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Radio Glasnost: Bericht über den Olof-Palme-Friedensmarsch 1987

Radio Glasnost: Bericht über den Olof-Palme-Friedensmarsch 1987

Die offizielle Abrüstungs- und Kirchenpolitik der DDR erlaubt es 1987 kirchlichen Gruppen, mit ihren eigenen Losungen am Olof-Palme-Friedensmarsch teilzunehmen.

Inhalt

Moderatorin:
„Vom 1. bis 18. September fand in der DDR ein Ereignis statt, das in der Geschichte unseres Landes kein Beispiel hat: der Olof-Palme-Friedensmarsch für einen atomfreien Korridor. Auf die Durchführung dieser Aktion hatten sich die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG – VK) in der Interner Link: BRD, der Friedensrat der DDR, die österreichische Friedensbewegung und das Interner Link: tschechoslowakische Friedenskomitee geeinigt. Schon auf der Eröffnungsveranstaltung in Stralsund zeigte sich, was niemand kurz zuvor für möglich gehalten hätte: Freunde aus Friedenskreisen nahmen mit Losungen wie 'Für einen sozialen Friedensdienst', 'Gegen Atomkraftwerke' oder 'Keine Schüsse an der Grenze' teil. Sie blieben unbehelligt. Vom Bund der Evangelischen Kirchen und der Interner Link: Aktion Sühnezeichen wurde ein Pilgerweg zwischen Ravensbrück und Sachsenhausen organisiert. Dieser Weg sollte ursprünglich allein von Christen und friedensbewegten kirchlichen Basisgruppen gegangen werden. Kurzfristig beschloss der Kirchenrat, sich zu beteiligen.
Nach der Eröffnungskundgebung in Ravensbrück formierten sich dann zwei Blöcke: Vorn die staatlichen Marschierer, eine Singegruppe und Werktätige aus Betrieben und Institutionen, hinten sammelten sich die Pilger um ein Kreuz, das auf dem langen Weg abwechselnd getragen wurde. Der Auszug aus Ravensbrück erfolgte durch ein Spalier winkender Interner Link: Pioniere, Interner Link: FDJler und Einwohner. An das Gefühl, durch so ein Spalier mit Plakaten wie 'Friedenserziehung statt Wehrunterricht', 'Freie Kontakte nach Ost und West', 'Für das Recht auf Wehrdienstverweigerung' und 'Abrüstung auch in Schule und Kindergarten' zu gehen, mussten sich alle Teilnehmer erst gewöhnen. Anfangs wussten sie nicht genau, ob sie wachten oder träumten. Die beiden Blöcke hatten sich bald vermischt. Pilger und Marschierer nutzten die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei war für die Pilger immer wieder ermutigend, wie viel Freundlichkeit und Solidarität sie erfuhren. Alle Menschen, denen sie begegneten, waren natürlich erst einmal überrascht, wenn sie die ganz ungewohnten Aufschriften und Losungen sahen. Die meisten fanden es aber gut, dass so etwas endlich möglich war, und gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, dass es von nun an immer so bleiben möge.
Kurz vor Oranienburg kamen etwa 5.000 Marschierer zu dem Pilgerzug dazu, der inzwischen auf 500 bis 600 Menschen angewachsen war. In der Stadt standen die Werktätigen der Betriebe und Institutionen, die Schüler der umliegenden Schulen am Straßenrand. Wenn die Menschen die Transparente und Plakate sahen, waren sie natürlich sehr überrascht. Viele reagierten mit Beifall, Zurufen, Winken und indem sie in die Lieder der Pilger einstimmten. Der Weg endete im KZ Sachsenhausen mit einer staatlichen Veranstaltung, die von verschiedenen Künstlern gestaltet wurde, und mit einer Andacht auf dem Gelände der ehemaligen Station Z.
Tags darauf fand in Berlin ein zweiter Pilgerweg statt – diesmal von der Zions- bis zur Interner Link: Gethsemanekirche im Prenzlauer Berg – als eine gemeinsame Veranstaltung des Stadtjugendpfarramtes und der unabhängigen Friedensgruppen, ohne staatliche Beteiligung, aber unter dem Schutz der Verkehrspolizei, die tausend Demonstranten sicher über die Straße geleitete. Es war die erste erduldete Demonstration der unabhängigen Friedensbewegung in unserem Lande.
Einige Tage später kam es jedoch wieder zu Zwischenfällen. In Interner Link: Torgau wurde gegen Friedensgruppen mit Gewalt vorgegangen und Plakate zerrissen. In Dresden auf der Abschlusskundgebung des Palme-Marsches in der DDR war es wiederum möglich, Transparente zu zeigen, für deren Losungen man in der Vergangenheit in den Knast wanderte. Mit der Forderung nach Reise-, Informations-, Rede- und Versammlungsfreiheit zogen Demonstranten ungehindert durch die Stadt. Auf einem Friedensforum in der Kreuzkirche waren am Vortag die Erfahrungen des Palme-Marsches diskutiert worden. Neben großen Hoffnungen wurde auch Skepsis geäußert. Von der Empore flatterten Flugblätter mit der Unterschrift 'Dresdner Aktive'. Auszüge daraus:“

Sprecher:
„Was im Rahmen der üblichen politischen Zustände unseres Landes so ungewöhnlich erscheint, entspricht natürlich nur den Freiheiten, die seit Jahrzehnten von der DDR-Verfassung versprochen wurden, ohne eingehalten zu werden. Wenn jetzt die Regierung geruht, für eine Weile diese selbstverständlichen Freiheiten zu gewähren, müssen wir wissen, dass die Freiheit der Straße, das Demonstrationsrecht, auf die Dauer nur aufrechterhalten werden kann, wenn die Bevölkerung sie tatsächlich wahrnimmt. Was zwischen Ravensbrück und Sachsenhausen und in Berlin möglich war, muss für die gesamte DDR politischer Normalzustand werden. Die in der DDR-Verfassung fixierten Freiheiten müssen endlich Realität werden. Das Strafrecht muss in Übereinstimmung mit der Verfassung gebracht werden und nicht umgekehrt. Was hier als Nebenprodukt des Palme-Marsches erscheint, gehört unserer Meinung nach zur Errichtung einer atomwaffenfreien Zone. Innerer und äußerer Frieden gehören zusammen. In einer atomwaffenfreien Zone müssen die Mitbestimmungsrechte der Bevölkerung gesichert werden, die Rede-, Versammlungs- und Pressefreiheit realisiert und das Recht auf Volksentscheid durchgesetzt werden.
Für diese Forderungen treten wir im Rahmen des Olof-Palme-Marsches ein. Engagiert euch für diese Forderungen! Macht permanenten Druck! Denn von oben nach unten wächst gar nichts!“

Foto: Olof-Palme-Friedensmarsch 1987. Quelle: Rolf Walter/Robert-Havemann-Gesellschaft/RHG_Fo_RDA_02124.

Mehr Informationen

  • Produktion: 09.1987

  • Spieldauer: 6 Min.

  • hrsg. von: Radio Glasnost