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Moderatorin:
„Vom 1. bis 18. September fand in der DDR ein Ereignis statt, das in der Geschichte unseres Landes kein Beispiel hat: der Olof-Palme-Friedensmarsch für einen atomfreien Korridor. Auf die Durchführung dieser Aktion hatten sich die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG – VK) in der
Nach der Eröffnungskundgebung in Ravensbrück formierten sich dann zwei Blöcke: Vorn die staatlichen Marschierer, eine Singegruppe und Werktätige aus Betrieben und Institutionen, hinten sammelten sich die Pilger um ein Kreuz, das auf dem langen Weg abwechselnd getragen wurde. Der Auszug aus Ravensbrück erfolgte durch ein Spalier winkender
Kurz vor Oranienburg kamen etwa 5.000 Marschierer zu dem Pilgerzug dazu, der inzwischen auf 500 bis 600 Menschen angewachsen war. In der Stadt standen die Werktätigen der Betriebe und Institutionen, die Schüler der umliegenden Schulen am Straßenrand. Wenn die Menschen die Transparente und Plakate sahen, waren sie natürlich sehr überrascht. Viele reagierten mit Beifall, Zurufen, Winken und indem sie in die Lieder der Pilger einstimmten. Der Weg endete im KZ Sachsenhausen mit einer staatlichen Veranstaltung, die von verschiedenen Künstlern gestaltet wurde, und mit einer Andacht auf dem Gelände der ehemaligen Station Z.
Tags darauf fand in Berlin ein zweiter Pilgerweg statt – diesmal von der Zions- bis zur
Einige Tage später kam es jedoch wieder zu Zwischenfällen. In
Sprecher:
„Was im Rahmen der üblichen politischen Zustände unseres Landes so ungewöhnlich erscheint, entspricht natürlich nur den Freiheiten, die seit Jahrzehnten von der DDR-Verfassung versprochen wurden, ohne eingehalten zu werden. Wenn jetzt die Regierung geruht, für eine Weile diese selbstverständlichen Freiheiten zu gewähren, müssen wir wissen, dass die Freiheit der Straße, das Demonstrationsrecht, auf die Dauer nur aufrechterhalten werden kann, wenn die Bevölkerung sie tatsächlich wahrnimmt. Was zwischen Ravensbrück und Sachsenhausen und in Berlin möglich war, muss für die gesamte DDR politischer Normalzustand werden. Die in der DDR-Verfassung fixierten Freiheiten müssen endlich Realität werden. Das Strafrecht muss in Übereinstimmung mit der Verfassung gebracht werden und nicht umgekehrt. Was hier als Nebenprodukt des Palme-Marsches erscheint, gehört unserer Meinung nach zur Errichtung einer atomwaffenfreien Zone. Innerer und äußerer Frieden gehören zusammen. In einer atomwaffenfreien Zone müssen die Mitbestimmungsrechte der Bevölkerung gesichert werden, die Rede-, Versammlungs- und Pressefreiheit realisiert und das Recht auf Volksentscheid durchgesetzt werden.
Für diese Forderungen treten wir im Rahmen des Olof-Palme-Marsches ein. Engagiert euch für diese Forderungen! Macht permanenten Druck! Denn von oben nach unten wächst gar nichts!“
Foto: Olof-Palme-Friedensmarsch 1987. Quelle: Rolf Walter/Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_RDA_02124.
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Produktion: 09.1987
Spieldauer: 6 Min.
hrsg. von: Radio Glasnost