Ich bin in Frankfurt an der Oder groß geworden. Ich kenne das noch aus meiner frühesten Kindheit. Ich bin ein Kind von einem Pfarrer und einer Kantorin. Kantoren sind die, die in der Kirche mal die Musik machen, Orgel spielen und so was. Und wir waren in der DDR einerseits hoch anerkannt, weil die Bevölkerung sich immer an den Pfarrer wenden kann. Andererseits ausgegrenzt. Wir wissen, Karl Marx hat gesagt: Religion ist Opium fürs Volk. Interner Link: Ulbricht hat das dann aufgegriffen. Insofern war Kirche ja immer so, eher am Rande, hatte andererseits die Ressourcen, weil wir hatten ja eine Kirche und ein Gemeindehaus, auf der anderen Seite durften wir gesellschaftlich schlicht nicht mitspielen. Das hat auch meine Kindheit geprägt. Dieses einfach nicht mitmachen dürfen war für mich von Anfang an selbstverständlich. Auch auf der anderen Seite trotzdem eine Offenheit zu haben für alle, die kommen, das hat mich in der Kindheit geprägt. In meiner Kindheit sind in unser Pfarrhaus immerzu Menschen gekommen, egal ob Christen oder Nichtchristen, die irgendein Anliegen hatte hatten, dass sie woanders nicht losgeworden sind. Egal, ob sie Friedensarbeit machen wollten oder die Gruppe der älteren Frauen, die sich umeinander kümmern wollten oder irgendwas. Das war völlig selbstverständlich. Ich war auch in der Rolle als Pfarrerskind, dass ich einfach mal die Schlüssel rausgegeben habe für die Gemeinderäume. Da habe ich dann auch mal einen Kaffee gekocht und dafür ein Stück Kuchen abgekriegt.