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Ungarische Forderungen in Ost-Berlin

Ungarische Forderungen in Ost-Berlin Abschrift

Bericht des MfS über die landesweiten Proteste gegen das SED-Regime im Zusammenhang mit den Ereignissen in Polen und Ungarn.


Abteilung Information Berlin, den 1.2.1957
Gefertigt: ... Exemplare
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I n f o r m a t i o n

Nr. 25/57

Betr.: Feindtätigkeit J u l i – D e z e m b e r 1956

Die Feindtätigkeit gegen die Deutsche Demokratische Republik zeigte im Juli ein schwaches Ansteigen in Verbindung mit den Ereignissen in Poznan. Dies zeigte sich vor allem im Anschmieren von antisowjetischen Losungen.
Ein starkes Ansteigen ist vor allem in den Monaten Oktober und November 1956 gegenüber den Vormonaten festzustellen.
In den selbstgefertigten Hetzschriften und Losungen wurde zum Teil der Abzug der Sowjetarmee gefordert, zum Sturz der Regierung aufgerufen oder die Forderung nach Streiks und "Freien Wahlen" gestellt.
Dabei wurde oftmals Bezug auf die Ereignisse in Polen und Ungarn genommen.
Besonders traten die Bezirke Dresden, Leipzig, Halle, Potsdam und Magdeburg in Erscheinung.
Die während dieser Zeit eingeschleusten Hetzschriften durch die Feindzentralen beschäftigen sich neben dem XX. Parteitag der KPdSU vorwiegend mit den Ereignissen in Polen und Ungarn. Darin wurden Forderungen nach "Abzug der Besatzungstruppen", "Freiheit", "Ablösung von Stalinisten", "Freien Wahlen", "Auflösung von LPG und MTS" gestellt.

Diese Losungen – vorwiegend "Abzug der Besatzungstruppen", "Ablösung von Stalinisten", und "Freien Wahlen" – wurden auch in den festgestellten Schmierereien zum Ausdruck gebracht.

Im Kreis Meißen ist besonders der Ort Miltitz/Meißen zu erwähnen.
Hier wurden folgende selbstgef. Hetzschriften gefunden:

27.10. an der Hauptstraße von Münzig nach Miltitz,
14.11. 7 selbstgef. Hetzschriften: "Wir fordern freie Wahlen und keine Heuchelei – Schluss mit dem sowj. Regime."
29.10. 2 selbstgef. Hetzschriften in Miltitz: "An alle aufrechten Deutschen - Iwan go home".
31.10. an der Anschlagtafel (Baustelle Zentralschule Miltitz)
"Seht euch die Polen und Ungarn an, die haben erkannt, worum es geht – Dreht die Gewehre um."
10.8. im Plattenwerk Meißen 2 Hetzschriften der SPD,
28.10. an einem Telefonmast und an der Jutespinnerei Meißen je 1 selbstgef. Hetzzettel. Inhalt: Gegen die Sowjet-Armee – "Der Tag der Freiheit ist nicht mehr fern."

Am 30.10. 3 selbstgef. Hetzschriften in der Berufsschule Metall Leipzig W 33.
"Ungarn ruft die Zone – Raus mit dem Iwan – schlagt los für Einheit, Freiheit und Recht."
Am 4.11. wurden in Postämtern in Leipzig 61 mit Druckkasten gefertigte Hetzzettel festgestellt, die an Postämter und Sparkassen in der DDR gerichtet waren.
Inhalt: Hetze gegen die Regierung und Aufruf zum Streik.
Weitere 25 gleiche Hetzschriften wurden in Leipzig C 1, Neumarkt und Umgebung gefunden.
Am 5.11. auf dem Hauptbahnhof Leipzig 12 selbstgefertigte Hetzzettel für die Konterrevolution in Ungarn.
Am gleichen Tag in mehreren Briefkästen in Leipzig C 17 36 selbstgefertigte Hetzschriften mit Hetze gegen Otto Grotewohl und Walter Ulbricht.
Am 5.11. am Portal der Universität Leipzig: "SOS – helft" und "Helft Ungarn".


Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie)
Betrifft: Feindtätigkeit. Bericht des MfS über die landesweiten Proteste gegen das SED-Regime. Der Stasi passt es nicht, dass sich viele Menschen in der DDR mit den Polen und Ungarn solidarisch zeigen. (© Bundesarchiv / Stasi-Unterlagen-Archiv, MfS, ZAIG 13, Seite 2 von 3 )