Ich wäre überhaupt nicht darauf gekommen, mich bei der Kirche zu melden und zu fragen: Haben Sie einen Job für mich? Das war einfach so, dass da Leute wie zum Beispiel Interner Link: Marianne Birthler vom Stadtjugendpfarramt dabei waren, die sich sehr um uns bemüht hat und die einfach mit uns gemeinsam überlegt hat: Was wollt ihr jetzt machen? Was wäre für euch irgendwie gut und angemessen? Und ich habe gesagt, ich möchte auf keinen Fall beim Staat oder für den Staat arbeiten. Und da hat sie dann einfach nachgefragt. Und irgendwie kam dann diese Möglichkeit, da in Weißensee in der Stephanus-Stiftung anzufangen. Und da war ich einfach sehr froh, weil ich das als geschützten Raum empfunden habe, wo ich einfach so sein konnte, wie ich war. Ich war in diesem Kinderheim als pflegerische Hilfskraft und das war zum Überbrücken sehr gut für mich, aber irgendwie keine Perspektive, um mich weiterzuentwickeln. Und ich wollte wirklich gerne weiter zur Schule gehen und dann habe ich durch andere erfahren, dass es in Potsdam Herrmannswerder so ein kirchliches Oberseminar gibt, was faktisch ein humanistisches Gymnasium war und sich nur nicht so nennen durfte, weil es in der DDR nicht anerkannt war. Und da könnte man theoretisch Abitur machen. Es war eigentlich nur für Kinder aus kirchlichen Familien gedacht, die jetzt kein Abitur machen durften, weil sie Christen waren oder weil die Eltern Pastoren waren. Aber ich habe es einfach versucht, habe mich da beworben und habe die Aufnahmeprüfung machen dürfen. Also ich wurde da wirklich mit offenen Armen empfangen und habe immer gesagt, dass ich kein Christ bin. Ich bin nicht getauft und wenn, dann, müsstet ihr mich so nehmen, wie ich bin. Und das war für die überhaupt kein Problem. Die haben gesagt, wir schätzen das auch, dass du nicht den leichtesten Weg gehst, was in dem Fall dann auch gewesen wäre, zu meiner Mutter zu gehen. Und wir wollen, dass du deine Entscheidung, hier zu bleiben, mit der Möglichkeit verbinden kannst, ein Abitur zu machen. Und so war das dann auch.