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Katrin Hattenhauer - Montagsdemonstration am 4. September 1989

Katrin Hattenhauer - Montagsdemonstration am 4. September 1989

Der 4. September 1989 ist der erste Montag nach der Sommerpause der Friedensgebete, nach der riesigen Fluchtwelle und auch ein Messemontag. Katrin Hattenauer weiß: Diesen Tag müssen wir nutzen.

Inhalt

Das war die Vorbereitung auf den 4. September, wo ich gesagt habe, dass ich sehr stark überzeugt war, dass jetzt dieser Montag – der erste Montag nach der Sommerpause der Friedensgebete und besonders der erste Montag nach dieser riesigen Fluchtwelle und auch der Montag der eben ein Messemontag war – da war klar: Es gibt nur an diesem Montag internationale Presse in Leipzig, wo es überhaupt nur die Chance geben kann, dass jemand dieses Bildmaterial aufzeichnet oder überhaupt nur davon erfährt, dass da in der Interner Link: Nikolaikirche etwas passiert ist. Mir war klar, dass wir diesen Tag nutzen müssen, weil es ihn so eben nur einmal gibt und wir auch Position beziehen müssen zu all den Leuten, die dann ins Friedensgebet kommen und denen sagen müssen: „Okay, warum sind wir eigentlich noch da und was machen wir jetzt damit? Oder wollen wir jetzt alle die DDR verlassen?“ Da ist es eben tatsächlich zum Bruch in unserer Gruppe gekommen. Ich habe schon gewusst, dass ich für den 4. September möglicherweise ins Gefängnis gehe. Es war mir jetzt nicht so, dass ich gedacht habe: „So, das kann ich jetzt mal da abfeiern und das wird schon gut gehen. Und dann geht es wie immer, dass ich dann danach nach einer Befragung nach Hause gehe.“ Mir war schon klar, dass das dann eine andere Sache ist, weil ich ja praktisch die Beweise mitliefere und dann eben nicht sagen kann: „Ich war nicht da, ich weiß nicht“, oder so. Das war die bewusste Entscheidung zu sagen, ich nutze diesen Moment und hoffentlich geht es gut. Hoffentlich reicht es, etwas anzustoßen, das dann nicht mehr zum Stillstand kommt. Und das hat ja zum Glück auch geklappt. Aber dass ich das bezahlen würde, das war mir eigentlich klar. Der 4. September ist ja dann aufgelöst worden und weil es eben auch der Tag war, wo Kameras da waren, sind wir an diesem Tag nicht verhaftet worden. Das wollte man vermeiden. Diese Art Bilder sollten eben nicht entstehen. Die Interner Link: Staatssicherheit hat ja auch noch versucht, das Bildmaterial, was da entstanden ist – diese wenigen Sekunden, wo der 4. September aufgenommen wurde und wo man das Transparent für ein offenes Land mit freien Menschen sieht, wo man uns sieht, wo man auch sieht, wie es uns weggerissen wird und wie brutal das abläuft – das hat die Interner Link: Stasi versucht zu verhindern, dass dieses Bildmaterial irgendwo rauskommt. Das ist aber außer Landes geschafft worden und war ja noch am selben Abend in den Nachrichten. Da war eine Schleuse aufgegangen. Mit diesem Tag hatten sich die Dinge verändert.

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  • Produktion: 2021

  • Spieldauer: 4 Min.

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