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Die Junge Gemeinde

Die Junge Gemeinde Abschrift

Bei der Überprüfung von 153 Oberschulen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) im Frühjahr 1949 fallen die Aktivitäten der Jungen Gemeinde an der Werdauer Oberschule besonders auf.

Anlage 3

Auszug aus dem Bericht der Oberschule Werdau

Betr.: Junge Gemeinde

Die Tätigkeit der "Jungen Gemeinde" kann von den Lehrern der Oberschule in ihren Auswirkungen im Unterricht beobachtet werden. Vor allem ist im Geschichtsunterricht festzustellen, dass bei Behandlung der Reformation Luthers, Kampf zwischen Kaiser und Papst usw. die Schüler die Schläge in einem Lichte sehen, das nur von der J. G. ausgehen kann. Die Beurteilung wird dort anscheinend im rein idealistischen Sinne vorgenommen, so dass ein Widerspruch entsteht zwischen den Lehrern der Schule und der Kirche. Aber auch in den naturwissenschaftlichen Fächern werden ähnliche Beobachtungen gemacht. Konkret wurde festgestellt, dass der Pfarrer Heidrich Meißner im Religionsunterricht (in der Schule) die Ansicht vertrat, der Mensch und alle Lebewesen seien bereits seit der Schöpfung in dem Zustande auf der Erde vorhanden, in dem wir sie heute antreffen. Danach sei die Lehre von der Entwicklung (Darwin) zu verwerfen. In den Aufsätzen des Deutschunterrichts tauchen Gedankengänge auf, die an die Zeit des Pietismus erinnern (Gott schuf eines der größten, rätselhaften Wunder auf Erden: das Wasser!!!). Ein Zug starker "Frömmigkeit" geht durch einen großen Teil der Schüler (nach Ansicht der Lehrer wahrscheinlich als Ausdruck eines gewissen Widerstrebens gegen die Verhältnisse in der Tagespolitik).

Genaue Auskünfte über die Tätigkeit der J. G. sind von den Schülern nicht zu erhalten – wahrscheinlich, weil sie irgendwelche "Unterdrückungs-maßnahmen" fürchten. Bei der Nachfrage nach der Teilnahme an der J. G. wird erklärt, dass alle Jugendlichen, die der Kirche angehören, Mitglieder der J. G. seien, so dass man nicht im einzelnen sagen könne, wer ihr angehöre. Sie sei auch keine besondere "Organisation" wer von den Kirchenmitgliedern hingehe, tue dies völlig freiwillig. Erst nach wiederholten Fragen, mit Hinweis auf eine gewisse Feigheit, melden sich einige Teilnehmer der regelmäßigen Veranstaltungen. Dabei handelt es sich dann meist um Schüler, die dem Sozialismus nicht ganz positiv gegenüberstehen.

Interessant ist es, dass auch Schüler, deren Eltern Mitglieder der SED sind, zur J. G. gehören. Die Betriebsgruppe der SED hat bereits deswegen in einer gemeinsamen Sitzung mit den SED-Eltern hierzu Stellung genommen. Ein Vater (SED) berichtet, dass er seinen Sohn nicht vom Besuch der J. G. abhalten könne. Ja, als diese für eine Zeit in seinem Wohnort Steinpleis keine Veranstaltungen mehr durchführte (er nahm an, sie sei verboten gewesen – auch er konnte nichts genaues erfahren), sei sein Sohn regelmäßig nach Fraureuth (Thüringen) gegangen, um dort die Abende der J. G. zu besuchen.

Die Zurückhaltung bei Nachfragen nach J. G., die "Vorsicht" und die Tatsache, dass man nichts erfahren kann, was auf die wirkliche Tätigkeit schließen läßt, mutet tatsächlich etwas konspirativ an und es erscheint dem Lehrer, als wachse im Augenblick der Nachfrage eine Mauer auf zwischen Lehrer und Schüler.

Die Kriminalpolizei hat sich bereits vor einigen Monaten bei der Betr.-Gruppe der SED nach der J. G. erkundigt, da auch sie über keine aufschlußreichen Quellen verfüge.

Die Lehrerschaft vermutet, dass der Zulauf zur J. G. deswegen so groß und rege ist, weil sie angeblich "unpolitisch" arbeite, während in der FDJ eine konsequent demokratische und politische Linie eingehalten wird. Erst nachdem die FDJ-Schulgruppe ebenfalls größeren Wert auf eine gewisse "unpolitische" Arbeit legte, wurde die Teilnahme an den Veranstaltungen der FDJ reger.


Quelle: Privat-Archiv Achim Beyer
Luther gegen Darwin: Bei der Überprüfung von 153 Oberschulen in der SBZ fallen die Mitglieder der Jungen Gemeinde an der Werdauer Oberschule besonders auf. Ihr Glauben äußert sich in Diskussionsbeiträgen und Schulaufsätzen. Doch die SED will keinen göttlichen Schöpfer akzeptieren: „Ein Zug starker Frömmigkeit geht durch einen Großteil der Schüler […].“ (© Privat-Archiv Achim Beyer )