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Michael Heinisch-Kirch - Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin

Michael Heinisch-Kirch - Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin

An diesem Abend hat Michael Heinisch ein ganz normales Gruppentreffen mit seinen Skins und Hooligans. Auf dem Nachhauseweg hört er etwas im Autoradio und fährt dann spontan zur Bornholmer Straße.

Inhalt

Ich hatte den 9. November einen ganz normalen Gruppenabend mit meinen Punks, nee mit meinen Skins und Hooligans, die waren an dem Tag. Die waren immer nach Tagen getrennt, damit sie sich nicht streiten. Das hat auch gut funktioniert. Der Gruppenabend war irgendwie vorbei, 20:30 Uhr oder irgendwas und auf dem Nachhauseweg habe ich im Autoradio gehört, irgendwas ist an der Grenze komisch. Irgendwie sind da Menschen, das ist irgendwas komisch, da ist offen, da ist nicht offen, keine Ahnung. Da versammeln sich jedenfalls viele Menschen. Und ich bin dann spontan einfach zur Bornholmer Straße gefahren, weil ich dachte, die Nachrichten verstehe ich nicht, dann kann ich es mir doch selber angucken. Ich habe ja derzeit auch in der Nähe von der Bornholmer Straße gewohnt. Dort sah ich Menschen und habe am Anfang der Bornholmer Straße meinen Trabi abgestellt und bin da hingelaufen. Und da standen so 50 bis 100 Menschen ganz friedlich vor der Grenze. Die haben sich immer mal unterhalten mit den Grenzern. Die haben gesagt: "Wir wissen auch nicht", und die haben gesagt: "Aber wir wollen doch hier jetzt rüber und wir haben gehört, dass man jetzt rüber kann. Und der Schabowski hat gesagt..." und so. Alles ganz merkwürdig. Und dann ging an der Seite so ein kleiner Strom in so einen Verbau rein und dann habe ich mich da angestellt und dann ging man da rein und da war so eine Passstelle. Dann habe ich meinen Personalausweis, wie alle anderen auch, da hingehalten und dann machte der Grenzer da auf mein Passbild einen dicken Stempel drauf, sodass man das Passbild nicht mehr sehen konnte. Ich sagte: "Ey, was soll das? Jetzt weiß man gar nicht mehr, dass das mein Ausweis ist." Und da knurrte der eine: "Brauchste eh nicht mehr, du gehst ja in den Westen." Wollte ich gar nicht! Aber hinter mir drängelten Leute, die wollten auch. Dann bin ich da in den Westen geschubst worden, an der Bornholmer. Da war noch nix mit groß begrüßen, war einfach noch keiner da. Ich bin dann da am Ende auf so eine Wendeschleife. Da habe ich mich dann hingestellt und da hielt ein roter Ford Fiesta. Der hat gesagt: "Was ist hier los? Weil hier kommen jetzt immer Leute durch, das ist ja komisch." Ich habe gesagt: "Die Grenze ist auf, bin jetzt hier, ich bin aus der DDR, bin gerade hier rüber geschubst worden." Und er hat gesagt: "Das ist doch cool, willste mitfahren? Wo willst du hin?" Ich sage: "Keine Ahnung, ich kenn mich hier gar nicht aus. Was macht man denn, wenn man in West-Berlin ist?" Sagt der: "Na dann fährt man eigentlich auf den Ku'damm, da gibt es eine Diskothek." "Ja, denn fährst du mich zum Ku'damm, zur Diskothek. Dann bin ich da eingestiegen. Ich musste erleben, dass das Fahren im Ford Fiesta hinten auch nicht viel komfortabler ist als im Trabi. Habe ich vorher auch nicht gewusst. Das ist jetzt auch nicht so die Erleuchtung. Und er hat mich da an der Diskothek am Ku'damm abgesetzt. Dann bin ich da in die Diskothek, und da waren die Einlasser. Der hat mir gesagt, ich solle Eintritt bezahlen. Habe ich aber nicht. Ich habe kein Westgeld, ich habe nur DDR-Geld, weil die Grenze ist offen. Und der: "Was, die Grenze ist offen?" Dann müssen wir gleich Bescheid sagen. Da haben sie mich da reingezerrt zu dem Diskotheker da vorne. Und dann musste ich da sagen, das jetzt die Grenze auf ist und da jubelte auf einmal die ganze Diskothek. Irgendwie hatten sie es ja offenbar mitgekriegt und dann wurde ich da mit Essen versorgt und dann bin ich da in der Nacht über den Ku'damm gelaufen. Und bin früh um vier oder irgendwann einfach zurückgelaufen.

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  • Produktion: 2021

  • Spieldauer: 4 Min.

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