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Thomas Ammer

Thomas Ammer (rechts) mit seinem jüngeren Bruder Stefan 1946. 
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Thomas Ammer (rechts) mit seinem jüngeren Bruder Stefan 1946. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Thomas Ammer (links) mit seinem Bruder Stefan und seiner Mutter Elisabeth 1950. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Thomas Ammer (links) mit seinem Bruder Stefan und seiner Mutter Elisabeth 1950. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
"Unter dem direkten Eindruck des Nationalsozialismus sollte uns keiner nachsagen können, dass wir uns nicht wehren. " Porträt des Schülers Thomas Ammer von 1953. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
"Unter dem direkten Eindruck des Nationalsozialismus sollte uns keiner nachsagen können, dass wir uns nicht wehren. " Porträt des Schülers Thomas Ammer von 1953. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Porträt von Thomas Ammer, ca. 1955. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Porträt von Thomas Ammer, ca. 1955. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Die Abiturklasse an der Eisenberger Oberschule 1955: Thomas Ammer (vorne links), dahinter Joachim Marckstadt. In der Bildmitte die Klassenlehrerin Irene Geier (LDP-Mitglied), die im Zuge der Kampagne gegen die Junge Gemeinde als Direktorin der Schule...
Die Abiturklasse an der Eisenberger Oberschule 1955: Thomas Ammer (vorne links), dahinter Joachim Marckstadt. In der Bildmitte die Klassenlehrerin Irene Geier (LDP-Mitglied), die im Zuge der Kampagne gegen die Junge Gemeinde als Direktorin der Schule abgesetzt wird. Sie erzieht ihre Schüler in einem kritischen Geist gegenüber der SED. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Thomas Ammer mit seinem jüngeren Bruder Stefan zu Weihnachten 1957. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Thomas Ammer mit seinem jüngeren Bruder Stefan zu Weihnachten 1957. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Das Wohnhaus der Familie Ammer in der Oststraße in Eisenberg 1958. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Das Wohnhaus der Familie Ammer in der Oststraße in Eisenberg 1958. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Die Zeit von seiner Verhaftung bis zur Urteilsverkündung verbringt Thomas Ammer im Untersuchungsgefängnis Gera. Das Bild, das die ehemalige MfS-Untersuchungshaftanstalt in Gera zeigt, entsteht in den 1990er Jahren. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Thomas...
Die Zeit von seiner Verhaftung bis zur Urteilsverkündung verbringt Thomas Ammer im Untersuchungsgefängnis Gera. Das Bild, das die ehemalige MfS-Untersuchungshaftanstalt in Gera zeigt, entsteht in den 1990er Jahren. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Thomas Ammer
Nach der Urteilsverkündung werden Thomas Ammer und die anderen Verurteilten des Eisenberger Kreises zunächst in die berüchtigte Haftanstalt Waldheim gebracht. Dort trennen sich die Wege der Freunde. Von November 1958 bis August 1964 sitzt Thomas Ammer...
Nach der Urteilsverkündung werden Thomas Ammer und die anderen Verurteilten des Eisenberger Kreises zunächst in die berüchtigte Haftanstalt Waldheim gebracht. Dort trennen sich die Wege der Freunde. Von November 1958 bis August 1964 sitzt Thomas Ammer in der Strafvollzugsanstalt Brandenburg-Görden. Nach über sechs Jahren Haft wird er am 14. August 1964 in die Bundesrepublik entlassen. Thomas Ammer ist einer der ersten von der Bundesrepublik freigekauften politischen Häftlingen. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Thomas Ammer
August 1964: Thomas Ammer mit seiner Mutter Elisabeth in Österreich. Das Bild entsteht kurz nach seinem Freikauf aus der Haft. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
August 1964: Thomas Ammer mit seiner Mutter Elisabeth in Österreich. Das Bild entsteht kurz nach seinem Freikauf aus der Haft. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Auf den Spuren der Vergangenheit: Thomas Ammer in Eisenberg (1992). Im Hintergrund sieht man sein ehemaliges Zuhause. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Auf den Spuren der Vergangenheit: Thomas Ammer in Eisenberg (1992). Im Hintergrund sieht man sein ehemaliges Zuhause. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Die Oberschule in Eisenberg: Hier gingen Thomas Ammer und weitere Mitglieder des Eisenberger Kreises zur Schule.  Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/ Thomas Ammer
Die Oberschule in Eisenberg: Hier gingen Thomas Ammer und weitere Mitglieder des Eisenberger Kreises zur Schule. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/ Thomas Ammer
Ehrenbürgerschaft für ihren Widerstand: Die Mitglieder des Eisenberger Kreises, die Bürger Eisenbergs waren, erhalten vom Bürgermeister die Ehrenmedaille Eisenbergs. V.l.n.r.: Joachim Marckstadt, Ludwig Götz, Peter Herrmann, Rudolf Rabold, Johann...
Ehrenbürgerschaft für ihren Widerstand: Die Mitglieder des Eisenberger Kreises, die Bürger Eisenbergs waren, erhalten vom Bürgermeister die Ehrenmedaille Eisenbergs. V.l.n.r.: Joachim Marckstadt, Ludwig Götz, Peter Herrmann, Rudolf Rabold, Johann Frömel, der Bürgermeister, Thomas Ammer, Roland Peter, Wilhelm Ziehr, Günter Schwarz. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft
Thomas Ammer im September 2006 in der Robert-Havemann-Gesellschaft. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert
Thomas Ammer im September 2006 in der Robert-Havemann-Gesellschaft. Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft/Frank Ebert

Eisenberg, Sommer 1953. Thomas Ammer und einige seiner Mitschüler denken intensiv über die Bildung einer Widerstandsgruppe nach. Das hat vor allem zwei Gründe: Die Oberschüler sind empört, dass Mitglieder der Jungen Gemeinde (JG) verfolgt werden, und sie stehen unter dem Eindruck des niedergeschlagenen Aufstands am 17. Juni 1953. Der neuerliche Wahlschwindel der SED im Oktober 1954 veranlasst die Schülergruppe schließlich, den langen Diskussionen Taten folgen zu lassen. Sie stellt ein handgeschriebenes Plakat her. Darauf steht:

„Deutscher! Was hat die bisherige bolschewistische Herrschaft gebracht? Entziehung der freien Meinungsäußerung, der Versammlungs- und Pressefreiheit, des Streikrechts. Immer noch kriegsmäßiges Kartensystem, HO-Wucherpreise und rücksichtslose Ausbeutung. Willst du das alles noch länger mit ansehen? Deshalb stimme mit deinen verlässlichen Arbeitskameraden gegen die sog. Nationale Front!“

Im Schutze der Dunkelheit kleben die Schüler einige Exemplare dieses Aufrufs an Hausmauern in der Stadt.

Einige Wochen später klettern sie nachts in das Heimatmuseum, um aus dem Ersten Weltkrieg stammende Waffen zu entwenden. Allerdings finden sie keine brauchbaren Stücke und lassen lediglich zwei Vorderlader aus dem frühen 19. Jahrhundert mitgehen. Zusätzlich gelangen sie in den Besitz einer alten Pistole aus dem Bestand von Joachim Marckstadts Vater, der als Förster tätig war. Sie wird gut versteckt und niemals verwendet. Diese Aktionen zeigen die fließende Grenze zwischen Abenteuerromantik und politischer Aktion.

Die Gruppe, die später der Eisenberger Kreis genannt wird, konzentriert sich bis 1955 auf Flugblattaktionen und Parolen an Häuserwänden. Meist ziehen die Jugendlichen in Zweiergruppen los. Thomas Ammer malt mithilfe einer vorgefertigten Pappschablone fünfzackige rote Sterne auf Hausmauern. Sie sind im Durchmesser etwa zehn Zentimeter groß und mit Fahrradlack an die Wand gepinselt. Sein Begleiter streicht das Sowjetsymbol mit schwarzer Farbe durch.

Am 21. Januar 1956 gegen 23 Uhr treffen sich Thomas Ammer, Peter Herrmann, Günter Schwarz, Reinhard Spalke und Wilhelm Ziehr an einem Eisenbahnübergang in der Nähe der Stadt. Das Ziel des nächtlichen Ausflugs ist ein Schießstand der Gesellschaft für Sport und Technik (GST), der Volkspolizei und der SED-Kampfgruppen. Thomas Ammer bringt Holzwolle, trockenes Holz und eine Flasche Brennspiritus mit, Reinhard Spalke eine Flasche Petroleum und Peter Herrmann drei Flaschen Benzin aus dem Autotank seines Vaters.

Peter Herrmann, Thomas Ammer und Wilhelm Ziehr beziehen Posten, Reinhard Spalke und Günter Schwarz stapeln die im Schießstand stehenden hölzernen Tische übereinander, verteilen Holzwolle und Brennholz und übergießen den ganzen Stapel mit brennbaren Flüssigkeiten. Dann legen sie Feuer und machen sich getrennt auf den Heimweg. Die verbrannten Reste des Schießstands am Rande der städtischen Sportanlagen sind noch lange zu sehen. Damit haben die Schüler ein Zeichen gegen die Militarisierung der DDR-Gesellschaft gesetzt.

Mit dem Abschluss der Schule und dem Studienbeginn in Jena verlagert sich Thomas Ammers Tätigkeit in die thüringische Universitätsstadt. Die letzte größere Aktion der Gruppe bereiten Thomas Ammer und Peter Herrmann im September 1957 vor. Sie planen einen Aufruf an die mitteldeutschen Hochschullehrer. Sie schreiben einen Text, kaufen in kleinen Mengen Schreibpapier und Briefumschläge und besorgen sich ein Vervielfältigungsgerät.

Im Oktober 1957 stellen sie in zwei Nächten ungefähr 400 Exemplare des Aufrufs her. Da trotz vielfältiger Vorsichtsmaßnamen doch Fingerabdrücke auf die Flugblätter geraten, wird die Aktion abgeblasen. Außerdem beobachtet die Staatssicherheit jetzt jeden Schritt der Gruppe.

Am 13. Februar 1958 wird Thomas Ammer verhaftet. Von den 24 Angeklagten erhält er mit 15 Jahren Zuchthaus das höchste Strafmaß. 1964 wird Thomas Ammer von der Bundesregierung freigekauft.

Biografische Angaben zu Thomas Ammer finden sie im Personenlexikon.

Zitierempfehlung: „Thomas Ammer“, hrsg. v. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., letzte Änderung Januar 2018, www.jugendopposition.de/145500

 


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