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DDR-Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsgruppen

DDR-Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsgruppen Abschrift

Westliche Panikmache soll von Friedensinitiativen ablenken

Keine Gefährdung für Menschen und Umwelt in der DDR, UdSSR sorgt intensiv für hohe Sicherheit des Reaktortyps, Anlage dient ausschließlich zur Energieerzeugung, Kernkraftwerke in unserer Republik arbeiten mit anderen Reaktortypen, Rauschdiagnostik-System sichert weitgehende Sicherheit, Eigentliches Problem ist Gefährdung durch Atomwaffen

Berlin. (ADN)
Führende DDR-Experten für Nukleartechnologie und für Strahlenschutz haben am Mittwochabend in der Aktuellen Kamera und in einer anschließenden Sondersendung des Fernsehens der DDR ausführlich zur Kernkraftwerkshavarie von Tschernobyl und damit zusammenhängenden Fragen Stellung genommen. Die Professoren Dr. Günter Flach, Direktor des Zentralinstituts für Kernforschung Rossendorf bei Dresden, und Dr. Karl Lanius, Direktor des Akademieinstituts für Hochenergiephysik Zeuthen bei Berlin, sowie Dr. Wolfgang Krüger vom Staatlichen Amt für Atomsicherheit und Strahlenschutz betonten auf entsprechende Fragen übereinstimmend, daß es in keiner Phase der Entwicklungen nach der Havarie eine Gefährdung für Menschen und Umwelt in der DDR gegeben hat.

Erhöhte Radioaktivität erreichte nie Grenzwerte

Auf die Frage, ob die in Tschernobyl ausgetretene Radioaktivität irgendwelche Konsequenzen für die DDR und ihre Bevölkerung habe und ob es überhaupt eine Gefährdung der DDR gebe, sagte Prof. Lanius: Ich würde sehr klar mit Nein antworten. Nach den Meßwerten, die durch unsere entsprechenden Behörden ermittelt wurden, sieht es so aus, daß in keiner Phase die erhöhte Radioaktivität in irgendeiner Form die Grenzwerte erreichte. Der momentane Stand ist, daß dies bereits im Abklingen ist.
Auf eine ergänzende Frage, ob es also ein Risiko gebe, fügte der Wissenschaftler hinzu: Es gibt weder ein Risiko für die Menschen noch für die Natur. Und ich würde diese Meldungen, die da hochgespielt werden, daß das sozusagen die Menschen gefährdet und daß man sich in Räumen aufhalten soll, in erster Linie unter dem Motto der Panikmache sehen. Eine reale Gefährdung ist nicht vorhanden.
Prof. Flach führte aus, zur endgültigen Bewertung des Vorfalls in Tschernobyl müsse man die genaueren Untersuchungen abwarten. Klar sei allerdings, daß große komplexe technische Systeme gewissen Störungen unterliegen könnten, wie dies auch frühere Havarien in Atomkraftwerken westlicher Länder zeigten. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei jedoch sehr gering. Nach allen vorliegenden Informationen hätten sich die sowjetischen Kollegen intensiv und mit sehr großer Akribie mit Fragen der Sicherheit des Reaktortyps des Tschernobyler Kraftwerkes auseinandergesetzt. 12 Jahre Betrieb der Reaktoren bewiesen, daß dieser Typ im Prinzip sicher ist. Insofern muß ich absolutes Unverständnis äußern, sagte Prof. Flach, wie man die technische Situation, die eingetreten ist, zu einer derartigen Kampagne nutzen kann, um die friedliche Nutzung der Kernenergie in der UdSSR zu verteufeln.
Der Reaktortyp von Tschernobyl arbeite mit Brennelementen mit leicht angereichertem Uran, die sich in einem Graphitblock befinden und zur Kühlung und Abführung der Wärmeenergie in entsprechenden Kanälen von Wasser umflossen werden. Wie Prof. Lanius erläuterte, wurde dieser Typ Anfang der siebziger Jahre erstmalig zur Energieerzeugung in Betrieb genommen und hat seither nicht nur in Tschernobyl, sondern auch in anderen Kernkraftwerken erfolgreich gearbeitet. Das ist in dieser Betriebsart ein Reaktor, betonte der Wissenschaftler, der nur zur Energieerzeugung dient. Es gäbe ja alle möglichen Spekulationen, die über den Äther gehen, daß es sich um eine Anlage zur Plutoniumgewinnung für militärische Zwecke handle. Das sei einfach falsch. Die Anlage diene ausschließlich zur Energieerzeugung.

Einhaltung der Vorschriften wird ständig kontrolliert

In der DDR wird, so erklärte Dr. Krüger, ein ganz anderer Reaktortyp eingesetzt als in Tschernobyl. Durch das Staatliche Amt für Atomsicherheit und Strahlenschutz werde dabei die Einhaltung der in der DDR geltenden strengen Sicherheitsvorschriften ständig kontrolliert und strikt durchgesetzt. Prof. Flach erläuterte, es handle sich dabei um Druckwasserreaktoren. Auch diese werden in der Sowjetunion produziert und liefern seit mehr als zehn Jahren Strom ins Netz.
Beim Druckwasserreaktor befänden sich die Wärme freisetzenden Elemente in einer kompakten aktiven Zone in einem großen Druckbehälter. Zur Abbremsung der bei der Spaltung entstehenden Neutronen werde Wasser und nicht Graphit benutzt. Die Wärme werde ebenfalls mit Wasser abgeführt. Wichtig vom Gesichtspunkt der Sicherheit sei also, daß bei diesem Typ die aktive Zone in einem Druckkessel eingeschlossen sei. Nachgeordnete Systeme sorgten dafür, daß bei jedem Abweichen vom Normalzustand entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. Damit würde verhindert, daß die Brennelemente nicht genügend gekühlt werden.
Selbstverständlich seien sie sich mit ihren sowjetischen Kollegen völlig einig darüber, so erklärten die DDR-Experten, daß die Reaktorsicherheit ständig weiterentwickelt werde. Man lernt und erkennt im Laufe der Betriebserfahrungen immer wieder neue Aspekte, sagte Prof. Flach, die zu berücksichtigen sind. Vor allem aber geht es sowohl der Sowjetunion als auch uns eben darum, zusätzliche Sicherheit durch neue Systeme in die schon vorhandenen einzubauen. Dazu gehöre die Reaktordiagnostik, die Weiterentwicklung der Sicherheit durch Früherkennung.
Wie Prof. Lanius erläuterte, sei das vergleichbar mit der ärztlichen Untersuchung durch Abhorchen. Man bringe sozusagen Diagnosesysteme in den Reaktor hinein, die gewissermaßen an der Art des Rauschens feststellen, ob es sich um ein normales Geräusch handelt oder unter Umständen irgendein "krankhafter" Ton auftritt. Im Rossendorfer Zentralinstitut für Kernforschung sei ein sogenanntes Rauschdiagnostik-System entwickelt worden, das nicht nur erfolgreich erprobt wurde, sondern bereits im Einsatz ist. Die Sowjetunion orientiere darauf, in neu installierte Reaktoren dieses System einzubauen. Der Wissenschaftler bekräftigte: Reaktorsicherheit ist für die Sowjetunion und für uns eine der zentralen Fragen überhaupt.
Wir sind gemeinsam mit unseren Kernkraftwerksbetreibern und auch den
-errichtern bemüht, immer wieder moderne Verfahren und Methoden der Wissenschaft in die Reaktoren hineinzubauen, hob auch Prof. Flach hervor. Und ich kann hier im vollen Bewußtsein auch der Ergebnisse sagen, daß wir mit diesem System der Diagnostik in unsere Kernkraftwerke eine zusätzliche, eine weitergehende Sicherheit eingebracht haben. Wir werden unsere Arbeiten auf diesem Wege in der Zukunft fortsetzen.

Starke Elemente einer Verteufelung der UdSSR

Auf eine Frage nach der Zielrichtung der westlichen Medienkampagne zu Tschernobyl sagte Prof. Lanius, was im Moment passiere, müsse man nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt sehen, daß es die Menschen ablenken soll von den Vorschlägen der Sowjetunion zur Abrüstung. Wenn man dazu gebracht werde, sich zum Beispiel den Kopf darüber zu zerbrechen, ob eine Gefährdung durch radioaktiven Niederschlag, der mit dem Ostwind die DDR oder Westeuropa erreiche, eine ernsthafte Bedrohung darstelle, dann denke man eben nicht über die Problematik der Abrüstung nach. Das heißt also, man solle bitte nicht vergessen, daß offenbar hier sehr starke Elemente einer Verteufelung der Sowjetunion und einer Ablenkung von den doch so enorm wichtigen Friedensinitiativen zu sehen sind, äußerte Prof. Lanius.
Er unterstrich die Notwendigkeit, verstärkt gegen die Gefährdung der Menschheit durch Kernwaffen zu wirken. In diesem Zusammenhang ging er auf die Tagung der gemeinsamen Arbeitsgruppe der SED und SPD zur Schaffung einer von Gefechtsfeldwaffen freien Zone in Mitteleuropa am Dienstag in Berlin ein. Ich bin Mitglied dieser Arbeitsgruppe, sagte er. Wir haben Fortschritte in einer vertieften Diskussion erzielt, und ich glaube, die von uns behandelten Dinge sind das eigentliche zentrale Gefährdungsproblem.
„Westliche Panikmache“: Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl spielt die parteiamtliche Presse die Gefahren herunter. Hier ein Beispiel aus der FDJ-Zeitung. (© Junge Welt vom 2. Mai 1986)