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DDR-Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsgruppen

DDR-Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsgruppen Abschrift

Januar 1985, Brief von der unabhängigen Friedensbewegung der DDR zum Jahr der Jugend

Januar 1985

Brief zum Jahr der Jugend


An die Regierung der
Deutschen Demokratischen Republik
über: E. Honecker
1020 Berlin
Marx-Engels-Platz

Das Jahr 1985 wurde von der UNO zum Jahr der Jugend erklärt. Dies gibt uns Anlaß, unsere Mitverantwortung bei der Gestaltung der Jugendpolitik in der DDR zu überdenken und veranlaßt uns, diesen Brief an die Regierung der DDR zu richten. Wir möchten damit unsere Meinung zu einigen Entscheidungen und Praktiken der Regierung darlegen und auf Veränderungsmöglichkeiten hinweisen, die nach unserer Meinung zur freien Entfaltung und Entwicklung der Jugend in der DDR unverzichtbar sind.

Jeder Jugendliche muß ungeachtet seiner sozialen Herkunft und seiner weltanschaulichen und politischen Ansichten, gleiche Rechte erhalten. Für eine Jugendpolitik nach unserem Verständnis ist die volle Durchsetzung einiger in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgelegten Grundrechte besonders von Bedeutung. Wir möchten hier nicht näher auf das dabei in der DDR Erreichte eingehen, was nicht heißt, daß wir dieses gering schätzen oder übersehen wollen. Es geht uns darum, was in dieser Richtung in der DDR noch getan werden muß.
Folgendes muß, um die volle Entwicklung und Entfaltung der Jugend zu ermöglichen, unbedingt durchgesetzt werden:

Recht auf allseitige Bildung
freier Zugang zu Informationen und geistig-kulturellen Gütern
Versammlungsfreiheit
Reisefreiheit
freie Wahl des Wohnsitzes
Entmilitarisierung des öffentlichen Lebens

Sieben Vorschläge zur Veränderung der Jugendpolitik in der DDR

1.
Anstelle des sozialen Bildungsprivilegs darf kein politisches Bildungsprivileg gesetzt werden.
Niemand darf wegen seiner politischen Anschauung, wegen Nichtmitgliedschaft in bestimmten Organisationen (FDJ, GST usw.) benachteiligt werden.
Ebenfalls darf niemand wegen politischen Wohlverhaltens (Ableistung eines längeren Wehrdienstes, Bewerbung für militärische Berufe, Übernahme bestimmter Funktionen usw.) bevorzugt werden.

2.
Die öffentlichen Bildungseinrichtungen müssen entmilitarisiert werden, das bedeutet die obligatorische vormilitärische Ausbildung an Schulen, Berufsschulen, Hoch- und Fachschulen und Universitäten, soweit diese nicht Ausbildungseinrichtungen der NVA sind, muß abgeschafft werden.

3.
Der staatliche Zwang zum Armeedienst muß schrittweise abgebaut werden, bis hin zu einer Abschaffung der Wehrpflicht. Ein wichtiger zur Zeit auch realisierbarer Schritt wäre die Schaffung eines zivilen Ersatzdienstes.

4.
Jeder Jugendliche muß seine Meinung frei und öffentlich äußern und zur Diskussion stellen können, ohne Nachteile für seine weitere Ausbildung oder berufliche Entwicklung oder strafrechtliche Verfolgung befürchten zu müssen

5.
Die Möglichkeit zu allseitiger geistig-kultureller Bildung erfordert freien Zugang zu Informationen sowie die freie Entfaltung von Kultur und Kunst. Das bedeutet, daß die Aufhebung aller Zensur- und zensurähnlichen Bestimmungen und Praktiken notwendig ist. Möglichkeiten für eigene, unzensierte Publikationen müssen geschaffen werden.

6.
Für einen umfassenden Austausch von Meinungen und Informationen ist das Treffen sowie Versammeln junger Menschen eine Grundvoraussetzung. Daher muß die Versammlungsfreiheit ohne Kontrolle oder Rechenschaftslegung garantiert werden.

7.
Die unnötigen Einschränkungen im Reiseverkehr sehen wir als einen Grund für die Resignation von vielen Jugendlichen. Daher ist es von besonderer Wichtigkeit und eine Grundvoraussetzung für die freie Entfaltung und Entwicklung der Jugend, diese Reiseeinschränkungen, auch ins nichtsozialistische Ausland, zu lockern und auch Jugendlichen diese Reisemöglichkeiten zu garantieren.

Erstunterzeichner: Brief zum Jahr der Jugend

Ralf Hirsch, 1035 Berlin, Frankfurter Allee 55; Peter Grimm, 1162 Berlin, Bölschestraße 11; Wolfgang Troschke, 1120 Berlin, Lichtenberger Str. 16; Peter Rölle, 1136 Berlin, Lincolnstraße 82, Reiner Dietrich, 1034 Berlin, R.-Sorge-Str. 73 a; Lutz Nagorski, R.-Sorge-Str. 66; Kai Rilke, 1034 Berlin, Warschauer Str. 25; Andreas Passarge, 1136 Berlin, Kreatkestraße 22; Almuth Kändler, Friedhofsweg 1, 2553 Graal/Müritz; Susanne Lindner, 1451 Großmutz; Gransee; Susanne Jäger, 7971 Tröbnitz, Hauptstraße 18, Ulrike Konstien, 2401 Groß Tessin, Kreis Wismar; Boris Schulze, 7961 Lidekehle, Kreis Luckau; Rüdiger Stanke, 1034 Berlin, Ebertystr. 51; Uwe Kulich [Kulisch], 1034 Berlin, Mühsamstraße 63, Andreas Wiedergesaß, 1058 Berlin, Dunckerstr. 21, Gerold Hildebrand, 1055 Berlin, Metzerstr. 23; Katrin Nollnagel [Nothnagel], 1058 Berlin, Dimitroffstraße 44; Dagmar Bechmann, 1058 Berlin, Dunckerstr. 21; Gudrun Vinzing, 1035 Berlin, Gärtnerstraße 2; Detlef Tanneberger, 1199 Berlin, Wassermannstr. 57; Christian Halbrock, 1058 Berlin, Dunckerstr. 21; Carla Strauch, 1058 Berlin, Stargarder Str. 18, Matthias Pinck, 1058 Berlin, Stargarder Str. 18; Heike Kulich [Kulisch], 1034 Berlin, Mühsamstraße 63; Herbert Mißlitz, 1034 Berlin, Boxhagener Str. 17
1985 wird von der UNO zum Jahr der Jugend erklärt. Und so schreibt die Friedensbewegung der DDR im Januar 1985 einen Brief an die Regierung der DDR. Darin unterbreitet sie Erich Honecker sieben Vorschläge zur Veränderung der Jugendpolitik. Zu den Erstunterzeichnern des Briefs gehören Ralf Hirsch und Peter Grimm, die 1986 die Initiative Frieden und Menschenrechte mitgründen. (© Robert-Havemann-Gesellschaft, Seite 1 von 2, RHG_Fak_0103 )