Ich bin dann am 11. September verhaftet worden und dann war es auch klar, dass es endgültig ist und dass ich nicht mehr rauskomme. Also dann ist mir auch sehr schnell vom Haftrichter der Haftbefehl gezeigt worden. Ich wurde vom Haftrichter vorgeführt und ich wusste: „Okay, das ganze Prozedere ist ein anderes. Jetzt war klar, dass ich hier nicht mehr nach 24 Stunden rauskomme.“ In der Gefängniszeit wurde ich ja praktisch auf das Verfahren gegen mich vorbereitet, mit Vernehmungen jeden Tag. Und als die Interner Link: Staatssicherheit sich klar darüber wurde, dass ich keine Aussage machen werde und nicht mit ihnen zusammenarbeiten werde, wollten sie irgendwie noch ihre Boxen ticken und haben dann diese nötigen Aussagen, die sie gegen mich als Beweis brauchten, von Leuten bekommen, die mich gar nicht kannten. Um hier ein Beispiel zu geben: Die haben eine junge Frau bei einem Friedensgebet verhaftet, von der sie wussten, dass sie im Gemenge ihre 4-jährige Tochter gerade verloren hat. Und dann haben sie die junge Frau mitgenommen und haben ihr dann in der Haft gesagt: „Also, wenn du hier diese Aussage gegen diese Frau machst und das alles bestätigst, dass das stimmt hier und dass du das gesehen hast und dass du das weißt, dann kommst du früher raus.“ Die Frau kannte mich gar nicht, aber die hat das alles unterschrieben. Klar, weil sie natürlich zu ihrem Kind nach Hause wollte und die Staatssicherheit ihr irgendwas erzählt hat, dass sie das Kind haben, was sie nicht hatten. Das Kind war bei einer Freundin. Nur um ein Beispiel zu geben. Die Frau hat dann natürlich jede Aussage unterschrieben. Blöd war nur, sie ist dann danach nicht rausgekommen, weil sie wurde ja mit dabehalten, damit sie im Prozess, der kommen sollte, gegen mich aussagen soll. Ich habe selbst, wie gesagt, in dieser Zeit keine Aussagen gemacht. Ich habe einfach nicht mit denen zusammengearbeitet. Ich konnte auch wenig von außen erfahren oder praktisch gar nichts. Sodass das für mich eine Zeit des Wartens war war, wo ich nicht wusste, was kommt oder wie eine Sache ausgehen würde. Am Tag der Entlassung wusste ich nicht, dass ich entlassen werde. Ich habe mir das gar nicht vorstellen können, als die mir meine Sachen gegeben haben und ich sollte die wieder anziehen, da habe ich gedacht: „Okay, was passiert jetzt? Jetzt machen die irgendwo einen Witz und lassen dich wieder bis zur Straßenbahn gehen und dann kassieren die dich wieder ein.“ Also so, wie sie es hundertmal schon mal gemacht haben. Und deswegen habe ich nicht so eine unheimliche Energie entwickelt. Und ich erinnere mich noch, dass mein Vernehmer irgendwann gesagt hat: „Oh, Hattenhauer, ich werde Sie nie verstehen. Raus jetzt hier!“ Und ich habe mich irgendwie noch mal umgedreht und habe gesagt: „Auf Wiedersehen!“ Also für mich war diese Situation so merkwürdig, dass ich dachte, was will er jetzt eigentlich? Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, dass die mich rauslassen.