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Johanna Kalex - Die Gruppe Wolfspelz

Johanna Kalex - Die Gruppe Wolfspelz

Die evangelische Kirche in der DDR bietet vielen Jugendlichen einen geschützten Raum. Nicht immer aber sind die konservativen Kirchenmitglieder mit den Aktivitäten ihrer Jugendgruppen einverstanden.

Inhalt

Ein paar Jahre, bis '85, da waren wir ein kirchlicher Friedenskreis, und da gab es den Namen ´Wolfspelz` noch nicht. '85 waren wir alle ein bisschen älter geworden und hatten uns ein bisschen mehr philosophisch vertieft: was wir uns unter einer Gesellschaft vorstellen. Nicht nur dieses blanke: ´Das ist Mist`. Wir haben geguckt, wie so eine Gesellschaft funktioniert und was für Strukturen man sich vorstellen kann. Wir haben beschlossen, dass wir kein kirchlicher Friedenskreis mehr sein wollen. Die meisten im Kreis waren überhaupt nicht religiös. Auch bei mir war meine Religiosität wieder weggegangen.

Wir haben auch gesagt: ´Wir brauchen eigentlich keinen Schutz von so einer Institution, wir können uns selber schützen`. Und da haben wir uns einfach hingestellt und gesagt: ´Wir sind jetzt ein unabhängiger Friedenskreis`. Damit waren wir mit dem ´grenzfall` [Interner Link: Samisdat-Zeitschrift der Interner Link: Initiative Frieden und Menschenrechte - Interner Link: IFM] ungefähr parallel, wir waren die Ersten, und da drehten irgendwie alle frei. Der Staat drehte frei, weil das für den wohl gar nicht mehr kontrollierbar war. Die Kirche drehte auch frei - warum, weiß ich bis heute nicht. Eigentlich hatte ich immer den Eindruck, dass die eher froh sein müssten, dass sie uns los waren. Wir waren denen irgendwie zu radikal.

Zumindest war Bischof Hempel furchtbar böse auf uns und hat gemeint, wir seien die Wölfe im Schafspelz. Wir würden immer ganz lieb tun und seien für den Frieden. In Wirklichkeit sind wir irgendwelche radikalen Anarchisten. Womit er ja Recht hatte. Und daraufhin hat irgendjemand von uns gesagt: ´Nee, wir sind eher die Schafe im Wolfspelz. Wir sehen gefährlich aus, aber was wir wollen, ist trotzdem gut`. Und da ist der Name entstanden.

Johanna Kalex, Zeitzeugin auf www.jugendopposition.de

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  • Produktion: 2004

  • Spieldauer: 2 Min.

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