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Kontraste-Bericht: Open-Air-Frühstück 1987 in Jena

Kontraste-Bericht: Open-Air-Frühstück 1987 in Jena

Spontaneität und Selbstverwirklichung sind Reizworte für die durchorganisierten und kontrollierten Freizeitaktivitäten in der DDR. Wer außerhalb des engen staatlichen Korsetts agiert, begibt sich auf sehr dünnes Eis. Personalausweise werden eingezogen und durch den sogenannten PM 12 ersetzt, mit dem man vom visafreien Reiseverkehr nach Polen oder in die ČSSR ausgeschlossen ist. Wer mit einem PM 12 bei einer Ausweiskontrolle angetroffen wird, wird besonders gründlich kontrolliert.

Inhalt

Sprecher (off):
„Im letzten Juli kam eines Abends der Gedanke, mal im Freien zu frühstücken. Man lud zum ersten spontanen Jenaer Open-Air-Frühstück.“

1. Jenenser Jugendlicher:
„Na, so ungefähr um 10 Uhr sind wir dann auf den Platz gegangen und haben die Tische eingedeckt. Haben das richtig versucht ein bisschen mit Stil zu machen. Wir haben Musik gehabt, so einen Geiger und einen Gitarristen, die Musik gemacht haben. Wir haben mit Tischdecken und mit Morgenzeitung, mit Eiern, mit Wein … Wir hatten alles da, es sah auch recht gut aus. Es war Markttag gewesen. Es waren viele Leute da. Die Leute waren total begeistert davon. Da standen viele Leute drum herum. Viele haben uns gleich etwas geschenkt. Viele haben sich mit hingesetzt.
Ja, wir wollten irgendwas machen, wo Jugendliche zusammen irgendwas machen, was dieser grauen Stadt `n bisschen etwas Bunteres gibt, irgendwas mit mehr Leben. Das ist halt absolut nicht verstanden worden. Es hat eine viertel Stunde gedauert, da kamen die ersten Polizisten, haben die Ausweise eingesammelt, alle weggenommen, aufgeschrieben. Und dann hat es ungefähr noch mal eine halbe Stunde gedauert, da wurde die Sache geräumt. Von allen Seiten kamen die Polizeiwagen. Der Chef kam und hat gleich herumgeschrien und wollte wissen, wer der Veranstalter ist …“

2. Jenenser Jugendlicher:
„Wir waren umzingelt!“

Sprecher (off):
„Alle Beteiligten erhielten eine Ordnungsstrafe, weil sie ‚an einer Zusammenkunft in sonstiger Weise mitwirkten, die geeignet war, die gesellschaftlichen Interessen zu missachten`. Das Strafmaß war drastisch. Es betrug bis zu einem ganzen Monatsgehalt (500,75 Mark). Doch es kam noch schlimmer: Ein paar Wochen später erhielten alle eine Vorladung zur Volkspolizei. Dort musste jeder seinen Personalausweis abgeben. Dafür gab es den berüchtigten Interner Link: PM 12, ein vorläufiger Ausweis, wie ihn auch entlassene Kriminelle erhalten. Damit verbunden sind Eintritts- und Reiseverbote, der Ausschluss vom öffentlichen Leben, eine umfassende Einschränkung der persönlichen Freiheiten.“

3. Jenenser Jugendlicher:
„Das waren ganz einfach Vorwände, um uns den Ausweis zu entziehen, also lächerlich an den Haaren herbeigezogen. Es bedarf auch keiner Begründung. Das ist einfach eine Verfügung vom jeweiligen Leiter des VPKA, und das heißt Ausschluss vom pass- und visafreien Reiseverkehr. Da ist der Personalausweis weg für ein Jahr. Und es kann dann aber auch auf unbestimmte Zeit verlängert werden. Es bedarf keiner Zustimmung eines Rechtsanwaltes oder eines Gerichts. Das ist eine Verfügung.“

Interviewer:
„Wie fühlt man sich dann mit so einem Ausweis?“

Antworten der Jugendlichen:
„Ja, wahnsinnig beschnitten. Diskriminiert. Gebrandmarkt.“

4. Jenenser Jugendlicher:
„Es bleibt einem eigentlich kaum noch was übrig außer der Interner Link: Ausreiseantrag vielleicht …“

2. Jenenser Jugendlicher:
„Man kann den Staat beraten, dass er so nicht mit seinen Jugendlichen umgehen kann.“

1. Jenenser Jugendlicher:
„Man kann den Leuten nur versuchen … also, die Leute nicht so einzuengen, mehr Freiheiten zu geben und vor allen Dingen toleranter zu sein mit der Jugend. Und das ist meiner Meinung nach der einzige Weg.

2. Jenenser Jugendlicher:
„Diese Eigenaktivitäten der Jugend, also die unabhängig von diesen Organisationen passieren, die dürfen nicht erstickt werden im Keim. Das ist wichtig, finde ich.“

3. Jenenser Jugendlicher:
„Grundsatzprobleme, an denen DDR-Funktionärs… (?) immer scheitert, das ist ganz einfach Spontaneität und dass niemand fähig ist oder willens ist, eine eigene Entscheidung zu treffen.“

1. Jenenser Jugendlicher:
„Überhaupt, das Wort Spontaneität, das wird ja wie Gift behandelt. Es stirbt alles in der Bürokratie. Also, immer wieder Spontaneität, was gut ist, was Leben bringt, das geht nicht. Daran geht man irgendwie kaputt. Irgendwann hat man dann dermaßen die Nase …“

Ausschnitt aus einem Bericht im Politikmagazin Kontraste des Senders Freies Berlin aus dem Jahre 1987.

Mehr Informationen

  • Produktion: 07.04.1987

  • Spieldauer: 4 Min.

  • hrsg. von: Sender Freies Berlin, Redaktion Kontraste

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