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Reinhard Schult - Die Verhaftung

Reinhard Schult - Die Verhaftung

Am 13. August 1979 wird Reinhard Schult verhaftet. Der Vorwurf: Beihilfe zur Republikflucht. Verurteilt wird er aber wegen eines anderen Vergehens.

Inhalt

Zu dem Zeitpunkt war ich im Fleischkombinat, im Schlachthof in Berlin, als Maurer beschäftigt. Wir waren eine Maurertruppe von 20 Leuten, einer davon in der Partei. Der Parteikollege hat versucht, nach Westen abzuhauen und ist dabei erwischt worden. Der hat mich bei den Vernehmungen verpfiffen. Ich hatte Sachen in den Betrieb mitgebracht, unter den Kollegen Texte verbreitet – zumindest unter denen, bei denen ich dachte, die interessiert das ein bisschen. Der ist bei den Vernehmungen weich geworden, hat zugegeben, dass ich seine Zeugnispapiere bei mir zu Hause aufbewahre, um sie ihm bei gelungener Flucht nach Westen hinterher zu schicken.

Am 13. August, früh auf dem Wege zur Arbeit, haben mich auf der Greifswalder Straße vier Mann umstellt: ´Deutsche Volkspolizei, Ausweiskontrolle, bitte!`. Sie haben mich zum Polizeipräsidium mitgenommen. Dann waren die Wohnungsdurchsuchungen und Vernehmungen. Ich habe zwar nichts zugegeben, aber die Beweislage war ziemlich erdrückend. Das Ermittlungsverfahren lief fünfeinhalb Monate, und nach sieben Monaten war der Prozess. Ich bin zu acht Monaten verurteilt worden, wegen ´Interner Link: öffentlicher Herabwürdigung`. So hieß die Verbreitung dieser Texte.

Der flüchtende Arbeitskollege, der zum Zeitpunkt meiner Verurteilung schon zu zwei Jahren verurteilt war, ist als Zeuge in meinem Prozess aufgetreten und hat alles widerrufen. Er hat gesagt: ´Ich habe davon nichts gewusst, ich habe seine Papiere nur so aufbewahrt`. Ich habe das immer abgestritten und die Aussage verweigert. Die Beihilfe zur Republikflucht endete damit im Freispruch. Obwohl sie ziemlich überzeugt waren, dass ich ihn da unterstützen wollte, war die Beweislage eben so dünn, dass der Richter nicht anders konnte, als den Freispruch auszusprechen. Bei den anderen Sachen, war sie ziemlich eindeutig, obwohl ich da auch nichts zugegeben habe. Aber da hatten sie Zeugenaussagen von Freunden, die bei den Vernehmungen zusammengeklappt sind. Weil sie bedroht worden sind, dass sie auch eingesperrt werden.

Reinhard Schult, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de

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  • Produktion: 2004

  • Spieldauer: 3 Min.

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