Unserem Freund Matthias Domaschk
Unvergessen
Peter Rösch
1 Berlin 10
Franklinstr. 16
BERLIN 1005 30. 4. 82-13 ct
25 DEUTSCHE DEMOKRATISCHE REPUBLIK
"... und im Mai,
da blüht der Flieder..."
Roland Jahn schickt am 30. April 1983 eine Postkarte von Ost- nach West-Berlin. Der Adressat ist der ausgebürgerte Ex-Jenenser Peter Rösch. Roland Jahn, der wenig später, im Juni 1983, gewaltsam in den Westen abgeschoben wird, schreibt nur zwei Zeilen: „... und im Mai, da blüht der Flieder“. Die Botschaft ist klar: Matthias Domaschk liebte weißen Flieder. Es grenzt an ein Wunder, dass diese Karte die Zensur überhaupt passiert und von der DDR-Post befördert wird. Sie ist ein Protest gegen das staatliche Verschweigen der Vorgänge in der Geraer Untersuchungshaftanstalt, in deren Verlauf Matthias Domaschk ums Leben kam. Die Textzeilen auf der Karte stammen aus dem Refrain des Liedes „Matz“, das Peter Kähler geschrieben hat. (© Robert-Havemann-Gesellschaft / RHG_Fo_HAB_11856)