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Ich erinnere mich, ein Lied fängt so an: ´Manchmal fällt auf uns der Frost und macht uns hart`. Da sagte der bei Amiga gleich: ´Jaja, manchmal fällt auf uns ein Plenum und macht uns hart`. An so was hatten wir gar nicht gedacht, ich weiß nicht, wie die drauf kamen. Ich hatte mit Gerulf ein Lied, das war der Bruchpunkt, wo wir zum ersten Mal gesagt haben: ´Wir machen das jetzt so wie es ist, oder wir lassen es sein`. Wo die sich sehr gewundert haben, weil sie das nicht gewohnt waren.
Da ging es um einen Lehrling, der nicht gern zu seiner Arbeit geht. Der wünscht sich immer eine Sonne, die unter die Haut geht. Und da kam im Refrain
Dann sollte es ein letztes Vorspiel mit der Band geben. Wir sollten die Texte vorher einreichen. Das haben wir abgelehnt, weil wir dieses Theater schon kannten. Wenn sie die erste Zeile lesen, sagen sie: ´Nee, das findet nicht statt`. Die sollten sich das ruhig mal anhören. Dabei mit unserem Lärm. Die haben in Leipzig ein großes Clubhaus gemietet, und da haben wir unsere Anlage aufgebaut. Da war eine Kommission von zwölf Leuten, glaube ich. Lauter so wichtige Menschen, weiß der Himmel. Auch Musikerkollegen, erstaunlicherweise, die was dazu sagen sollten. Und wegen der besseren Verständlichkeit, haben die dann gesagt, wollen sie doch die Texte gerne vorliegen haben, wenn das Konzert stattfindet. Ein Blick auf die Texte und dann brauchten sie erst gar nicht anfangen. Dann war alles gleich wieder erledigt.
Frage: Sie kamen also gar nicht mehr zum Vorspiel?
Nee.
Frage: Und dann kam von offizieller Seite das Spielverbot, das Auftrittsverbot?
Gleich bei dieser Gelegenheit. Da war die entsprechende Madame da, die das leitete. Die hatte vorher schon, wie ich inzwischen weiß, viel mit höheren Stellen korrespondiert. Die saß dieser Kommission vor. Ich glaube, die [Musiker] hatten gar keine Chance. Es wäre nur schön gewesen, wenn irgendwer von den Musikerkollegen aufgestanden wäre und gesagt hätte: ´Ich habe nichts gehört, und ich sage auch nichts dazu`. Nein, die Kommission hat einstimmig geschlossen gesagt, dass sie uns das gar nicht erst vorspielen brauchen. Wir würden die Arbeiterklasse beleidigen.
Christian Kunert, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de
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Produktion: 2004
Spieldauer: 3 Min.
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