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Für mich war diese Zeit, wie du es nennst, des Gleisverlegens, eine sehr schwierige Zeit, da ich ja ein Jahr in dieser Zeit schwer erkrankt war. Und dass nicht ganz klar war, wie das für mich ausgehen würde - deshalb auch tatsächlich genau diese Bewerbungen. Man dachte dann zum Beispiel bei mir in der Schule, dass es jetzt weder sinnvoll sei, einen Platz an der Oberschule an mich abzugeben, noch irgendeinen wichtigen Ausbildungsplatz. Weil die Aussage der Ärzte damals war: „Wir können es nicht richtig einschätzen, aber so wie es jetzt aussieht, wird sie wahrscheinlich nicht 30 werden.“ Und da war die Aussage der Schule: „Hmm. Dann wäre es ja vielleicht gut, wenn die Katrin irgendeine Ausbildung bei den Behinderten macht. Töpfert ein bisschen, oder so.“ Dass man mir im Grunde keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten von all denen, die mich interessierten oder die ich gerne gemacht hätte, überhaupt nur in Aussicht gestellt hätte, sondern dass man eher so die Achseln gezuckt hat und gesagt hat: „Na ja, wir werden da schon irgend so ein Plätzchen für sie finden.“ Das war für mich unglaublich enttäuschend. Das war für mich vielleicht auch so der Abgesang, dass ich gedacht habe: „Okay, wenn ich euch das nicht wert bin oder ihr so in dieser Weise gar nicht in mich als jungen Menschen investieren wollt, dann erwartet von mir keine Loyalität mehr und keinen Gehorsam zu diesem System.“ Und ich glaube, das kann man als die Zeit betrachten, in der das bei mir vollkommen gebrochen ist und wo ich gesagt habe: „Okay, ich bin diesem Staat auch kein Gefolgsam mehr schuldig. Und ich kann sozusagen zeigen, ich lebe noch, und ihr werdet euch noch wundern, wie lebendig ich bin.“ Ich wäre gerne auf der Schule geblieben. Ich hätte mir gerne danach ein Studium ausgesucht. Und dass das für mich so nicht vorgesehen war, nicht erreichbar war, oder dass man für mich tatsächlich nicht mal irgendeinen schlechten Platz noch hatte, dass das war schon eine harte Erfahrung.
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Produktion: 2021
Spieldauer: 3 Min.
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