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Roland Bude - Der Streik

Roland Bude - Der Streik

Am ersten Tag ging unser bester Mann nicht zur Arbeit. Und nach drei, vier, fünf Wochen fuhren nur noch die in den Schacht ein, die das Nötigste aufrecht erhalten sollten.

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In unserem Lager spielte sich das so ab: Plötzlich sagte mein bester Mann, der Russe Kostja Perov, eines Morgens: ´Roland, ich geh nicht zur Arbeit, ich hab's satt`. Ich war der Brigadier und sagte: ´In Ordnung Kostja, ist deine Sache, was soll ich an der Wache sagen?`. ´Sag, ich bin zum Arzt gegangen. Bin in die Krankenstube gegangen und zur Krankenuntersuchung, ich fühl mich nicht wohl`. Sagte ich: ´In Ordnung, wir kommen aus, auch wenn du fehlst, auch wenn du zusätzlich einen Tag frei machst. Ich mach deine Arbeit heute`. Wir hatten eine sehr gute Kameradschaft.

Arbeitsverweigerung – wir dachten: Kostja kommt bestimmt sofort in den Karzer. Ich hab das auch mal drei Tage mitgemacht: Kältekarzer, nur in Unterwäsche. Da denkt man, man gibt den Geist auf. Wir kommen von der Arbeit zurück, Kostja kommt uns jubilierend entgegen [und berichtet]: ´Da waren zwar welche, und ich wurde zum Offizier vorgerufen, der für die Arbeitsproduktivität verantwortlich ist, aber der hat mir klargemacht, dass ich mich doch ins eigene Fleisch schneide, wenn ich nicht zur Arbeit gehe. Ich hätte ja immer gute Prozente und mein Arbeitslohn wäre ja mit der höchste in der Brigade. Außerdem schädigst du die Kameraden, die müssen für dich mitarbeiten`. Das sprach sich natürlich rum!

Am nächsten Tag gingen zwei andere nicht mehr zu Arbeit. Und nach drei, vier, fünf Wochen war es so, dass nur noch die in den Schacht einfuhren, die für Pumpstation, Ventilation, Elektrizität und all diese Bereiche verantwortlich waren. Wenn die nicht gepflegt und in Stand gehalten werden, sackt der Schacht zusammen. Das wollte keiner. Bei uns ging also niemand mehr arbeiten. Es war ein herrliches Wetter, wir lagen nur noch in der Sonne. Die Verpflegung wurde nicht gekürzt. Wir hatten ja auch gute Arbeitsergebnisse, alle hatten einen dritten Kessel. Über 111 Prozent, außerdem hatte man Geld verdient. Plötzlich holten sie uns in die Kantine und brachten Bonbons und mehr Margarine als vorher. Es gab mehr zu kaufen. Ab ungefähr 20. Juli wurde fast nichts mehr produziert. Den August über auch nicht.

Ende August wurde es schon kühl, und da hatten wir kein Geld mehr. Was brachten sie in die Baracken und in die Kantine? Wettermäntel, Pullover, Hemden, Unterwäsche, lauter Zivilkram! Sie brachten sogar Frauenkleider, Frauenröcke, damit wir die kaufen konnten und nach Hause schicken – für die Geschwister oder Mütter oder Frauen. Ja du liebe Zeit!

Das Wetter wurde kalt, es wurde wieder gearbeitet. In der Zeit von September bis 27. Dezember wurde das, was vorher nicht gearbeitet worden war, geschafft, indem wir 130, 150 Prozent schafften. Wir schrieben auch entsprechend: Wenn wir 120 Prozent geschafft hatten, dann schrieben wir 135. Es stellt sich ja erst nach einer gewissen Zeit heraus, dass das falsch ist – wenn die Markscheider kommen und das vermessen. Und dann kann man immer noch sagen: ,Die Kohle die war großkörnig, großklotzig`, oder irgendwas.

Roland Bude, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de

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