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Michael Heinisch-Kirch - Die Staatssicherheit als ständiger Begleiter

Michael Heinisch-Kirch - Die Staatssicherheit als ständiger Begleiter

Ab 1988 wird Michael Heinisch von der Staatssicherheit überwacht, was sein soziales Leben stark einschränkt. Er muss ständig überlegen, mit wem er sich trifft, da jede Begegnung Risiken birgt.

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Die Interner Link: Staatssicherheit wurde zum regelmäßigen Begleiter, spätestens seit 1988. Spätestens seit 1988 wusste ich davon, nach der Kirchenzeitungsdemo. Da gab es ja auch eine Vernehmung und so was alles im Gefängnis. Und spätestens da bin ich angelegt worden, quasi als Staatsfeind. Später habe ich ja auch erfahren, dass es einen operativen Vorgang. Ich heiße "OV Protestant", was ja auch irgendwie passt. Je nachdem, wenn irgendwas wieder war, irgendeine kirchliche Veranstaltung oder irgendein Ereignis, wo es darauf hinauslief, dass ich mich da irgendwie engagieren könnte, wurde die Frequenz der Kontrollen größer. Teilweise sind mir Leute hinterhergelaufen, teilweise hatte ich auch richtig rund um die Uhr Überwachung vor der Tür oder mit mehreren Autos, die mir auch immer hinterher gefahren sind. Das ist irgendwann in Phasen auch lustig, weil sie machen alles, was ich auch mache. Mit dem kann man auch spielen. Aber auf die Dauer ist es ganz schön nah dran. Mit dem Wissen auch, dass die mich einfach überwachen und egal was ich sage oder tue, es kann immer sein, dass es bei der Staatssicherheit landet und gegen mich verwendet wird oder auch gegen andere Personen, mit denen ich mich getroffen habe. Das behindert tatsächlich auch die Kontakte. Ich fange an genau zu überlegen, wen treffe ich denn jetzt? Weil: Wenn ich den treffe, ist davon auszugehen, der wird dann auch kontrolliert werden. Der wird auch hier in diesen Interner Link: Stasi-Kreis reingezogen werden. Das behindert auch das soziale Leben mehr und mehr, weil ich mir das jeweils überlegen muss und auch den Leuten sagen muss: Wenn du mit mir redest, ich sage es niemanden, aber ich weiß nicht, ob es nicht trotzdem einer hört. Das beschränkt das soziale Leben ganz enorm. Dass es mir dann ab 1988 zunehmend auch so gegangen. Man wird die auch los. Also wenn man ernsthaft irgendwo hin will, dann springt man über ein paar Mauern und so. Ich war Anfang 20, ich war damals noch sportlich, nicht so dick wie heute. Dann kriegt man die auch mal los. Irgendwann haben sie einen auch wieder. Aber das funktioniert denn schon. Aber es ist eben jeweils ein ganz besonderer Kraftakt, wenn man wirklich ohne Begleitung sein will. Eines Tages kam ich auch nach Hause, ich hatte keine Lust auf die Stasileute vor meiner Tür, also bin ich hintenrum rein. Unser Haus hatte auch noch einen Hintereingang, den man über so eine Müllhalde erreichen konnte. Ich bin da von hinten rein und bin in meine Wohnung und da stand in meiner Wohnung so ein Stasi-Fritze vor meinem Bücherschrank. Der stand da einfach und guckte sich meine Bücher an. Der war ein bisschen verwirrt, wieso ich hier jetzt reingekommen bin. Er hatte so ein Funkgerät dran. Die vor der Tür haben ihm anscheinend nicht gesagt, dass ich komme. Konnten sie ja nicht, denn sie haben mich nicht gesehen. Ich frage ihn, was er hier eigentlich macht. Und er sagt: "Ach, ich wollte sowieso gerade gehen." Ich sage: Naja, aber wie sind Sie hier denn reingekommen? Er sagte nur "Ich habe den Schlüssel". Dann ist er gegangen.

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  • Produktion: 2021

  • Spieldauer: 4 Min.

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