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Michael Heinisch-Kirch - Demonstration gegen den Boykott der Kirchenzeitung im Oktober 1988

Michael Heinisch-Kirch - Demonstration gegen den Boykott der Kirchenzeitung im Oktober 1988

Bei der Erlöserkirche erlebt Michael Heinisch die staatliche Abnahme des Gemeindeblatts. 1988 protestiert er gegen Zensur in der Kirchenzeitung und wird bei einer Demonstration festgenommen.

Inhalt

Als ich Kirchendiener war in der Erlöser-Kirche, gehört es natürlich auch zu meinen Aufgaben, dass das Gemeindeblatt gedruckt wird. Das ist eigentlich eine Ankündigung von Veranstaltungen und wann der Heiligabend-Gottesdienst ist. Und natürlich, wie das bei so einem Gemeindeblatt ist, gibt es vorne ein Grußwort vom Pfarrer zu irgendeiner biblischen Geschichte oder so was. Das macht man so in jedem Gemeindeblatt. Damit die Druckerei das druckt, brauchte man eine Freigabe von der Beauftragten für Kirchenfragen. Die gab es in jedem Stadtbezirk. Dann bin ich also zu der, das war meine Aufgabe als Gemeindemitarbeiter dort das zum Druck zu bringen. Dann fing die an, sich mit mir über die Inhalte des Gemeindeblatt zu unterhalten. Warum der Pfarrer das so schreibt, warum ist denn die Veranstaltung eigentlich so und nicht anders? Warum findet die um diese Uhrzeit statt? Das wollte die von mir wissen. Eigentlich hatte ich nur den Auftrag das Blatt zum Druck zu bringen, aber ich brauchte ja diese Unterschrift. Das fand ich alles höchst merkwürdig. Dann fing die auch an, mit mir darüber zu sprechen, ob ich nicht auch Einfluss nehmen könne. Und das klingt jetzt auch in dem einen Gemeindeblatt so, als ob das eine Kritik an der DDR wäre. Das stand da gar nicht. Dann habe ich auch die Gespräche mit ihr verweigert. Ich habe gesagt, wenn sie mir die Unterschrift nicht gibt, dann gibt es die halt nicht. Dann geh ich einfach wieder zurück, dann wird es nicht gedruckt oder muss es selber drucken oder irgendwas. Aber sie hat sie mir immer gegeben und dann bin ich damit zur Druckerei. Aber ein merkwürdiges Zensursystem, dass dann auch der Mitarbeiter, der nicht in der Redaktion war, unter Druck gesetzt wird, Einfluss auf die Redaktion zu nehmen. Dann gab es 1988 in der Kirchenzeitung Berlin-Brandenburg einen Vorgang. Dort gab es ein Gebet, oder mehrere Gebete. Auch da gab es ein ähnliches Freigabeverfahren. Da haben die Zensoren seitens des Staates gesagt, diese beiden Gebete werden nicht gedruckt. Die sollen ersetzt werden. Dann hat die Kirchenzeitungsredaktion sich nicht dafür entschieden, die leeren Stellen mit etwas was anderem zu füllen, sondern hat die leeren Stellen gedruckt. Als Zeichen des Protestes: Hier ist Interner Link: zensiert worden! Das Signal ist angekommen. Die Kirchenzeitung wurde ausgeliefert mit mit leeren Stellen. Und es gab berlin- und brandenburgweit Aufruhr. Was ist das? Die Interner Link: Zensur war jetzt öffentlich. Ein paar Freunde und ich hatten die Idee: Das geht so nicht. Wenigstens ein Gebet muss man hier drucken können. Jetzt reicht's. Wir gehen demonstrieren. Wir bringen einen Brief zum Interner Link: Staatsrat, mit der Bitte die Zensur abzuschaffen. Wir treffen uns dafür in der Neuen Grünstraße im Konsistorium der evangelischen Kirche und gehen dann zum Interner Link: Staatsratsgebäude und bringen dort einen Brief hin zusammen. Dort trafen sich, ich würde sagen, 25 bis 30 Menschen. Unter anderem ich. Teilweise kirchliche Mitarbeiter, teilweise Freunde. Man konnte gar nicht hin, weil das war natürlich vorher bekannt. Es standen tausende Polizisten um das Grundstück, aber über eine Interner Link: Mauer springend habe ich es geschafft auf das Grundstück zu kommen. 30 sind in da angekommen, nicht mehr. Die Kirchenoberen haben uns gebeten das mit der Demonstration zu lassen, weil man sieht ja, wir werden festgenommen werden. Aber wir waren jung, wir waren Anfang 20. Wir lassen uns doch nicht verbieten, auf der Straße irgendwo hinzugehen. Die werden uns doch wohl zum Interner Link: Staatsratsgebäude lassen und da ein Brief hinbringen. Haben sie nicht. Wir formierten uns tatsächlich und sind nach einem Meter Demonstration vor dem Grundstück alle auf LKWs verladen worden und ich habe dort wiederum eine Nacht im Knast verbracht.

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  • Produktion: 2021

  • Spieldauer: 5 Min.

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