Wir im Interner Link: Freundeskreis Wehrdiensttotalverweigerer haben uns beschäftigt mit Desertion. Totalverweigern kann man ja nicht nur vorher, sondern man kann ja auch den Erkenntnisgewinn "Ich muss jetzt gehen", auch später haben. Das wird dann Desertion genannt. Dann haben wir gesagt, dann wollen wir ein Denkmal machen: dem unbekannten Deserteur. Und das haben wir auf der Interner Link: Friedenswerkstatt gemacht. Ich weiß gar nicht welches Jahr 1987, würde ich sagen, aber da befindet sich bestimmt irgendwo was im Havemann-Archiv. Das war eine super Geschichte. Das haben wir dort richtig als Kunst auf dem Erlöser-Gelände hergestellt. Ich hatte einen Betonklotz vorher gegossen und hatte dort einen Doppel-T-Träger reingesteckt. Während der Friedenswerkstatt kam dann jemand und hat den durchtrennt und hat wie eine Schiene einen Teil abgebogen, als Zeichen dafür, dass man auch woanders hingehen kann. Und das ist auch gut in der Öffentlichkeit gewesen. Die Westpresse schrieb darüber und hat doch in der DDR eine ziemlich kontroverse Diskussion ausgelöst. Das ist tatsächlich, das habe ich da erfahren, auch für die Menschen, auch gerade bei der Kirche nochmal was anderes. Desertion, das macht man nicht, den Kameraden im Stich lassen. Dann haben wir einen Aufstellplatz dafür gesucht. Nun stand es in Erlöser, dann musst du es erstmal wegtun. Da war ja ein Betonklotz und die Schiene da oben dran, das Ding wiegt ein paar Tonnen. Das stand jetzt dort in Erlöser, aber die wollten es ja nicht haben. Und wie schwer das war, überhaupt einen neuen Standort für dieses Teil zu finden. Keiner wollte es haben. Dem unbekannten Deserteur heißt immer "Wir gedenken der Kameradenbetrüger". Das sehe ich überhaupt nicht. Hier geht es nicht um Kameraden im Stich lassen, sondern dass Menschen eine Lebensentscheidung treffen. Und die müssen sie auch für sich treffen.