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Anklamer Jugendliche protestieren gegen die zunehmende Militarisierung

Anklamer Jugendliche protestieren gegen die zunehmende Militarisierung

Ab 1956 werden Jugendliche nach der Schulzeit und vor dem Studium zum „freiwilligen“ Beitritt zur NVA gedrängt. Der Druck sorgt für Unmut.

Inhalt

„Und zwar wurde dort sehr massiv geworben für den sogenannten freiwilligen Beitritt in die Interner Link: NVA. Beitritt ist so zu verstehen: Es gab damals keine Wehrpflicht.“

Franz Ritschel:
„Die Wehrpflicht war ja eine Folge der Situation, dass keiner freiwillig hingehen wollte. Freiwillig war damals zwei Jahre. Und da agitierte man uns und sagte uns da schon, man wird uns jetzt nicht mehr in Ruhe lassen, bis wir überzeugt sind.“

„Und da waren wir natürlich überhaupt nicht mit einverstanden. Alle nicht. Und haben uns dagegen gesträubt, und wir waren wohl im weiten Umkreis die Einzigsten. Aber hier spielte jetzt eben doch die Sache … Wir waren ein Kollektiv.“

„Und dann kamen die aber, glaube ich, jeden Montag wieder. Und jeder Montag stand unter dem Kapitel, hier die Leute weichmachen.“

„Es hat sich ein Karussell ergeben, das uns immer reinbeförderte in das Direktorenzimmer. Dort saßen dann Parteisekretär und Schulleitung und haben uns sozusagen überzeugen wollen. Und dann haben sie uns wieder hinausbefördert, bis die nächsten reinkamen. Und das war also dann nach 14 Tagen doch schon so stressig für uns, dass wir in Unmut gerieten.“

„Und wir haben gesagt: Entweder holt uns in den Semesterferien oder nach dem Studium, aber lasst uns doch erst das Studium zu Ende machen.“

„Wir haben gesagt, die zwei Jahre sind verlorene Jahre. Die sind also 18, 21. Und fünf Jahre dran, das ist 27, 28. Das ist uns zu viel, wir wollen gleich. Die Armee brauchen wir nicht, das können wir mal weglassen.“

„Es wurde immer massiver, und zwar, wenn in der Anfangsphase noch gesagt wurde, dass man das von uns erwartet und der Staat uns ja auch die Ablegung des Abiturs ermöglicht – was ja auch nicht ganz ohne Kosten war. Und dann, das spätere Studium würde ja auch etwas kosten.“

„Und da wurde natürlich von der anderen Seite, wie das dann auch gang und gäbe war, der notwendige Gegendruck gemacht, sei es von einigen Lehrern politisch-ideologisch, aber sei es auch von dem Schuldirektor, bis hin zu massiven Bedrohungen: Entweder du unterschreibst, dass du zur Armee gehst, oder ich sorge dafür, dass du niemals einen Studienplatz kriegst – sinngemäß.“

„Ja, es ist ein altes Prinzip, wenn man nicht davon überzeugt ist: Aktion gleich Reaktion. Also, wenn man es übertreibt, dann will man nachher nicht mehr.“

Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm "Wie aus heiterem Himmel" (1998)

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  • Produktion: 1998

  • Spieldauer: 3 Min.

  • hrsg. von: Koppfilm GmbH

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