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Jugend in Jena

Jugend in Jena Abschrift

Eröffnungsbericht der Kreisdienststelle Jena zum Operativen Vorgang (OV) „Pegasus“

Jena, den 27.01.1975

Kreisdienststelle Jena
Referat PiD/RV

Schm/Wü

E r ö f f n u n g s b e r i c h t

zum op. Vorgang „Pegasus“, Reg.-Nr. ......................./75

1. Es ist vorgesehen, im op. Vorgang „Pegasus“ die Personen:

- Fuchs, Jürgen
geb. am 19.12.1950 in Reichenbach
wh.: Jena, Landgrafenstieg 08
Student FSU Jena

- Rathenow
geb. am .... in Jena
wh.: Jena, Brandströmstraße

- Graf-Hinkeldey, Wolfgang
geb. am 16.10.1952 in Jena
wh.: Jena, Katharinenstraße 18
Hausmeister Ausstellungspavillon Neulobeda

- Hinkeldey, Martin
geb. am 14.08.1954 in Jena
wh.: Jena-Löbstedt, Weidenweg 06
Forstarbeiter, StFB Jena

- Markowsky
geb. am .... in Greifswald
wh.: Jena, Katharinenstraße
Assistent, Uni-Klinik Jena

operativ zu bearbeiten.

2. Bekanntwerden und Begründung der Bearbeitungsrichtung

Die o.g. Personen wurden im Prozeß der op. Durchdringung des Lyrikzirkels im Kulturhaus Neulobeda bekannt. Sie bilden den Führungskern dieses Zirkels und es besteht der Verdacht, daß sie strafrechtlich relevante Handlungen im Sinne des § 106 Abs. 1 Ziff. 1 und 3 des StGB und des § 146 Abs. 1 und 3 begehen.

Durch inoffizielle Berichte und Einschätzungen wurde bekannt, daß dieser Führungskern Verbindungen zu negativen Personen, wie BIERMANN, KUNZE u.a. besitzen, deren Gedankengut sie im Zirkel sowie in internem Kreis verbreiten und selbst auf dieser Linie sich bewegende Lyrik-Arbeiten verfassen.

3. Zur op. Situation

Im Kulturhaus Neulobeda existiert seit längerer Zeit ein Arbeitskreis Literatur und Lyrik, dem offiziell 21 Mitglieder angehören und dessen Leiter der (Name geschwärzt) ist. Als „geistiger Vater“ muß jedoch der FUCHS, Jürgen angesehen werden. F. ist nicht Mitglied des Zirkels.
Die Mitglieder des Arbeitskreises treffen sich wöchentlich an jedem Dienstag, 19.30 Uhr, zu Arbeitsberatungen.
Es konnte jedoch festgestellt werden, daß immer nur ein bestimmter Teil des Arbeitskreises regelmäßig teilnimmt, zu denen außer FUCHS die o.g. Personen gehören. Diese Abende dienen der Auswertung und Korrektur eigener Werke, auch der, die nie veröffentlicht werden können und dürfen (nach - Name geschwärzt – sind das die besten Werke eines jeden) sowie der Diskussionen von Veröffentlichungen in der literarischen Fachpresse.

So berichtete der IMS „Regina“ über die Besprechung eines Artikels aus einer Schweizer Literaturzeitschrift, der sich mit einem angenommenen militärischen Überfall der DDR auf die BRD befaßt (das Material stammt von Name geschwärzt).

Zur weiteren Charakterisierung der ideologischen Situation im Arbeitskreis berichtete der IMS „Werner Tietz“ anläßlich des Poetenseminars im April 1974 in Greiz, „es zeigte sich im Verlaufe der Diskussionen, daß nahezu alle jungen Poeten unter der Vorbildwirkung von Rainer KUNZE, Volker BRAUN, Günter KUNERT, aber auch unbekannter Autoren stehen ...“ Weiter schätzt „Tietz“ ein, daß durch die sich sehr widersprüchlich verhaltenden Jenaer, voran FUCHS, die Möglichkeit zum Abgleiten in klassengegnerische Denkweisen besteht.

FUCHS wurde bisher im Operativ-Vorgang (Name geschwärzt) bearbeitet. Er wurde aus diesem Vorgang herausgelöst, da er nicht zur dort bearbeiteten Gruppierung gehört.
Im Prozeß der op. Bearbeitung wurde bekannt, daß FUCHS im Jahre 1974 durch direkten Kontakt zu BIERMANN in den Besitz eines Tonbandes mit Liedern und Texten von B. gelangte. Im internen Kreis wurde dieses Band vorgespielt und damit der Inhalt einem F. nahestehenden Personenkreis zugänglich gemacht. Auf diesem Band werden in Liedern und Gedichten Persönlichkeiten von Partei und Regierung, u.a. die Genossen H. SINDERMANN und P. VERNER (siehe Anlage) schlechtgemacht und angegriffen.

Im Ergebnis der polit.-ideologischen Wirkungsweise von FUCHS, MARKOWSKI u.a. im Arbeitskreis, kam es dazu, daß (Name geschwärzt, Mitglied des Arbeitskreises) zum Zentralen Poetenseminar der FDJ in Schwerin 1974 zweimal provokatorisch auftrat und u.a. Biermann-Gedichte vortrug („Friedensclown“).
Eröffnungsbericht der Kreisdienststelle Jena zum Operativen Vorgang „Pegasus“, in dem das MfS die Akteure des Literaturzirkels (Jürgen Fuchs, Lutz Rathenow, Wolfgang und Martin Hinkeldey und Bernd Markowsky) bearbeitet (27. Januar 1975). Der SED ist das Maß an Selbstorganisation ein Dorn im Auge. Im Frühjahr 1975 verbietet sie die Arbeit des Zirkels im Kulturhaus. (© BStU, MfS, Ast. Gera, KD Jena 740/77, Seite 1 von 2)