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Radio Glasnost: Bericht über den Kirchentag von Unten in Berlin

Radio Glasnost: Bericht über den Kirchentag von Unten in Berlin

Oppositionelle Gruppen richten ihre Kritik nicht nur gegen staatliche Willkür und Unterdrückung. Zunehmend kritisieren sie auch die bürokratischen Strukturen der Kirche in der DDR.

Inhalt

Sprecher:
„'750 Jahre und kein bisschen weise', so lautet der Spruch auf einem selbstgemachten Aufkleber aus Berlin, Hauptstadt der DDR. Sowohl in Ost- als auch in West-Berlin haben die offiziellen Selbstdarstellungen ihr notwendiges Korrektiv erhalten. Die Zusammenstöße zwischen jugendlichen Teilen der DDR-Gesellschaft am Brandenburger Tor zu Pfingsten und zwischen sozial Unterprivilegierten im Mai in Kreuzberg mit den jeweiligen polizeilichen Ordnungshütern signalisierten schwärende Konflikte unter der allgemeinen Oberflächlichkeit von Jubelfeiern und Massenveranstaltungen.
Im Jubiläumsjahr war es der DDR-Kirche gestattet worden, im Juni offizielle Kirchentage durchzuführen. Der alternativ dazu von Basisinitiativen, Öko-, Friedens-, Frauen-, Menschenrechts- und Minderheitengruppen selbst organisierte Kirchentag von Unten fand vom 26. bis zum 28. Juni in der Pfingstgemeinde in Ost-Berlin statt. In seinem Kern ein Protest gegen Kirchen- und Staatsbürokratie, wurde in dieser 'größten alternativen geduldeten Veranstaltung', wie die Westberliner Tageszeitung sie nannte, nicht nur der Frust der Verhältnisse deutlich, sondern auch Lust gemacht auf Veränderungen und Entwicklungen. Die evangelischen wie die katholischen offiziellen Kirchenstrukturen als Teile der DDR-Variante real-sozialistischer Verfremdungen sind heute in einem ähnlichen Dilemma wie die staatlichen Institutionen und Organisationen. Es genügt nicht mehr, ihre Akzeptanz aus der Vergangenheit herzuleiten, sondern es müssen Antworten auf die gegenwärtigen Fragestellungen gefunden werden.
In einem Papier zum Kirchentag von Unten wurde die Situation wie folgt beschrieben:“

Sprecherin:
„Wie in allen hoch entwickelten Industrieländern gibt es auch in der DDR ein sogenanntes Jugendproblem. Zu fragen ist, ob das wirklich bloß ein Problem der Jugend ist. Äußerlich erkennbar ist dies bei einer Minderheit an dem äußeren provozierenden Erscheinungsbild, an bestimmten aufsässigen und aggressiven Verhaltensweisen, an bestimmten Folgeerscheinungen, zum Beispiel Alkoholismus, Kriminalität, unbewusster und bewusster Widerstand gegen etablierte Ordnungen. Mit den genannten Erscheinungen wird auf die unterschiedlichste Weise nicht nur Unbehagen an der Gesellschaft artikuliert. Es wird auch ein positives Verlangen signalisiert. Der Mensch erfährt sich als auswechselbares Rädchen einer apparatehaften, funktionierenden Maschinerie. Es wird über ihn verfügt. Er ist eine Nummer. Verantwortung wird abgenommen. Strukturen, Institutionen, Regeln, Gesetze, Wertmaßstäbe sind nicht mehr einsehbar und wirken sich als Zwänge aus. Das Jugendproblem ist in Wirklichkeit ein Problem der Gesamtgesellschaft und der Kirche und Gemeinden. Statt Selbstbestimmung zu gewähren, wird ermahnt, belehrt, angeordnet, angepasst, vorgeschrieben, ausgegrenzt, kontrolliert, beargwöhnt, indoktriniert.“

Sprecher:
„Um solchen und ähnlichen Zwängen zu entkommen, versuchen Menschen seit eh und je, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu hinterfragen, zu analysieren und zu ändern. Auch in der DDR finden solche Versuche auf unterschiedlichen Ebenen statt. Der Kirchentag von Unten übernahm die Aufgabe, einige der aktuellen Probleme grundsätzlich und öffentlich zu benennen und nach Auswegen zu suchen.“

Foto: 2. Kirchentag von Unten (KtvU) in Halle - Veranstaltung in der Christusgemeinde. Quelle: Siegbert Schefke, Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.

Mehr Informationen

  • Produktion: 11.1988

  • Spieldauer: 4 Min.

  • hrsg. von: Radio Glasnost