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Roland Bude - Der Häftlingsaufstand in Workuta

Roland Bude - Der Häftlingsaufstand in Workuta

Unmenschliche Arbeitsbedingungen, schlechte Versorgung mit Lebensmittel, kein Kontakt zu den Familien in der Heimat: Es kommt zu ersten Unruhen und Arbeitsverweigerungen.

Inhalt

1953, nach Stalins Tod, beabsichtigte die Verwaltung der zuständigen Lager-Obrigkeit, dass man die Verhältnisse etwas bessern müsste, damit es mehr Produktivität gäbe. Die hatten nämlich endlich festgestellt – das ist übrigens auch das Ergebnis wissenschaftlicher Arbeiten –, dass der Versuch, die Bodenschätze mit Häftlingen zu gewinnen, ein Negativgeschäft ist. Dass es teurer ist, als wenn man es mit Freien macht. Aber so schnell konnte man die Lager nicht abschaffen. Offensichtlich sind sie auch zur Einsicht gekommen, dass diese Massenverhaftungen nicht mehr durchzuführen sind. Sie haben ja kein Volk mehr, nicht wahr? Wenn hier Millionen eingesperrt sind, dann fallen ja auch mögliche Väter und Mütter aus.

Wir Häftlinge hofften, dass sich auch was für uns ändern würde. Wobei die Befürchtung war: Entweder wird es noch schlimmer, oder es ändert sich etwas zum Besseren. Die obersten Verantwortlichen für den Einsatz der politischen Häftlinge haben meiner Meinung nach einen Riesenfehler gemacht: Nämlich, dass sie ein Lagergebiet auflösten, wo die aufsässigsten Arbeitsverweigerer waren – die Ukrainer im Gebiet von Karaganda. Dann verteilten sie dieses Kontingent von etwa 8.000 [Arbeitern] auf die einzelnen Lager in Workuta. Gerade heute habe ich mich mit jemandem darüber unterhalten, jemand, der versucht, das im Rahmen eines Forschungsauftrags zu ergründen. Denen in Karaganda soll gesagt worden sein: `Ihr kommt jetzt in ein Gebiet, wo ihr euch frei ansiedeln könnt. Ihr werdet auch im Bergwerk arbeiten, aber dort gibt es bessere Bezahlung und bessere Verhältnisse`.

Doch das stimmte nicht, denn Workuta war schlechter als Karaganda, was die allgemeinen, auch die klimatischen Lebensverhältnisse betraf. Ein großes Kontingent kam nun in unsere Lager und rebellierte. Sie gingen nicht zur Arbeit und forderten, dass hier Kommissionen hinkommen, denen sie ihre Wünsche vortragen können. [Sie wollten wissen], warum sie belogen worden waren. Es herrschte große Unruhe. Aber in unserem Lager konnten die sich nicht durchsetzen – gegenüber den Leuten, die schon seit '47 einsaßen oder schon im Krieg gegen die Sowjets gekämpft hatten, gegenüber den Bandera-Offizieren [ukrainische Nationalisten] und den ukrainischen Aufständischen. Die waren der Meinung: Warten wir mal, wie die Entwicklung ist. Wir wollen es nicht auf die Spitze treiben.

Roland Bude, Zeitzeuge auf www.jugendopposition.de

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