Offener Brief prominenter Künstlerinnen und Künstler


„Wir protestieren“: Offener Brief der Berliner Künstler mit der Bitte um die Rücknahme der Ausbürgerung Wolf Biermanns vom 17. November 1976. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

Zwölf namhafte Künstlerinnen und Künstler protestieren im November 1976 mit ihrer Unterschrift gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Der Schriftsteller Stephan Hermlin verfasst die Erklärung an die SED-Führung. Zu den Erstunterzeichnern gehören international bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller: Christa Wolf, Stefan Heym, Heiner Müller, Volker Braun, Gerhard Wolf, Erich Arendt, Jurek Becker, Sarah Kirsch, Rolf Schneider, Franz Fühmann und Günter Kunert. (Bildergalerie)

Mehr als andere fühlen sich die Intellektuellen von der Ausbürgerungsaktion betroffen: Heute Biermann – morgen ein anderer Künstler, so denken sie. Stefan Heym befürchtet, dass sich „das Ausbürgern jetzt einbürgern“ wird und dass der Staat nun auf jede Kritik mit den härtesten Mitteln reagiert. Stephan Hermlin versucht zusammen mit Stefan Heym, das Parteiorgan Neues Deutschland zum Abdruck des Schreibens zu bewegen. Vergeblich. Nun sehen sich die Künstler gezwungen, den Brief in der Bundesrepublik zu veröffentlichen.

Jetzt schließen sich den öffentlichen Protesten immer mehr Prominente an. Die Parteiführung reagiert äußert nervös: Selbst die Kinder der Unterzeichner des Briefs werden von der Stasi überwacht. Durch „Gespräche“ und Strafandrohungen sollen einige der Künstler dazu bewogen werden, ihre Unterschriften zurückzuziehen. Wer das nicht tut, wird aus Partei und Schriftstellerverband ausgeschlossen – was einem Berufsverbot gleichkommt. Einige Unterzeichnende werden mit Auftritts- und Veröffentlichungsverboten belegt. Die Folge: Viele Prominente wie Manfred Krug oder Armin Mueller-Stahl verlassen sofort oder in den folgenden Jahren die DDR.

Die Verbreitung des Offenen Briefs wird aber auch von jungen, noch nicht so etablierten Künstler unterstützt, zum Beispiel vom Schriftsteller Jürgen Fuchs (25) und den Musikern Gerulf Pannach (28) und Christian Kunert (24), die schon seit einiger Zeit wegen ihrer kritischen Texte in der DDR Auftritts- und Publikationsverbot haben. Sie werden verhaftet und nach mehreren Monaten im Gefängnis in die Bundesrepublik abgeschoben. (Christian Kunert berichtet im Zeitzeugen-Video über seine Erlebnisse.) Die miserable Behandlung dieser jungen Künstler ruft sowohl im Westen als auch im Osten Deutschlands eine Welle der Solidarität hervor.

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WDR: Stefan Heym über die Ausbürgerung Wolf Biermanns