, ja? Also, so sind wir auch nicht. Wir sind Linke, und der Sozialismus und Kommunismus ist auch linksgerichtet, nicht rechtsgerichtet, wa? Und ich meine, trotzdem halten wir nicht alles … wir können nicht alles gutheißen, was in unserer Gesellschaft hier los ist, wa? Ich meine, und darum geben wir uns auch irgendwo anders, um nicht mit der Masse mitzulaufen. Irgendwo müssen wir uns ja abgrenzen.“

Ausschnitt aus dem DEFA-Dokumentarfilm "Flüstern und Schreien" aus dem Jahr 1988.

Mehr Informationen

  • Produktion: 1988

  • Spieldauer: 4 Min.

  • hrsg. von: DEFA

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