Den Interner Link: Freundeskreis Wehrdiensttotalverweigerer gab es hier in Berlin. Auch DDR-weit organisiert, aber eigentlich in Berlin. Der Michael Frenzel hatte damals eine richtige Beauftragung von der Kirchenleitung, Seelsorge an Wehrdiensttotalverweigerern zu machen. Michael Frenzel war aber selber Wehrdiensttotalverweigerer. Der hat eigentlich die Räume geöffnet. Er hatte Ressourcen als kirchlicher Mitarbeiter und hat die Wehrdiensttotalverweigerer auch eingeladen. Da traf sich ein ziemlich bunter Haufen: von Anarchisten über religiöse Fanatiker, über DDR-Ablehner, über alles Mögliche mit dem gemeinsamen Thema: Wir warten eigentlich alle darauf, dass wir jetzt irgendwann in den Knast kommen könnten. Dort haben wir unsere Themen diskutiert. Die waren ganz unterschiedlichster Art. Ich erinnere mich zum Beispiel an ein DDR-weites Treffen der Wehrdiensttotalverweigerer in Schmöckwitz 1986, wo wir darüber gesprochen haben, welche gesellschaftliche Vision wir denn eigentlich haben. Wir verweigern heute, das ist ja ein einfacher Akt, aber der ist etwas gegen etwas. Aber wofür sind wir denn eigentlich? Die einen wollten tatsächlich eine kommunistische Gesellschaft aufbauen, die anderen wollten die mit den Menschen zusammen erfinden, die anderen wollten eine anarchistische Gesellschaft aufbauen. Alles völlig unterschiedlich. Man trank auch Bier nebenbei. Irgendwann als es dunkel wurde, kam dann der Schluss: Aber bevor wir das alles machen, müssen wir ja erst mal dafür frei werden. Also beschließen wir hier die Abschaffung der DDR. Wir haben tatsächlich 1986 ins Statut der Wehrdiensttotalverweigerer aufgenommen, die DDR abzuschaffen. Das haben wir da beschlossen.