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Michael Heinisch-Kirch - "Ein Freund von dem man zu Hause nicht erzählen durfte"

Michael Heinisch-Kirch - "Ein Freund von dem man zu Hause nicht erzählen durfte"

Michael Heinisch ist in der Schule ein attraktiver Freund, von dem man aber zu Hause nicht erzählt. Denn in Frankfurt/Oder gehört ein Großteil der Eltern zu Armee, Grenztruppen und Polizei.

Inhalt

Frankfurt Oder ist eine Stadt am Rande der DDR - Grenzstadt. Deswegen war in der DDR ganz viel Armee und Grenztruppen und Polizei. Und die Eltern meiner Freunde waren zum großen Teil Grenztruppen, Armee und Polizei. Das war ein ganz komisches Verhältnis, weil die durften einerseits nicht mit mir befreundet sein. Auf der anderen Seite hatte ich ja auch viel zu bieten, weil ich hatte zum Beispiel die Kirchenruine, wo ich Leute reinlassen konnte, super Spielplatz mitten in der Stadt oder ich hatte auch relativ gute schulische Leistungen. Ich konnte einfach die anderen abschreiben lassen, konnte denen bei den Hausaufgaben helfen oder was immer man so als Kind tut. Insofern war ich gewissermaßen ein attraktiver Freund, aber einer, von dem man zu Hause nicht erzählen durfte. Das war ein ganz komisches Verhältnis. Ich bin das fünfte Kind meiner Eltern, habe vier ältere Geschwister. Die waren alle nicht bei den Pionieren oder bei der Interner Link: FDJ, weil das aus unserer Sicht ganz selbstverständlich war. Deswegen war ich da auch nicht Pionier. Aber auf der anderen Seite war das auch immer komisch, weil ich bin nicht Pionier, aber soll trotzdem irgendwie was mitmachen. Das war ganz komisch. Dann gab es diese Fahnenappelle in der Schule, wo denn gesagt wurde, wenn jemand eine besonders gute Leistung hatte, wurden die nach vorne gerufen. Und dann wurde gesagt: Interner Link: Michael Heinisch hat die Leistung auch gebracht, wird aber nicht nach vorne gerufen. Weil ich eben nicht Pionier war. Solche Szenen gab es laufend, wo ich mich darin einrichten musste, anders zu sein als alle anderen. Aber mir hat das eher Freude gemacht. Die Lehrer in der Schule sind sehr unterschiedlich mit mir umgegangen. Wir hatten Lehrer, die waren ganz normal zu mir, so wie zu allen anderen Kindern auch. Es gab aber auch Lehrer, die vor der Klasse gesagt haben: Der kommt von der Kirche und mit dem dürft ihr nicht zusammen sein. Und das richtig vor der Klasse, das habe ich schon erlebt. Oder wenn ich eine Antwort auf eine Frage nicht wusste oder unaufmerksam war im Unterricht, kam von betreffenden Lehrern dann auch dieses: Naja ist ja kein Wunder, wir wissen ja, wo du herkommst. Das war so: Pfarrers Haushalt ist der Abschaum. Das fiel mir auch immer mal nicht leicht. Andererseits habe ich sehr früh so ein Selbstbewusstsein aufgebaut: Ich weiß doch, wer ich bin und was ich will. Die informelle Anerkennung in der gleichaltrigen Gruppe hatte ich immer. Ich hatte auch viele Freunde, es war nur so, dass viele mich nicht mit nach Hause nehmen durften oder nur wenn die Eltern nicht da waren.

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  • Produktion: 2021

  • Spieldauer: 4 Min.

  • hrsg. von: Robert-Havemann-Gesellschaft & Bundeszentrale für politische Bildung

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© 2021 Robert-Havemann-Gesellschaft & Bundeszentrale für politische Bildung