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Kathrin Mahler Walther - Konsequenzen des oppositionellen Handelns

Kathrin Mahler Walther - Konsequenzen des oppositionellen Handelns

Kathrin Walter wird wiederholt vom MfS befragt und überwacht, verbrannt aus Angst Tagebuchseiten. Aber zum Glück wird sie nie inhaftiert. Aber die konspirative Arbeit kostet sie viel Kraft.

Inhalt

Ich bin nie inhaftiert worden. Ich wurde öfters besucht in meinem Ausbildungsbetrieb von der Interner Link: Stasi. Das war eine äußerst unangenehme Situation. Das geht ja dann im ganzen Betrieb auch rum, dass da die Stasi kommt wegen mir etc. Also ich wurde natürlich sehr viel angefragt, was ist da eigentlich los? Und das war ja auch nicht so, dass alle Leute das gut fanden, wenn man sich in einer Basisgruppe engagiert. Also da gab es viele, die mit mir deswegen gebrochen haben. Es gab eben mehrere Vorladungen zur Kriminalpolizei zu der Zeit. Aber ich wurde selber tatsächlich nie Interner Link: zugeführt oder verhaftet zu meinem ganz großen Glück. Ich hatte immer eine Zahnbürste dabei, also ab einem bestimmten Punkt von Engagement war klar: Das kann jederzeit passieren. Unsere Wohnung wurde auch x-fach gefilzt in unserer Abwesenheit. Wir haben teilweise uns überlegt, woran können wir erkennen, dass hier jemand war in unserer Abwesenheit? Das ist tatsächlich des Öfteren auch passiert. Aber mir ist zum Glück nie selber etwas passiert. Was für mich wirklich auch hart war: Ich schreibe sehr gerne Tagebuch. Das mache ich, glaube ich, seit ich zehn bin oder so. Das war für mich so ein Mittel des Reflektierens und nochmal zu überlegen, was war da jetzt eigentlich? Und ich habe eben auch in der Zeit, als ich politisch aktiv gewesen bin, Tagebuch geschrieben. Ich wusste, ich darf das nicht aufheben. Ich habe also paradoxerweise ganz viele Tagebuchseiten beschrieben und anschließend verbrannt. Weil klar war, die dürfen hier nicht rumliegen. Also gar nicht so sehr, weil ich dort jetzt so geheime Informationen geschrieben hätte. Ich habe da jetzt nicht festgehalten, was wir wann wo gemacht oder geplant hätten, aber vor allen Dingen, weil ich da über mich geschrieben habe und klar war, wenn die Stasi das liest und ich irgendwann Interner Link: zugeführt oder verhaftet werde, dann sind das Informationen, die gegen mich benutzt werden können, um psychisch auf mich Druck auszuüben, um genau zu wissen, womit man mich weich kriegt etc. Deswegen habe ich all diese Informationen ständig verbrannt. Das war für mich wie so ein Teil meiner selbst, immer wieder zu vernichten. Gleichzeitig natürlich auch was, was man sich kaum vorstellen kann. Also das ist auch so ein Angst-System: sich das klar zu machen, dass das passieren kann. Und das war auch was, was mich in diesem Engagement im Interner Link: Arbeitskreis Gerechtigkeit, in diesem konspirativen Arbeiten wirklich extrem viel Kraft gekostet hat: mit Niemandem über Dinge zu sprechen, obwohl sie mich wahnsinnig beschäftigt haben. Ich brauche viel Austausch, ich brauche Sparringspartner, ich muss mich kalibrieren und überlegen: Ist das jetzt das richtige Vorgehen? Was sollten wir tun? Und das alles nicht machen zu können, sondern alles in mir zu bewahren, das war für mich eine wahnsinnige Herausforderung. In diesem Alter noch mal umso mehr.

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  • Produktion: 2021

  • Spieldauer: 4 Min.

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