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Michael Heinisch-Kirch - Dokumentation der Kommunalwahlfälschung im Mai 1989

Michael Heinisch-Kirch - Dokumentation der Kommunalwahlfälschung im Mai 1989

Zur Kommunalwahl 1989 hat der Weißenseer Friedenskreis die Idee, die Auszählung der Wahllokale in diesem Viertel "mitzuzählen" und zu prüfen, ob die Zustimmung zur DDR wirklich so hoch ist.

Inhalt

Dann ging es ja sehr um die Frage mit dem Wahlbetrug. Da wusste man ja noch nicht, dass es Wahlbetrug werden würde. Sondern es ging einfach um die Beschäftigung mit den Kommunalwahlen in der DDR. Das war 1989. Wir haben uns damit beschäftigt im Friedenskreis und dann entstand sehr schnell die Idee. In Weißensee gibt es eine Anzahl Wahllokale. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele es waren, 20 oder 18 oder irgendwie so was. Und das ist ja nicht so schwer. Guck mal, wie viele Leute hier im Raum sind. Wenn zwei von uns jeweils in ein Wahllokal gehen, dann kann man auch einfach die Auszählung mitzählen. Dann legen wir das einfach mal zusammen und gucken mal nach, ob die Zustimmung zur DDR tatsächlich so hoch ist, wie immer in den Medien steht. Das kann ja nicht so schwer sein. Nun ist das Wahlsystem ja ohnehin völlig unsinnig gewesen. Es gab nur eine Liste, die vorgegeben war und man hatte ja bei der Wahl nur die Möglichkeit, entweder diese Liste ganz zu wählen oder Einzelpersonen davon zu streichen, was aber nicht zur nicht dazu führte, dass die anderen dann nicht gewählt worden wären oder so, man konnte auch keine anderen Leute wählen. Völlig unsinniges System, aber immerhin. Wir glaubten einfach vorher nicht, dass es tatsächlich so ist, dass 99 Komma keine Ahnung was Prozent der Bevölkerung zur Wahl gehen. Diese Unsinns-Aktion tu würden, eine vorgegebene Liste in einen Schlitz zu stecken und da auch nicht streichen. Irgendwas stimmt da nicht. Da kann man doch einfach mal nachzählen. Dann haben wir eine valide Zahl. So der Gedanke. Das war auch relativ schnell eigentlich eingeteilt. Die zwei gehen dahin, die zwei gehen dahin. Es war ja völlig klar 18:00 Uhr schließen die Wahllokale, dann geht man da 18:00 Uhr hin und zählt einfach mit. Das haben wir auch gemacht. In ganz Weißensee haben wir, außer aus ein oder zwei Wahllokalen, die Zahlen zurückbekommen. Hätte ich gar nicht gedacht, dass von uns ungefähr 40 Menschen tatsächlich alle so verlässlich agieren. Ich war da auch. Ich bin dann in ein Wahllokal mit jemand anders in einer Schule in der Langhansstraße nach 18:00 Uhr rein. Und natürlich war die Aktion bekannt. Die Interner Link: Staatssicherheit war vor Ort. Und dann hieß es: Was, wo wollen Sie denn hin? Na ich will zur Auszählung. Der Raum ist zu klein. Der ist schon voll. Es muss doch möglich sein. Der ist öffentlich. Irgendwie bin ich dann da in den Raum und durfte da tatsächlich sein. Dann war da der Wahlleiter, der das Wahlbüro unter sich hatte. Der sagte dann auch: ja, wir wissen, hier kommen auch Leute von den Bürgern, die wollen mitzählen. Das soll doch da noch möglich sein. Der war ganz nett. Dann ging die Interner Link: Stasi-Leute so ein Stück zurück und ich durfte da auch sitzen mit dem anderen zusammen und hatte so einen Zettel mit. Dann haben die da die Wahlurnen ausgegossen und haben die Zettel ausgeschüttet auf den Tisch und haben davon mal zehn hoch gezeigt. "Keine Änderung, keine Änderung." Sie hatten immer Zehner Stapel gemacht und tatsächlich konnte ich mich melden und sagen: "Könnt ich mal den Zehner Stapel noch mal sehen? Ich glaube das waren nur acht." Und "Natürlich", sagte der Wahlleiter und dann: "Doch tatsächlich! Ach, gut, dass sie da sind, tun wir doch zwei drauf." So waren es wieder zehn. Sie haben auch Zettel hoch gezeigt, wo offensichtlich was durchgestrichen war und haben gesagt "keine Änderung". Und haben es auf den Stapel gelegt. Da habe ich mich dann auch mehrmals gemeldet und habe gesagt: "Könnten wir das noch mal gucken? Ich glaube da ist Ihnen was entgangen." "Ach, tatsächlich gibt es da ein nein, das passiert ja auch mal!" Dann hat er es auf den anderen Stapel getan. Und dann habe ich meine Wahlergebnisse mitgenommen und wir haben das abends zusammengetragen. 21:00, 22:00 Uhr haben wir alles untereinander geschrieben und stellten fest: Wir hatten sehr viel geringere Zustimmungswerte. Also sowohl die Wahlbeteiligung war zwar über 80 %, aber nicht 99 Komma irgendwas. Aber auch die Zahl derer, die den Zettel verändert hatten, war deutlich größer als offiziell immer angegeben. Und ich dachte: Na ja, gucken wir doch mal, ob das jetzt vielleicht nur in Weißensee ist. Am nächsten Morgen kauft man die Zeitung und liest, auch in Weißensee die Zustimmung wieder bei 99 Komma irgendwas Prozent und stimmt aber nicht mit unserem nachgezähltem im Ergebnis überein.

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  • Produktion: 2021

  • Spieldauer: 5 Min.

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