Inhalt
Moderatorin:
„Auch wenn die unabhängigen Gruppen für die Offiziellen nicht existieren, so waren sie bei den verschiedenen Wahlveranstaltungen doch präsent. Eine nicht nur von ihnen, sondern auch aus der Bevölkerung häufiger vorgetragene Kritik galt dabei der Transparenz des Wahlverfahrens. Der folgende Mitschnitt einer Wahlveranstaltung in Berlin zeigt die Schwierigkeit eines Bürgers bei der Wahrnehmung seiner Rechte als Wähler.“
Charly Hieke:
„Wie gesagt, mein Name ist Hieke. Ich bin hier als Vertreter der Umwelt- und Friedensgruppe
Und Punkt 2 unseres Arbeitsthemas Kommunalwahl: Wir haben vor, an der Stimmenauszählung teilzunehmen. Das ermöglicht das Wahlgesetz, da die Stimmenauszählungen öffentlich sind. Und deshalb die Anfrage an die Frau Meier vom Stadtbezirk: Frau Meier, ist es möglich, dass wir von Ihnen eine komplette Liste der Wahllokale bekommen, sodass wir an diesen Stimmenauszählungen teilnehmen können?“
Männliche Stimme aus dem Hintergrund:
„Sie haben jederzeit die Möglichkeit, sich an das Abgeordnetenkabinett des Rates zu wenden oder an den Sekretärbereich des Rates. Das ist die Apparatnummer 305 im Rat, die Vorwahl ist 43 00 911, Apparat 305. Das ist der Siegfried Rhode, der Sekretär des Rates, und der wird Ihnen jederzeit Einsicht gewähren in die einzelnen Wahllokale. Natürlich besteht in ihrem eigenen Wahllokal dann die Möglichkeit, zur Auszählung zu kommen.“
Herr Rieke:
„Ich möchte Sie trotzdem bitten, mich ausreden zu lassen. Frau Meier, ist es möglich, diese Liste von Ihnen zu bekommen? … Danke schön!“
Sprecherin:
„Frau Meier vom Stadtbezirk wollte einfach nicht. Aber hier noch einmal die Telefonnummer: 43 00 911-305.“
Foto: 7. Juni 1989. Demo gegen den Wahlbetrug vor der Sophienkirche in Ost-Berlin. Quelle: Hans-Jürgen Röder/Robert-Havemann-Gesellschaft e.V./RHG_Fo_HAB_15005
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Produktion: 04.1989
Spieldauer: 4 Min.
hrsg. von: Radio Glasnost