Ich hatte mich darauf eingerichtet, dass unsere Jenaer mehrere Jahre Haft kriegen. Nun kommt ja noch hinzu, dass wir Interner Link: Wolfgang Schnur als Rechtsanwalt hatten. Der kam auch immer und schüttelte den Kopf: ´Ich weiß gar nicht, was sie denen vorwerfen ...`. Der spielte eben auch schon ein doppeltes Spiel. Dass er nämlich schon in diese Pläne eingeweiht war, dass es irgendwann auf die Ausbürgerung hinausläuft, im Laufe der Monate, die so ins Land gingen. Es muss im Frühsommer 1977 gewesen sein, als er sagte: ´Wenn die hier im Gefängnis bleiben, dann werden das drei bis zwölf Jahre. Acht Jahre kriegen die ganz bestimmt.`
Er bereitete einen auch darauf vor, dass es ganz furchtbar wird. Und sagte, es gäbe aber noch die andere Möglichkeit: die Ausreise in den Westen. Alle acht Inhaftierten hätten zugestimmt. Wir als Angehörige würden sozusagen zählen. Ich und noch drei andere. Was wir denn machen würden? Da haben wir natürlich gesagt: ´Wenn die ausgebürgert werden, gehen wir mit`.
Interner Link: Jürgen Fuchs, Interner Link: Gerulf Pannach und Christian Kunert sind Ende August aus Interner Link: Hohenschönhausen [Stasigefängnis] nach West-Berlin gebracht worden, die Jenaer am 2. September. Eigentlich passierte gar nichts. Irgendwann tauchte bei mir die Abteilung Inneres auf, und zwar am 15. Dezember 1977. Sie sagte mir: ´Innerhalb von zwei Tagen müssen sie die DDR verlassen haben`. Meine Mutter kam noch, weinte bitterlich. Wir hatten noch verschiedene Treffen, auch in der Interner Link: Jungen Gemeinde, und dann ging alles ganz schnell. Am 17. Dezember, das war übrigens mein 24. Geburtstag, sind wir früh nach Jena gefahren. Wir, das heißt: Andrea Tott, die damals mit Interner Link: Wolfgang Hinkeldey zusammenlebte, und ich. ... Mit uns fuhr, rein zufällig, unser Interner Link: Spitzel [mit dem Decknamen] "Interner Link: Helmut Falke", den ich auch schon in Verdacht hatte. ... Er gab vor, er müsste zu einer Schulung. Er war aber noch so freundlich, uns die schweren Koffer vom Bahnhof Friedrichstraße zum Tränenpalast zu schleppen. Naja, und da sind wir ausgereist.
Doris Liebermann, Zeitzeugin auf www.jugendopposition.de