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Hermann Joseph Flade

Hermann Joseph Flade Abschrift

Bericht über den Druck der Staatssicherheit auf die Familie von Hermann Joseph Flade.

Hermann Josef Flades Eltern klagen an
SSD wollte den Vater zu Spitzeldiensten pressen – "Nehmt den Bann des Schweigens von der Zone"

Berlin (NZ). –
"Der Versuch des ostzonalen Staatssicherheitsdienstes, den Vater des zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilten Oberschülers Hermann Josef Flade zu Spitzeldiensten zu verpflichten, ist ein neuer Beweis für das unmenschliche System in der Sowjetzone."
Dies erklärte der politische Leiter der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit, Ernst Tillich, in einer Pressekonferenz, in der die nach Westberlin geflüchteten Eltern Flades über ihre Erlebnisse berichten. Der Dienststellenleiter des SSD in Marienberg (Sachsen), Führer, hatte den 41jährigen Rudolf Erich Flade unter Androhung schwerer Zuchthausstrafen im Falle der Weigerung gezwungen, eine Verpflichtung zur Leistung von Spitzeldiensten zu unterschreiben. Flade ging auf die Forderung zum Schein ein, um Zeit zur Vorbereitung der Flucht nach Berlin zu gewinnen.

Über den Verbleib seines Sohnes hat das Ehepaar Flade seit seiner Verurteilung keine Nachricht. Auch eine Anfrage der Eltern über die Möglichkeit, dem Verurteilten Lebensmittelpakete zu senden, blieb unbeantwortet. Hermann Josef Flade hatte, wie sein Vater berichtete, bereits in der Zeit zwischen seiner Verhaftung am 16.10.1950 und dem ersten Verhandlungstage am 10.1.1951 20 Pfund Gewicht verloren. Auch die Eltern Flades waren nach der Verhaftung ihres Sohnes für sechs Wochen im Strafgefängnis Marienberg inhaftiert worden. Bei seiner Entlassung mußte sich Flades Vater verpflichten, "in Zukunft nichts gegen die Sowjetunion und die DDR zu unternehmen".
"Wenn sich der Westen nicht gegen das unmenschliche Todesurteil aufgelehnt hätte, wäre eine Revision dieses Urteils auf 15 Jahre Zuchthaus niemals erreicht worden", sagte die Mutter Flades. Die Beauftragten des SSD hätten ihr beim Verhör vorgehalten, ihr Sohn sei durch das Abhören des RIAS zu seiner Tat veranlasst worden. "Auch ohne das Hören eines freiheitlichen Rundfunksenders merkt man es in der Ostzone, dass man nicht mehr in Deutschland ist", erklärte Therese Flade gestern. Nach ihrer Ankunft in Westberlin richtete sie einen Brief an Führer, in dem sie ihn und den SSD des Verbrechens gegen die Menschlichkeit beschuldigt. "Vielen Menschen haben Sie die Freiheit geraubt, nur weil sie ihrem Herzen Luft gemacht haben, weil Bürger des Staates gesagt haben, was der Staat falsch macht", heißt es in dem Schreiben. "Nehmt den Bann des Schweigens, der auf der ganzen Ostzone liegt! Euer Sicherheitsdienst hat sich dann von selbst erübrigt."


Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft (BStU-Kopie)
Bericht über den Druck der Staatssicherheit auf die Familie von Hermann Joseph Flade, 29. März 1957. (© BStU, MfS, ZA/AS 41/57 )