Ich hatte ehrlich gesagt das Glück, dass ich durch meine Familie dann Zugang gekriegt habe zur jungen Gemeinde und dort einfach noch mal auf Jugendliche getroffen bin, die auch diese Fragen gestellt haben und mit denen genau diese offenen Gespräche und diese Selbstsuche im System möglich war. Und das war tatsächlich auch meine Rettung in dieser Zeit. Ich weiß nicht wie es mir sonst ergangen wäre, weil ich mich schon eine Zeit lang gefragt habe: Was ist mit mir? Warum sehe ich lauter Dinge, die andere nicht bemerkenswert finden? Und warum will ich über Dinge reden, auf die andere keine Aufmerksamkeit geben? Und das war einfach meine Rettung, dann zu sehen: es gibt auch andere Jugendliche wie mich, die diese Fragen umtreiben. Und so habe ich dann einen sehr guten und festen Anker tatsächlich auch in der Kirche gefunden. Erst im Konfirmandenunterricht, später in der Interner Link: Jungen Gemeinde. Das war letzten Endes dann auch mein Zugang zu den Basisgruppen, also mein ganz großes Glück. Und das hing damit zusammen, dass meine Großmutter väterlicherseits sehr christlich war und meine Familie formal immer noch Kirchenmitglied gewesen ist. Also meine Mutter war Kirchenmitglied, mein Vater nicht. Gemeinsam gingen sie in die Weihnachtsgottesdienste. Dann irgendwann saß der Pfarrer bei uns zu Hause und sagte, will die Kathrin denn nicht in Konfirmandenunterricht kommen? Und meine erste Reaktion war: Was soll ich denn da? Aber meine Großmutter war Jemand, die mich sehr inspiriert hat und die mir sehr wichtig war. Und dann habe ich gedacht: Naja, gut, ich kann ja nicht zu etwas Nein sagen, was ich noch gar nicht kenne. Dann geh ich jetzt mal in diesen Unterricht, damit ich dann fundierter sagen kann, warum ich mich nicht konfirmieren lasse. Und als ich dann in diesen Unterricht ging, hat sich dann einfach sehr viel miteinander vermischt. Also der ganze Glaube, das ganze Christentum oder die Religion und gleichzeitig eben eigentlich erstmals auf Menschen zu treffen, wo ich mich zu Hause gefühlt hatte, wo ich das Gefühl hatte, hier habe ich ein Gegenüber. Und so kam es dann dazu, dass ich mich am Ende dann doch habe auch konfirmieren lassen. Aber es war wie gesagt, mein Glück, dass ich dadurch die Möglichkeit hatte, jenseits dieses engen Systems noch einen anderen Zugang zu Menschen zu finden.